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„Das gibt's noch?!“: Holzpantoffeln nach alter Tradition

Burg „Das gibt's noch?!“: Holzpantoffeln nach alter Tradition

Klack, klack, klack: Ein Spreewälder ist einer von wenigen Menschen in Deutschland, die das Holzpantoffelhandwerk von der Pike auf gelernt haben. Ein Besuch in seiner Werkstatt.

Burg. Der Moment, wenn das Rindsleder gespannt wird, gefällt Manfred Karolczak am besten. Dann sind seine Holzpantoffeln, die er nach alter Tradition herstellt, fast fertig. Das Leder wird an das Holz genagelt. Der 62-Jährige will das Wissen um das alte Handwerk erhalten.

Karolczak ist einer von wenigen verbliebenen gelernten Holzschuhmachern in Deutschland. Na klar: Er trägt die Clogs auch gern. Auf seinem Hof im Kurort Burg in Südbrandenburg ist die Geschichte der Familientradition sichtbar, obwohl heute das Geld hauptsächlich mit einer Pension verdient wird.

Die Tür zu Karolczaks Werkstatt geht auf. Es riecht nach Leder und Holz. Türme aus Erlen- und Pappelstücken, Schablonen in Schuhform, alte robuste Maschinen, Lederstoffbahnen. Alte Telefone stehen im Regal, eine Kasse von einst. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Drei Generationen lang lebte die Familie vom Holzpantoffel-Verkauf.

Nach der Wende ging die Nachfrage zurück, wie Karolczak sagt. Aber es gibt sie noch. Manche Bestellungen kommen übers Internet, Kunden aus der Region kaufen in dem kleinen Laden ein. „Viele, die die Werkstatt sehen, sagen: „Mensch, das gibt's noch““, sagt der ruhige 62-Jährige und schmunzelt. Im Nebengebäude ist eine Schauwerkstatt aufgebaut. 30 Euro kosten ein Paar Holzpantoffeln. Der Spreewälder will demnächst wieder verstärkt auf Märkte gehen, wie er ankündigt. Er sieht eine Chance in der Nische.

Holzschuhe gibt es schon sehr lange. Im 14. Jahrhundert wurden zum Beispiel Holzsandalen unter leichten Lederschuhen getragen, um diese zu schützen und zu stabilisieren, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Josephine Barbe im Bereich Arbeitslehre, Ökonomie und nachhaltiger Konsum an der Technischen Universität Berlin erläutert. Sie galten als modisches Accessoire der Adligen. Später hatten Holzschuhe eine andere Funktion: „Seit dem 16. Jahrhundert wurden die einfachen geschnitzten Holzschuhe in Nordeuropa als reine Arbeitsschuhe getragen. Lange Zeit galten Holzschuhe daher als Fußbekleidung der armen Leute“, ergänzt Barbe.

Manufakturen wie die von Karolczak sind selten in Deutschland. Von der Pike auf gelernt hat das Handwerk auch Lorenz Hamann aus Schleswig-Holstein. „Der Beruf stirbt aus“, sagt er. Als Lehrberuf gebe es ihn schon nicht mehr. In seinem Meisterbetrieb in Preetz werden jährlich mehrere tausend Paar Schuhe hergestellt, wie der über 70-Jährige sagt. Darunter sind - anders als bei der Werkstatt im Spreewald - auch Holzsandalen und Holzstiefeletten.

„Die Nachfrage steigt“, sagt Hamann. Er spricht sogar von einem Trend hin zum Holzschuh. Barbe sieht das auch so. „Heute erlebt die Holzsohle aus leichtem, schnell wachsenden Weidenholz mit Fußbett und flexibel biegsamen Kautschukgelenk ein Comeback.“

Warum wollen Leute sie tragen? „Holzpantoffeln sind praktisch, sie haben keine Schnürsenkel. Man kann schnell hineinschlüpfen, wenn man zum Beispiel kurz in den Garten will“, sagt Hamann. Und: „Man hat immer warme Füße.“

Wissenschaftlerin Barbe zufolge stehen Holzpantoffeln und -schuhe heute für Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Und für Fußgesundheit, weil ein Holzschuh eine gute Durchlüftung zulasse sowie mit scharfen Mitteln gereinigt werden könne und es dadurch Mikroorganismen schwer hätten.

Altes Handwerk stößt vielerorts auf Interesse. Das Netzwerk Kulturland Brandenburg zum Beispiel widmet dem Handwerk 2016 ein ganzes Themenjahr mit Ausstellungen, Filmen und Workshops. Los geht es im Mai im Museumsdorf Glashütte Baruth, das seine 300 Jahre alte Geschichte feiert.

Holzschuhe waren in Preußen mal verboten

Gefängnis fürs Holzschuhtragen: Wer im 18. Jahrhundert in Preußen zum Holzpantoffel griff, dem konnte es an den Kragen gehen. „Das Holzschuh- beziehungsweise Pantoffeltragen wurde bei Strafe von Halseisen und Gefängnis verboten“, erläutert die wissenschaftliche Mitarbeiterin Josephine Barbe von der Technischen Universität Berlin. Sie beruft sich dabei auf ein Edikt von König Friedrich Wilhelm I. aus dem Jahre 1726: „Mit diesem Edikt versuchte Friedrich Wilhelm I. zu Zeiten des Merkantilismus die Auftragslage der Lederschuhmacher zu stärken - leider auf Kosten der Holzschuhmacher.“

dpa

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