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Schräger Fall

Tatort-Blitzkritik Schräger Fall

Ihr dritter Fall führt die Weimarer Kommissare Kira Dorn und Lessing in ein Stahlwerk. Die Ermittlungen halten wieder viele Überraschungen bereit - ein verwirrender wie witziger Krimiplot.

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Die Schauspieler Thomas Wodianka, Nora Tschirner und Florian Lukas.

Quelle: Martin Schutt/dpa

Rostock/Weimar. Menschliche Knochen in Hochofenschlacke, ein einbeiniger Verdächtiger, zerstörtes Liebesglück und Zinnfiguren: Wer skurrile Geschichten und schrägen Humor mag, der kommt auch bei dem neuen „Tatort“ aus Weimar voll auf seine Kosten. Die Ermittlungen des Duos Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) nehmen wieder so manche Wendung, bevor sich am Ende das Verwirrspiel löst. „Der treue Roy“ heißt ihr dritter Fall.

Die kurzweilige Krimikomödie, die der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) produzierte, hält bis zum Schluss die Spannung. Die beiden „Tatort“-Kommissare, die im Film ein Paar mit Nachwuchs geben, werden zu einem Mord im Stahlwerk gerufen. In der Schlackegrube liegen die menschlichen Überreste des Absticharbeiters Roy Weischlitz. Bei ihren Ermittlungen stellen die Kommissare bald fest, dass gegen das Leben von Roy „die spanische Inquisition eine Bachblütentherapie war“.

Da schleudert Siegrid, die Schwester, mit der Roy zusammen unter einem Dach lebte, schon mal die Katze ihres Bruders in der Waschmaschine, verfärbt die Wäsche und versalzt das Essen. Siegrid macht Roy für die kaputte Beziehung zu ihrem Ex-Verlobten „Flamingo“ verantwortlich, der durch Roys Schuld ein Bein und später den kompletten Halt verlor. Neben „Flamingo“ spielen auch dessen Kumpel Frank und die Prostituierte Irina eine zwielichtige Rolle. Dann überschlagen sich die Ereignisse.

„Ich mag, wenn der Fall überrascht, wir den Zuschauer und uns selbst ein klein bisschen verwirren“, sagt Schauspieler Christian Ulmen. An seiner Rolle des Kommissars Lessing gefällt dem 40-Jährigen besonders, dass „er so eine bezaubernde Frau hat“. Diese trägt - modisch unbeeindruckt - zumeist einen khakigrünen Parka. „Ich habe Nora Tschirner äußerst selten so erotisch wahrgenommen, wie in diesem „Tatort““, gesteht Ulmen.

Wie bereits bei den ersten beiden Folgen „Die fette Hoppe“ und „Der Irre Iwan“ stammt das Drehbuch zu „Der treue Roy“ von den Autoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger. Die Idee für ihren dritten Weimar-„Tatort“ - zu dem Gregor Schnitzler die Regie führte - hatten sie laut Pressemappe, als sie sich in Weimar verfuhren. Plötzlich standen sie zwischen Plattenbauten, wo ein Wohnwagen mit rotem Neonherz im Fenster parkte. „Ganz in der Nähe wurde gegrillt. Da hatten wir eigentlich schon alles beisammen“, sagt Clausen.

Die Autoren scheren sich nicht um Klischees, sie spielen mit ihnen. Die komisch-witzigen Dialoge („Den Schuh mit deinem Bein muss ich mir anziehen bis ins Grab.“) strotzen vor Kalauern („Wer sitzt denn da im Schrank? Frank. Krank!“). Kommissar Lessing - die Klassikstadt lässt grüßen - zitiert Goethe, und auch der kleine thüringische Ort Lederhose wird heiter aufs Korn genommen. Manch eingefleischtem „Tatort“-Fan könnte das alles zuviel abverlangen. Erfrischend jedoch ist, dass der Film nicht wie manch anderer Krimi in psychologischem Tiefgang erstickt.

Von Annett Gehler

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