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Ab auf die Schiene!

Ab auf die Schiene!

Mit Muskelkraft geht es 13 Kilometer auf der Draisine von Waren (Müritz) nach Schwinkendorf / Auf der stillgelegten Bahnstrecke wird überholt, gewendet und gepicknickt

Wo einst Züge zwischen Waren und Malchin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) bummelten, rattern heute Urlauber auf Fahrrad-Draisinen auf den Schienen. Die Aachener Freunde Birgit und Bernd Bücken sowie Claudia und Hans-Dieter Weißhaupt besteigen in Waren ihr blau-gelbes Schienenfahrzeug. „So, Männer! Dann legt mal einen vor!“, motiviert Frau Weißhaupt und macht es sich mit ihrer Freundin auf der Sitzbank bequem. Die Ehemänner treten tatkräftig in die Pedalen. 13 Kilometer bis nach Schwinkendorf liegen vor den Nordrhein-Westfalen.

Der Fuhrpark der Draisine Mecklenburg am Güterbahnhof in Waren zählt 20 Alu-Gefährte. „Zwei bis vier Personen können mit einer Draisine fahren“, erklärt Fred Winzer, der die Fahrzeuge startklar. „Für entspanntere Fahrten gibt es Elektro-Draisinen mit Tretunterstützung“, ergänzt der 60-Jährige.

Für diese Elektro-Variante haben sich auch die befreundeten Pärchen entschieden. „Unser Gewicht müssen wir schließlich erstmal in Schwung bekommen“, scherzt Bernd Bücken, der sich mit einem Cowboy-Hut vor der Sonne schützt. Schnell beschleunigen die Urlauber ihr Vehikel auf bis zu 30 km/h.

Noch in Waren wird die Reisegruppe zu einem ersten Halt gezwungen. Eine Straße kreuzt die Schienen. Eine Schranke versperrt den Weg. „Nicht vergessen: Die Autofahrer haben immer Vorfahrt!“, haben die vier noch den Hinweis vom Verleiher Winzer im Kopf. Hans-Dieter Weißhaupt springt aus dem Sattel. Kein Auto in Sicht. Der 51-Jährige öffnet den Schlagbaum. Bücken bringt das etwa 50 Kilogramm schwere Gefährt wieder in Schwung.

Die Strecke ist vor vielen Jahren für den Personen- und Güterverkehr genutzt worden. Kleine Bahnhofsgebäude entlang der Schienen erinnern noch an den einstigen Verkehr. Seit 2009 können Ausflügler mit den Draisinen – wie damals die Züge – auf den Schienen unterwegs sein.

Drei Mal am Tag (9.00, 13.30 und 17.30 Uhr) wird gestartet. Um auf der einspurigen Strecke nicht zu sehr in den Gegenverkehr zu geraten, muss egal wo man sich auf der Strecke befindet, um 11.00, 15.30 und 19.30 Uhr gewendet werden. Überholen ist möglich. Dann wird die Draisine mit dem Vordermann getauscht.

Nach fünf Kilometern wird bei den Aachener gewechselt: Die Frauen steigen aufs Fahrrad. Sie strampeln durch Waldabschnitte vorbei an kleinen Wasserlöchern.und weitläufigen Getreidefeldern. Wilder Mohn und Kornblumen blühen zwischen den Halmen. Eidechsen sonnen sich im Gleisbett und fliehen als sich das Quartett ratternd nähert. „Würde hier Lavendel blühen, wäre es hier genauso wie in der französischen Provence“, sagt Claudia Weißhaupt.

Die Gruppe macht Urlaub im etwa 20 Kilometer entfernten Röbel an der Müritz. „Seitdem unsere Kinder keine Lust mehr auf gemeinsame Reisen hatten, sind wir zusammen unterwegs“, erklärt die 51-Jährige.

Die Urlaubskasse füllen die Nordrhein-Westfalen durch ihre regelmäßigen Kanasterabende. Zu viert kommen sie alle paar Wochen zu dem Kartenspiel zusammen und stecken Geld in die Urlaubskasse. Davon werden Reisen quer durch Deutschland finanziert.„Seit acht Jahren machen wir das nun schon so“, sagt Bernd Bücken, der in diesem Jahr für die Organisation der Reise zuständig ist.

Auf etwa der Hälfte der Strecke stehen am Haltepunkt Neu Schönau plötzlich herrenlose Draisinen. Ihre Besitzer sitzen an einem der Rastplätze. Beim Picknick der Schüler der 7c des Privaten Internatsgymnasiums Schloss Torgelow (Mecklenburgische Seenplatte) am Rande der Strecke gibt es Brote, Möhren und Kekse. Die Stimmung ist ausgelassen. „Wir machen gerade einen Klassenausflug“, erklärt Lehrerin Anja Hake und schickt ihre Jungs los, die Fahrzeuge aus den Schienen zu heben.

Nach einer guten Stunde haben die Aachener den letzten Wendepunkt in Schwinkendorf erreicht. „Es ist nicht sonderlich anstrengend“, findet Hans-Dieter Weißhaupt. „Auch der Rückweg wird kein Problem.“

Die vier stärken sich noch bei Kaffee, Kuchen und Fischbrötchen in Heidi’s Landmarkt. Dann geht es mit kräftigen Tritten die 13 Kilometer zurück nach Waren.

Ann-Christin Schneider

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