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Pflegegrade lösen Pflegestufen ab

OZ-Leserforum Pflegegrade lösen Pflegestufen ab

Im Jahr 2017 steht eine umfassende Reform der Pflegestufen bevor. Neu ist dann, dass psychische und physische Erkrankungen in der Pflegebedürftigkeit gleichgesetzt werden.

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Der Rollator erleichtert einer Seniorin in einem Altersheim die tägliche Fortbewegung.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Rostock. Die Neuerungen in der Pflegereform, die ab 2017 wirksam werden, sind umfangreich. Entsprechend groß war das Interesse der Leser beim OZ-Telefonforum am vergangenen Mittwoch. Die Fragen beantworteten Wiebke Cornelius von der Verbraucherzentrale MV, Juliane Heitmann vom Pflegestützpunkt Rostock, Pflegeberater Andy Schwerin von der bundesweiten Compass Pflegeberatung für privat Versicherte und Markus Juhls von der AOK Nordost. Hier einige Probleme und ihre Antworten.

Frage: Meine Frau hat die sogenannte Pflegestufe 0 wegen psychischer Probleme, erhält 123 Euro Pflegegeld. Außerdem zahlt die Pflegekasse monatlich 104 Euro für eine spezielle Betreuung. Ändert sich daran im kommenden Jahr etwas?

Antwort: Ja. Eine Unterscheidung in Pflegebedürftige mit und ohne „erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ – das trifft derzeit auf Ihre Frau zu – gibt es ab 2017 nicht mehr. Ein Nachteil ist das für sie aber nicht: Sie wird automatisch in den neuen Pflegegrad 2 eingestuft. Damit steigt das Pflegegeld auf 316 Euro. Alternativ stehen für einen ambulanten Dienst statt 231 dann 689 Euro monatlich zur Verfügung. Auch eine Kombination aus Pflegegeld und ambulantem Dienst ist möglich. Hinzu kommen 125 Euro für „zusätzliche Betreuung und Entlastung“.

Frage: Mein Mann hat Pflegestufe I. Muss er zum Jahresanfang einen Pflegegrad beantragen?

Antwort: Nein. Wer bereits eine Pflegestufe hat, bekommt zum Jahresanfang 2017 automatisch einen der neuen Pflegegrade. Wer welchen erhält, ist im Gesetz festgelegt: Ihr Mann hat Anspruch auf den Pflegegrad 2 mit den entsprechenden Leistungen. Sollte bei ihm festgestellt werden, dass er zusätzlich an erheblich eingeschränkter Alterskompetenz (zum Beispiel durch Demenz) leidet, erhält er den Pflegegrad 3. Eine erneute Begutachtung findet nicht statt. Sie wird nur dann nötig, wenn sich sein Pflegebedarf verändern sollte.

Frage: Derzeit wird meine Frau wegen schwerer Demenz einmal die Woche von einem ambulanten Dienst außerhalb der Wohnung betreut. Dafür stehen 208 Euro monatlich zur Verfügung. Gilt das im kommenden Jahr weiter?

Antwort: Ihre Frau wird 2017 zwei Pflegegrade höher eingestuft. Dadurch erhält sie erhöhte Leistungen. Andererseits gibt es für die 208 Euro zur zusätzlichen Betreuung und Entlastung keinen Bestandsschutz. Konkret werden dafür 125 Euro zur Verfügung stehen. Bei speziellen Härtefällen greifen jedoch Ausnahmeregelungen.

Frage: Ich habe Osteoporose und komme immer schlechter zurecht. Kann ich eine Pflegestufe bekommen?

Antwort: Das kann nur die Pflegekasse entscheiden. Sie können einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse stellen. Die beauftragt dann einen Gutachter, der Sie zu Hause aufsucht. Er prüft, in welchem Umfang Sie Hilfe benötigten. Dabei gelten bis zum Jahresende noch die aktuellen Kriterien.

Frage: Welche gelten bis Jahresende?

Antwort: Es muss beispielsweise für die Pflegestufe I ein durchschnittlicher Hilfebedarf von 90 Minuten täglich bestehen. Mehr als die Hälfte der Zeit hat dabei auf die Grundpflege zu entfallen. Dazu gehören die Mobilität, die Körperpflege und die Ernährung. Die restliche Zeit gilt der Unterstützung bei hauswirtschaftlicher Versorgung.

Frage: Ich pflege meine Mutter seit zwei Jahren. Eine Pflegestufe hat sie nicht, weil sie keinen Gutachter oder andere Fremde ins Haus lassen will. Allerdings komme ich jetzt an meine Grenzen und will sie überzeugen. Ist es sinnvoll, noch in diesem Jahr einen Antrag zu stellen?

Antwort: Es gibt keinen Grund zu warten – schließlich wird die Situation für Ihre Mutter und Sie dadurch nicht besser. Zudem erfolgt die Bewertung der Pflegebedürftigkeit in diesem Jahr noch nach den alten Begutachtungsregeln. Erhält Ihre Mutter beispielsweise in diesem Jahr Pflegestufe I, wird sie zum 1. Januar automatisch in Pflegegrad 2 „übergeleitet“. Damit würde sie ab Januar sogar höhere Leistungen bei der häuslichen Pflege bekommen. Bis November gilt, dass die Begutachtung innerhalb von 25 Arbeitstagen erfolgen und der Bescheid vorliegen muss.

Frage: In welchem Zeitraum erfolgt die Begutachtung danach?

Antwort: Aufgrund der zu erwartenden Antragsflut ob der neuen Pflegereform ist die Frist vom 1.November 2016 bis 31.Dezember 2017 ausgesetzt. Sie müssen damit rechnen, dass eine Begutachtung länger dauern kann.

Frage: Meine Mutter hat Pflegestufe I und somit ab 2017 den Pflegegrad II. Was ändert sich hinsichtlich der Leistungen für ambulante Dienste?

Antwort: Im Fall Ihrer Mutter wird mit der Umstufung auch das Geld für ambulante Dienste von 468 auf 689 Euro angehoben. Damit lassen sich vielleicht eher solche Dienste finanzieren. Lassen Sie sich extra beraten, weil dies Auswirkungen auf das Pflegegeld hat.

Frage: Mein Mann hat Pflegestufe II und lebt in einem Pflegeheim. Wir müssen monatlich einen Teil der Kosten selbst zahlen. Ändert sich da etwas im kommenden Jahr?

Antwort: Ja. Ihr Mann bekommt zu Jahresbeginn automatisch den neuen Pflegegrad 3. Damit ändert sich der Zuschuss der Pflegeversicherung zur stationären Pflege. Ihr Mann aber muss sich nicht beunruhigen, da hier Bestandsschutz gilt.

Frage: Wie sind hier künftige Bewohner von Pflegeheimen gestellt?

Antwort: Bei Pflegegrad 3 in der stationären Pflege werden 68 Euro weniger als Zuschuss von der Pflegeversicherung geleistet. Was im Einzelfall an Eigenanteilen zu errichten ist, wird davon abhängen, wie das jeweilige Pflegeheim seine einrichtungseinheitlichen Eigenanteile berechnet. Jeder Bewohner eines Heimes wird ab 2017, unabhängig vom seinem Pflegegrad, den gleichen Eigenanteil zahlen wie seine Mitbewohner.

Frage: Meine Mutter hat aktuelle Pflegestufe I und somit ab 2017 den neuen Pflegegrad II. Was ändert sich bei ihr hinsichtlich der Leistungen für ambulante Dienste?

Antwort: Sie sollten berücksichtigen, dass im Fall Ihrer Mutter mit der Umstufung auch das Geld für ambulante Dienste von 468 auf 689 Euro angehoben wird. Damit lassen sich vielleicht eher solche Dienste finanzieren. Dazu sollte Sie sich extra beraten lassen, weil dies Auswirkungen auf das Pflegegeld hat.

Frage: Die Pflege meiner Frau – also beispielsweise Waschen, Medikamentengabe oder Hilfe beim Anziehen – mache ich selbst. Allerdings könnte eine Haushaltshilfe sehr nützlich sein. Gibt es auch dafür Zuschüsse? Meine Frau hat Pflegestufe I.

Antwort: Ja. In diesem Jahr sind es 104 Euro monatlich für zusätzliche Betreuung und Entlastung, ab 2017 sind es 125 Euro. Als Entlastungsleistung zählt auch die Haushaltshilfe. Das dafür vorgesehene Geld bekommt Ihre Frau aber nicht zur freien Verwendung auf Ihr Konto. Achtung: Es muss sich um anerkannte Dienste handeln, die bei den Pflegekassen abrechnen dürfen!

Frage: Die alte Badewanne ist für meine pflegebedürftige Frau nicht mehr geeignet, besser wäre eine spezielle Dusche. Wie bekommt man einen Zuschuss von der Pflegekasse?

Antwort: Beantragen Sie den Zuschuss für „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“!. Der wird genehmigt, wenn dadurch die Pflege überhaupt erst ermöglicht oder verbessert werden kann. Die Pflegekasse benötigt auch einen Kostenvoranschlag. Pro Umbaumaßnahme werden bis zu 4000 Euro gezahlt. Im Einzelfall schaut sich ein Gutachter die Wohnbedingungen an und empfiehlt das Notwendige.

Frage: Kann man einen solchen Zuschuss auch bekommen, wenn man noch keine Pflegestufe hat?

Antwort: Nein, das ist nicht möglich.

Frage: Meine Mutter bekommt Pflegegeld für Stufe I. Einen ambulanten Dienst möchte sie nicht. Jetzt wurde uns mitgeteilt, eine Pflegeberatung bei ihr zu Hause zuzulassen. Muss das sein?

Antwort: Ja. So steht es im Sozialgesetzbuch XI. Wer ausschließlich Pflegegeld bezieht, muss regelmäßig ein Beratungsgespräch in seinem zu Hause durchführen lassen. Bei Pflegestufe I ist das halbjährlich zu beantragen. Das wird auch im nächsten Jahr so sein, wenn Ihre Mutter den Pflegegrad 2 bekommt. Durch die Beratungen sollen unter anderem auch die „Laienpflegekräfte“ Hinweise bekommen, wie sie die Situation des Pflegebedürftigen und auch ihre eigene verbessern können.

Frage: Mein Mann hat Pflegestufe II. Inzwischen hat sich aber bei ihm eine deutliche Demenz entwickelt. Sollten wir mit der Pflegekasse einen Termin machen?

Antwort: Unbedingt. Denn wenn bei der Begutachtung zusätzlich eine so genannte „erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz“ festgestellt wird, hat er Anspruch auf höhere Leistungen. So beträgt beispielsweise das Pflegegeld dann 545 Euro, ambulante Dienste werden mit bis zu 1.298 Euro monatlich bezuschusst. Ab nächstem Jahr würde ihr Mann dann den neuen Pflegegrad 4 bekommen. Dann steigen die Beträge auf 728 beziehungsweise 1.612 Euro.

Frage: Wann ist eine Verhinderungs-, wann eine Kurzzeitpflege sinnvoll?

Antwort: Die Kurzzeitpflege ist dafür gedacht, wenn in bestimmten Situationen die Pflege zu Hause nicht gewährleistet werden kann – beispielsweise, wenn nach einer Krankenhausentlassung das nun notwendige Pflegebett noch nicht geliefert wurde. Die Verhinderungspflege kann in Anspruch genommen werden, wenn die eigentliche Pflegeperson vorübergehend nicht da sein kann. Etwa wegen Urlaubs oder wegen stundenweiser Abwesenheit zur Erledigung persönlicher Dinge. Die Pflegekasse bezahlt dann eine Ersatzpflegekraft. Daran ändert sich auch 2017 mit der Einführung der Pflegegrade nichts. Für beides stehen je 1.612 Euro pro Jahr zur Verfügung. Allerdings sind die konkreten Bedingungen recht unterschiedlich. Lassen Sie sich am besten individuell beraten!

 Juliane Lange

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