Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 3 ° stark bewölkt

Navigation:
Tod einer Sinnsucherin

„Tatort“-Blitzkritik Tod einer Sinnsucherin

In der Kieler Folge „Borowski und das verlorene Mädchen“ wird der Weg einer Jugendlichen in den Islamismus überzeugend nachgezeichnet.

Voriger Artikel
Faber kriegt aufs Maul
Nächster Artikel
Nervenkrieg in der Fahrgastzelle

Die Schauspieler Axel Milberg (l-r), Jürgen Prochnow und Sibel Kekilli im Kieler Tatort „Borowski und das verlorene Mädchen“.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Rostock/Kiel. Jugendliche radikalisieren sich, driften ab in ein islamistisches Milieu - immer wieder hören wir davon in den Nachrichten. Aber was heißt das, was passiert da mit den Menschen? Der Kieler Tatort „Borowski und das verlorene Mädchen“ zeigt realistisch und genau, wie so ein Weg aussehen kann. In der Figur der 17-jährigen Julia Heidhäuser, glänzend gespielt von Mala Emde, erleben wir mit, wie aus einer verzweifelten Sinnsucherin eine überzeugte Islamistin wird, die bereit ist, in den Irak zu gehen und dort einen IS-Kämpfer zu heiraten, den sie bisher nur vom Skypen kennt.

Der Hass auf die Familie, auf ihren gewalttätigen Bruder und ihre Mutter, beherrscht sie, von ihren Mitschülerinnen grenzt sie sich aggressiv ab, Passanten spucken vor ihr aus, wenn sie verschleiert durch die Stadt geht. Trost und Wärme findet Julia in der Hinterhofmoschee, vor allem bei Amina Jaschar (gut: Sithembile Menck), die sie sogar begleiten will.

Das alles zeigt Regisseur Raymond Ley sehr eindringlich und detailgetreu. Er hat gut recherchiert. Borowski und Brandt begleiten Julia in einer Mischung aus Mißtrauen und Mitgefühl. Später, als die Kommissare merken, dass Staatsschützer Kesting (Passend: Jürgen Prochnow) seine eigenen Pläne mit Julia hat, wollen sie sie schützen und scheitern damit komplett, bis zum tragischen Ende.

Der Tod ihrer Freundin Maria, der am Anfang dieses „Tatorts“ steht, gerät da in den Hintergrund. Und die Aufklärung dieses Mordes ist auch der Schwachpunkt des Krimis. Dass eine Mitschülerin sie im Wald überfährt und dann kaltblütig in die Förde wirft, wirkt weit hergeholt und unglaubwürdig.

Das kann aber den starken Eindruck kaum schmälern, den dieser Kieler Tatort hinterlässt.

Christian Risch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Neue Prioritäten

Jochen Schweizer ist von Anfang an bei der „Höhle der Löwen“ dabei. Doch nun steigt er aus. Wenn die nächste Staffel startet, ist er kein „Löwe“ mehr. Der Unternehmer will keine halben Sachen machen.

mehr
Mehr aus Tatort
MV-jobs.de

Die Jobsuchmaschine MV-jobs.de bietet über 19.000 Stellenangebote und Jobs in und um die Hansestadt Rostock. Ob Ausbildung, Arbeitsplätze für Fachkräfte, Quereinsteiger oder Führungsposition - der MV-Jobmarkt bietet Stellenanzeigen für alle Qualifikationen. mehr