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Behandlungsmöglichkeiten mit „Goldstandard“. Die Klinik für Innere Medizin I am KMG Klinikum Güstrow.

Anzeige Behandlungsmöglichkeiten mit „Goldstandard“. Die Klinik für Innere Medizin I am KMG Klinikum Güstrow.

Die Klinik für Innere Medizin I arbeitet nach den neuesten Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie. Wir sprachen mit Chefarzt Dr. med. Rolf Kaiser.

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Güstrow. OSTSEE-ZEITUNG: Was geht bei einem Herzinfarkt im Körper vor?
Dr. med. Rolf Kaiser: Es kommt zum Supergau - typischerweise bedingt durch ein Blutgerinnsel, das ein Herzkranzgefäß verschließt. Das kann schlimmstenfalls zu einer Verminderung der Pumpleistung des Herzens oder zu Herzrhythmusstörungen führen. Das heißt, die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff und Blut ist gefährdet. Bei circa 75 Prozent der Fälle kommt es zu heftigen Schmerzen in der Brust, das ist für die Patienten häufig ein vernichtendes Gefühl. Sie haben Todesangst, Schweißausbrüche und Übelkeit, es kann letztendlich bis zum Kreislaufstillstand führen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, weil Herzmuskelgewebe abzusterben droht. Mögliche Folgen sind langfristig eingeschränkte Belastbarkeit, Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen. Das kann schlimmstenfalls tödlich verlaufen. Bei circa 25 Prozent der Fälle ist der Verlauf ohne Symptome („stumm“). Das ist insbesondere bei Frauen und Patienten mit Diabeteserkrankung der Fall. Häufig ist der Infarkt dann ein Zufallsbefund. In den neuen Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) wird auch eine ganz neue Entität (Herkunft - die Red.) vom üblichen Herzinfarkt abgegrenzt: Dies sind Infarkte ohne Gefäßverschluss, die mit Herzmuskel-Zelluntergängen einhergehen. Das kann eine Entzündung sein, eine Durchblutungsstörung in den kleinsten Gefäßen, oder es kann ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf sein wie bei einer Anämie. Die Symptome können die gleichen wie beim Herzinfarkt sein.

Sauerstoff wurde bei Verdacht auf Herzinfarkt ja schon lange fast routinemäßig gegeben. Wovon ging man bei der Verabreichung aus und was empfehlen die neuen Richtlinien des ESC?
Man macht manchmal jahrelang etwas, ohne dass ein wissenschaftlicher Beweis vorliegt. So sind wir davon ausgegangen, dass eine frühzeitige Sauerstoffgabe dafür sorgt, dass der Sauerstoffgehalt im Blut angereichert wird und dies positiv für den Verlauf des Herzinfarktes sei. Inzwischen wurden zwei große Studien publiziert, die gezeigt haben, dass diese routinemäßige Sauerstoffgabe keinen Effekt hat, weshalb man auch die Grenze für eine Sauerstoffgabe deutlich nach unten gesetzt hat. Normalerweise haben wir eine Sauerstoffkonzentration im Blut von über 95 Prozent. Unter diesem Wert wurde Sauerstoff verabreicht. Diese Grenze wurde in den Leitlinien nun auf unter 90 Prozent heruntergesetzt. Das Gleiche gilt übrigens auch bei der Versorgung von Patienten mit Schlaganfall. Es gibt Spekulationen, dass möglicherweise durch das erhöhte Sauerstoffangebot sogenannte giftige Sauerstoffradikale die Erholung des Gewebes behindern. Deshalb hat man in den neuen Leitlinien formuliert, dass Sauerstoff nur bei deutlich verringerter Sättigung, also unter 90 Prozent, einen Effekt hat.

Wie werden die neuen Leitlinien im KMG Klinikum jetzt umgesetzt?
Es finden regelmäßig Schulungen statt. Unser Assistenzpersonal, inklusive der Rettungsärzte, muss informiert werden, die vor Ort den Erstkontakt zu den Patienten haben. Oft ist es ja nicht der Sauerstoff, der direkt Wirkung beim Patienten erzielt, sondern der Luftzug durch die Sauerstoffgabe, der das Gefühl von frischer Luft in den Atemwegen herbeiführt. Manchmal würde es auch ausreichen, das Fenster zu öffnen. Für den Patienten ist einfach das Gefühl „ich bekomme jetzt wieder besser Luft“ wichtig.

Welche Alternative gibt es für die Sauerstoffgabe bei Herzinfarktpatienten?
Zuerst muss die aktuelle Sauerstoffkonzentration mittels eines Fingerclips gemessen werden. Danach können wir sofort reagieren und bei Werten unter 90 Prozent mit einer Atemmaske nicht invasiv in der Notaufnahme oder im Rettungswagen Sauerstoff verabreichen. Damit vermeiden wir den unnötigen Einsatz einer Sauerstoffmaske, die bei manchen Patienten mehr Angst auslösen kann. Von daher ist die Behandlung von Herzinfarktpatienten durch die neuen Leitlinien einfacher geworden. Manchmal ist auch die einfache Therapie nicht die schlechtere. Vor allem muss der Patient so schnell wie möglich ein EKG bekommen. Die Leitlinien fordern zehn Minuten beim Erstkontakt vor Ort. Manchmal kommt der Patient auch direkt ins KMG Klinikum. Dann erfolgt die rasche EKG-Aufzeichnung in der Notaufnahme.

Welche Möglichkeiten hat das KMG Klinikum Güstrow, dem Herzinfarktpatienten zu helfen?
Wir haben am KMG Klinikum Güstrow eine enge Verzahnung von Luftrettung und Bodenrettung. Die Patienten können dadurch optimal versorgt werden. Wir sind auch als Zentrum, das speziell Patienten mit Brustschmerzen optimiert behandeln kann, zertifiziert. Das heißt, wir haben eine entsprechende räumliche Ausstattung, geschultes Personal sowie speziell ausgebildete Ärzte. Neben der Notaufnahme mit digitalisierter EKG-Aufzeichnung können im Notfalllabor die notwendigen Herzmarker bestimmt werden, um dann bei Bedarf im wenige Meter entfernten Herzkatheterlabor die notwendige Behandlung einzuleiten. Der Goldstandard ist, wenn Patienten mit Herzinfarkt innerhalb kurzer Zeit direkt einer Gefäßeröffnung zugeführt werden und das Personal hierfür ausgebildet ist und regelmäßig geschult wird. Nach der Gefäßeröffnung bei Herzinfarktpatienten wird der Herzrhythmus des Patienten per Telemetrie auf der Überwachungsstation weiterhin per Monitor erfasst, um bei entsprechenden Auffälligkeiten rasch reagieren zu können. Neben den Begleiterkrankungen und Risikofaktoren, die möglicherweise zum Herzinfarkt beigetragen haben, können in unserem Klinikum durch die vorhandene Psychiatrie und ausgebildete Psychokardiologen auch Ängste bei Patienten angesprochen und behandelt werden. Nach der unmittelbaren Herzinfarktbehandlung leiten wir regelmäßig eine Anschlussheilbehandlung ein, damit die präventive Schulung und Behandlung einsetzt, um weitere Ereignisse zu verhindern. Hierbei wird im Rahmen eines stationären Anschlussheilverfahrens das Gesundheitsverhalten geschult. Nicht nur körperliche, sondern auch psychische und soziale Aspekte spielen eine große Rolle, um nach einem Herzinfarkt wieder Selbstvertrauen und Lebensqualität zu gewinnen sowie die Teilhabe an der Gesellschaft zu garantieren.

Als Arzt haben Sie eine große Verantwortung, ist Ihnen das im Alltag bewusst?
Herz- und Kreislauferkrankungen sind weiterhin Todesursachen Nummer Eins in der Statistik, aber wir haben in den letzten 20 Jahren sensationelle Fortschritte gemacht. So konnte die Sterblichkeit durch Herzinfarkt halbiert werden. Dies haben wir zu 50 Prozent durch bessere Medikamente und zu 50 Prozent durch bessere Verfahren im Herzkatheterlabor erreicht, Gefäße rasch und effektiv wieder zu eröffnen. Gerade weil wir uns der Verantwortung bewusst sind, versuchen wir immer, das beste Ergebnis für den Patienten zu erreichen. Darüber nachdenken kann man vor oder nach dem Eingriff im Herzkatheterlabor. Beim Eingriff selbst denkt man eher an die exakte Ausführung und die erlernten Handlungsabläufe.

Wohin geht die Entwicklung in Ihrem Bereich?
Die Behandlung von Herzinfarktpatienten sollte mit der Vorbeugung anfangen. Jedes vierte Kind in Deutschland ist übergewichtig. In der Schule sollten unsere Kinder in gesundem Verhalten geschult werden. Die gesamte Bevölkerung muss mehr über schädliche und gesunde Verhaltensweisen lernen und darüber informiert werden. Die digitale Anbindung an die Gesundheitsbehandler wird auch in der Gesundheitserziehung Fortschritte erbringen. Die interdisziplinäre Verzahnung in den Kliniken wird zunehmen und die Behandlung der Patienten durch neue Medikamente verbessert werden. Die größten Sprünge haben wir vielleicht hinter uns, aber die Individualisierung in der Behandlung des einzelnen Patienten wird sicher noch weitere Fortschritte bringen.  Kerstin Rathje-Wesselow

KMG Klinikum Güstrow
Friedrich-Trendelenburg-Allee 1
18273 Güstrow
Telefon: 03843 340
www.kmg-kliniken.de
Chefarzt Dr. med. Rolf Kaiser.

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