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Nicht so knallig: Dezente Farben bei der Einrichtung

Köln Nicht so knallig: Dezente Farben bei der Einrichtung

Die Zeit der grellen Farben im Wohnraum ist vorbei. Blickt man sich auf der Möbelmesse IMM Cologne um, scheint es eine Rückbesinnung auf dezentere Töne bei Möbeln und Wohnaccessoires zu geben. Eigentlich liegen uns diese dezenteren oder sogar etwas tristen Töne auch eher.

Köln. Die Europäer haben es nicht so mit bunten Farben. Wenn etwas zu ihnen passt, dann sind es eher etwas eingetrübte Farben, findet der Farbexperte Prof. Axel Venn. „Statt reinen Weißanteilen haben diese Farben eher Anteile von Kamelweiß, Leinenweiß oder Kalkweiß.“

Nach ein paar Jahren fröhlich-bunter Ausgelassenheit in den Häusern finden wir nun wieder zu dieser Farbpalette bei der Einrichtung zurück, prognostiziert Venn, emeritierter Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Er hält auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln (bis 24. Januar) Vorträge zu den aktuellen Farbtrends.

2015 knallten viele Einrichtungsfarben noch richtig. Reine, ungetrübte Töne, die sehr kräftig sind, waren gefragt. Aber für Prof. Venn ist diese Zeit aus einfachen Gründen vorbei: „Ein Knallorange ist eigentlich unerträglich. Man ist daher auch froh, wenn es endlich weg ist.“ Seine Trendtöne 2016 sind helle und getrübte Sorbettöne. Daneben verwendet die Einrichtungsbranche in der mittleren Farbebene vermehrt gerne mitteldunkle, kräftige Blautöne wie Lapislazuli, Preußisch-Blau oder das rotgetönte Aubergine-Blau.

Auch Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts, sieht eine Tendenz zu mehr Gemütlichkeit statt Aufgeregtheit und Extravaganz. Bei den Wandbelägen seien eher zurückhaltende Farben im Kommen, und auch die Muster werden dezenter, nämlich kleinteiliger. „Etwas, woran man sich nach drei Jahren nicht sattgesehen hat.“ Neben metallischen Tönen, wozu auch warmes Bronze und Kupfer gehört, sind bei den Tapeten Beerentöne und dezente Taupe-Nuancen die Trends.

Für Einrichtungsexperten darf aber der eine oder andere Farbtupfer bleiben - als kleiner Hingucker im Raum. Für die Trendexpertin Gabriela Kaiser sind das vor einem Grundrauschen aus vielen Neutraltönen wie Beige bis Grau, Honigtöne und Terrakotta und die Signalfarben Rot oder Blau. Wie sieht das aus? Im sonst dezent farbigen Zimmer steht eine einzige blaue Vase oder ein roter Sessel. „Ich habe unter den Neuheiten der Hersteller sehr viel Rotes gesehen“, so Kaiser. IMM-Veranstalter Koelnmesse spricht außerdem von Orange-Rot als Kontrastfarbe, aber auch warme Gelbtöne setzen Akzente, gerade zu Dunkelgrau.

Der Wandel der Farben hat etwas mit einem Wandel der Wertigkeit zu tun, findet Prof. Venn. Möbel und Wohnaccessoires in getrübten Tönen sehen im Gegensatz zu Knallfarben hochwertiger und teurer aus. Wer also diesen Eindruck von seinem Besitz vermitteln oder gar in Produkte investieren will, die ein langes Leben haben sollen, greife eher zu getrübten Farben. Venn spricht hier von einem „sanften Konventionalismus, der sich durchsetzen wird“. „Das sind Töne mit Gehalt“, sagt der Wissenschaftler. Besonders die Jüngeren ziehe das an. „Das sind Farben, die man vererben kann. Orange vererbt man nicht.“

Aber die Tendenz in eine grundsätzlich etwas dezentere Richtung heißt nicht, dass die Farbpalette schrumpft: Eine Vielzahl an Tönen und Nuancen steht zur Auswahl. Die Hersteller setzen immer mehr darauf, dass jeder den Farbton für sein Produkt wählen kann, der ihm am meisten liegt.

Abschied von den reinweißen Wänden

Für den Farbexperten Prof. Axel Venn ist der aktuelle Trend nichts Kurzfristiges: Der Wandel der Farben bleibe länger als nur diese eine Saison in der Einrichtung erhalten. „Es ist eine Evolution.“ Dabei plädiert er dafür, sich nach und nach von reinweißen Wänden in den Zimmern zu verabschieden. „Das ist natürlich einfach, man tüncht weiß aus Bequemlichkeit.“ Allerdings wirkten weiße Wände letztlich erst mit der Zeit gut. „Schön sind sie erst, wenn sie angegraut sind und eine Patina haben. Aber wer will schon acht Jahre darauf warten?“

Daher plädiert der Farbexperte: Im Zuge der aktuellen Farbentwicklung einfach die Wände beim nächsten Mal in Eierschalen-Ton und nicht in Reinweiß zu streichen. Der Vorteil: Gebrauchsspuren zeigen sich darauf weniger schnell. „Und die Schatten wirken nicht so hart und das Kerzenlicht schöner“, sagt Venn.

dpa/tmn

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