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Porsche 911: Blasmusik aus vollen Rohren

Berlin Porsche 911: Blasmusik aus vollen Rohren

Bislang war der Turbo nur den besonders scharfen Porsche-Modellen vorbehalten. Doch mit der Überarbeitung des Elfers gibt es den Lader jetzt für Jedermann. Sentimentale Sehnsüchte nach den alten Saugern sind nach der ersten Testfahrt wie weggeblasen.

Berlin. Saugen oder Blasen - für Sportwagen-Fahrer ist diese Frage alles andere als anzüglich. Denn während die einen auf die schnelle, ehrliche und natürliche Kraftentfaltung von Saugmotoren schwören, loben die anderen die aufgeladenen Turbo-Triebwerke.

Jetzt geht diese Diskussion in die nächste Runde. Denn ausgerechnet Porsche wechselt die Fronten und konvertiert beim Elfer zum Turbo. Bislang nur der ebenso starken wie teuren Top-Version vorbehalten, gibt es den Lader mit dem Facelift zum Jahreswechsel zu Preisen ab 96 605 Euro für alle Modelle.

Auch ein Sportwagen kann sparen

Natürlich geht es den Schwaben dabei zu allererst um die Emissionen. Denn mit dem neuen, auf drei Liter Hubraum geschrumpften Einheitsmotor sinkt der Verbrauch um bis zu zwölf Liter. Der sparsamste Elfer steht jetzt mit 7,4 Litern (CO2-Ausstoß 169 g/km) in der Liste. Es ist noch nicht lange her, da galten solche Werte selbst bei einer Mittelklasse-Limousine als schier unerreichbar.

Was ist wichtiger als Emissionen? Emotionen!

Doch Porsche wäre nicht Porsche, wenn die Entwickler nicht auch Emotionen wecken würden. Irgendwie müssen sie ja die Skeptiker überzeugen. In der Theorie punkten sie deshalb mit jeweils 15 kW/20 PS mehr Leistung und 60 Nm mehr Drehmoment. Der Carrera steht so mit 272 kW/370 PS und 450 Nm in der Liste, der Carrera S kommt auf 309 kW/420 PS und 500 Nm. In der Praxis locken sie mit einem Fahrgefühl, das so typisch Porsche ist, dass man gar nicht mehr wissen will, was für ein Motor im Heck tobt.

Leistung ohne Turboloch

Man muss nur - natürlich links - zum Zündschlüssel greifen und einmal das Gas durchtreten, dann sind alle Sorgen buchstäblich wie weggeblasen: Auch der Turbo klingt wild und wütend, wie man es von einem Porsche erwartet. Dank zweier neuer Soundpipes in den Innenraum bekommt man das jetzt sogar noch besser mit. Mit bis zu 7500 Touren dreht selbst der aufgeladene Motor höher als viele Sauger. Vor allem hat er einen Antritt, dass man das gefürchtete Turboloch mit der Lupe suchen muss. Impulsiv und ungehemmt stürmt das Coupé los wie vom Katapult geschossen. Gedenksekunde? Anfahrschwäche?

Da pfeift der Turbo drauf. Luft holen muss dieser Motor nicht. erst recht nicht, wenn das maximale Drehmoment nun schon bei 1700 Touren erreicht wird. Kein Wunder, dass er dem Vorgänger beim Sprint von 0 auf 100 noch einmal zwei Zehntel abnimmt und die Messung in der schnellsten Konfiguration nach 3,9 Sekunden abschließt. Schneller fährt er auch: Schon der langsamste Carrara läuft jetzt 290 und der schärfste Carrera S kommt auf 308 km/h .

Auf Knopfdruck im Angriffsmodus

Wie sehr Porsche dabei den Spieltrieb der Schnellfahrer bedient, zeigt ein Knopf am Lenkrad. „Sport Response Button“ nennen die Schwaben den roten Drücker, mit dem man den Elfer von jetzt auf sofort scharf schalten kann.

Zwar könnte man dafür auch ganz einfach im Menü den Sport-Plus-Modus wählen und entsprechend Gas geben. Doch wenn das Auto auf Knopfdruck für 20 Sekunden von alleine in Alarmbereitschaft geht, fühlen sich Ampelspurts und Überholvorgänge noch viel spektakulärer an.

Mit Allradlenkung schneller ums Eck

Und noch ein neues Extra haben die Schwaben eingebaut: Die Allradlenkung aus dem „echten“ Turbo gibt es jetzt auch für die aufgeladenen Basis-Modelle. Zusammen mit einem etwas tiefergelegten Fahrwerk und den nun serienmäßigen Adaptivdämpfern, verbessert sie spürbar die Straßenlage und mit ihr die Fahrdynamik - nie ging der Elfer schneller ums Eck.

Radikalkur beim Antrieb, Retuschen beim Aussehen

So sehr Porsche bei der Modellpflege für Carrara und Carrera S am Antrieb gearbeitet hat, so wenig ändert sich bei Aussehen und Ausstattung: Die größte Designretuschen sind die neuen Längsrippen auf der Motorraumabdeckung, die Rückleuchten mit mehr Tiefenwirkung und die leuchtenden Lego-Klötzchen des Tagfahrlichtes.

Und innen fällt vor allem das neue Navigationssystem auf. Das ist jetzt nicht nur besser zu bedienen, hat einen größeren Bildschirm, geht Online und kann Apple CarPlay. Sondern vor allem berechnet es die Route jetzt so schnell, dass es dem Porsche endlich hinterher kommt.

Fazit: Die Erinnerung an den Sauger ist wie weggeblasen

Giftig und gierig und mit Extras wie dem Sport-Response-Button oder der Allradlenkung wieder ein gutes Stück näher am Rennwagen - so macht der Porsche 911 beim Facelift einen größeren Sprung als manch anderes Auto beim Generationswechsel.

Datenblatt: Porsche 911 Carrera S

Motor und Antrieb Sechszylinder-Boxer-Turbo-

Benziner

Hubraum: 2981 ccm
Max. Leistung: 309 kW/420 PS bei 6500 U/min
Max. Drehmoment: 500 Nm bei 1700 - 5000 U/min
Antrieb: Heckantrieb
Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik

Maße und Gewicht
Länge: 4,49 m
Breite: 1,80 m
Höhe: 1,30 m
Radstand: 2,45 m
Leergewicht: 1460 kg
Zuladung: 455 kg
Kofferraumvolumen: 145 + 260 Liter

Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 306 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,9 s
Durchschnittsverbrauch: 7,7 Liter/100 km
Reichweite: 830 km
CO2-Emission: 174 g/km
Kraftstoff: Benzin
Schadstoffklasse: Eu6
Energieeffizienzklasse: k.A.

Kosten:
Basispreis des Porsche 911 Carrera: 96 605 Euro
Grundpreis des Porsche 911 Carrera S PDK: 114 277 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 168 Euro/Jahr

Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Sechs Airbags, Spurwechsel-Assistent, Multi-Kollisionsbremse
Komfort: Klimaautomatik, Online-Navigationssystem mit Touchscreen
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke



dpa

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