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Originelle Fahrräder sind Trend

Zahnriemen und Bambus-Teile Originelle Fahrräder sind Trend

Ein Fahrrad von der Stange kaufen? Für viele Radler ist das keine Option. Sie wollen ein individuelles Bike, das zu ihren Bedürfnissen passt. Der Trend geht dabei zu puristischen Rädern.

Berlin. Die Straßen der Hauptstadt sind flach. Die wenigen Strecken, wo es mal etwas bergauf geht, fallen kaum ins Gewicht. Und Gelände? Ist kaum vorhanden. Die Gegebenheiten in Berlin kennt Dennis Wehr ganz genau.

Wehr ist Zweiradmechaniker und arbeitet im Fachgeschäft „ Bikedudes“ in Berlin-Friedrichshain. Dort verkaufen Wehr und seine fünf Kollegen Fahrräder, bauen aber auch individuelle Bikes nach Kundenwunsch. Spezialisiert seien sie auf leichte Räder mit wenig Schnickschnack und Verschleiß. „In Berlin braucht es keine 30-Gang-Schaltung oder Federung“, sagt Wehr. Beliebt sei dagegen, einen Zahnriemen anstelle einer Kette zu verbauen. „Der macht weniger Stress und ist wartungsarm.“ Gefragt sind etwa Singlespeeds, also Fahrräder mit nur einem Gang.

Das Aufbauen eines Bikes nach Wünschen des Kunden hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, weiß man beim Zweirad-Industrieverband (ZIV). „Allerdings auf niedrigem Niveau“, fügt ZIV-Sprecher David Eisenberger an. Exakte Zahlen fehlen jedoch.

Christoph Florin betreibt mit zwei Mitstreitern den Online-Shop „ Kreativrad“. Kern des Angebots ist ein Konfigurator, mit dem sich Kunden ihr Wunsch-Fahrrad zusammenstellen können. Sie haben die Wahl zwischen Stadt- oder Tourenrädern, zehn verschiedenen Rahmengrößen, 49 Farben: Am Bildschirm sieht man, wie das Fahrrad mit den gewählten Konfigurationen aussieht - und ob es einem so gefällt.

Viele Käufer wollen puristische Räder, sagt Florin. „Sie wollen nichts dran haben, was nicht nötig ist.“ Ein Trend sind Lederteile und Nachhaltigkeit. Aber auch vegane Teile sind gefragt, etwa Griffe und Sattel aus Naturkautschuk. Holz ist ein beliebter Werkstoff für Schutzbleche. Bei Bikedudes in Berlin gibt es Rahmen aus Bambus.

Für ihre Rahmen setzt Kreativrad statt Aluminium nur auf Stahl. „Stahl federt nach und ist nicht so steif wie Alu“, erklärt Florin. Auch Dennis Wehr bricht eine Lanze für Stahl: Dieser sei leichter und verbindungssteifer als früher. Außerdem dünner und filigraner. „Stahl war eine Weile weniger verbreitet, aber kommt jetzt zurück.“

„Der Trend der Individualisierung köchelt seit Jahren“, schätzt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad. Warum Radler ein Bike nach ihren Vorstellungen wollen? Fehlau nennt drei verschiedene Motive: „Sie wissen aus Erfahrung ganz genau, was sie wollen. Oder das Rad soll perfekt zu ihrem Körper passen. Oder es geht nur um Style.“

Drei bis acht Arbeitsstunden dauert es, ein Fahrrad nach Kundenwünschen zusammenzubauen, schätzt Wehr. Ähnlich taxiert auch Florin den Zeitaufwand: Circa sechs Stunden arbeiten sie in ihrer Manufaktur in Lüneburg an einem Bike. Das hat seinen Preis. Je nach Konfiguration kosten die Fahrräder bei Kreativrad zwischen 800 und 1850 Euro, schätzt Florin. Bei Bikedudes nennt man keinen konkreten Preisrahmen. Wieviel man zahlt, hängt etwa davon ab, ob Teile aus dem Laden verbaut werden oder der Kunde Teile selbst bringt. Es sei eine Mischkalkulation, erläutert Wehr. „An Teilen aus dem Laden verdienen wir und können dem Kunden dann beim Montage-Preis entgegenkommen.“

So oder so: Ein Schnäppchen sind individuell gebaute Räder in der Regel nicht. Dafür sind sie genau auf die Bedürfnisse ihres Besitzers zugeschnitten. Und sehen im Idealfall auch noch richtig gut aus.

dpa

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