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An Bord der „Gorch Fock“

Stralsund An Bord der „Gorch Fock“

Das im Stralsunder Hafen liegende Museumsschiff fuhr über Jahre auch unter sowjetischer Flagge.

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Die „Gorch Fock“ an ihrem Liegeplatz im Hafen von Stralsund. Das Schiff ist ganzjährig für Besucher geöffnet.

Stralsund. Der weiße Rumpf des Schiffes erstrahlt im Sonnenlicht. An Deck herrscht geschäftiges Treiben: Urlauber posieren zwischen den Masten, Mitglieder der Mannschaft lackieren den Anker oder erklären Gästen die Besonderheiten der „Gorch Fock“.

Als schwimmendes Museum liegt das 1933 erbaute Segelschulschiff seit 13 Jahren im Stralsunder Hafen. Früher wurden auf ihm junge Menschen für die Seefahrt ausgebildet. Heute lernen die Besucher Seemannsknoten zu binden oder klettern unter Aufsicht am Rigg. Das heißt, sie dürfen an einem Mast hinaufsteigen. Eine Ausstellung unter Deck zeigt die wechselvolle Geschichte der ersten „Gorch Fock“

und informiert über ihren Namensgeber, den Schriftsteller Johann Wilhelm Kinau (1880-1916).

„Es ist interessant, sich ein so großes und altes Schiff anzusehen. Die Möglichkeit gibt es bei uns in der Region so nicht“, sagt Claudia Schamberger. Für die Urlauberin aus dem bayerischen Schwabach ist der Ausflug nach Stralsund ein Erlebnis. „Wir sind gleich zum Hafen gefahren“, sagt die 46-Jährige. Mit ihrem Mann hat sie sich unter Deck umgesehen. „Ich wusste, dass die ,Gorch Fock’ 1945 gesunken ist. Aber, dass sie geborgen wurde, war neu für mich“, erklärt der 50-Jährige. Auch, dass der Dreimaster einige Zeit den Namen „Towarischtsch“ (russisch für Genosse / Kamerad) trug, war dem Besuchert nicht bekannt.

Schiffsexpertin Ines Lorenz liefert die Erklärung: Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) habe die Deutsche Marine ihr eigenes Schiff versenkt. „Viele vermuten, dass die ,Gorch Fock’

auf eine Mine gelaufen ist oder von den Russen versenkt wurde. Aber so ist das nicht gewesen.“ Ines Lorenz gehört zum Personal an Bord und führt Gäste über das Schiff. „1947 wurde es aus dem Strelasund geborgen und ging als Reparationszahlung an die Sowjetunion.“

Ein Rundgang auf dem Dreimaster ist gleichsam ein Ausflug in die Vergangenheit. Unter Deck schauen sich die Gäste den ehemaligen Kapitänssalon, die Unterkünfte der Kadetten sowie das Hospital an. Das Schiff wurde in der Vergangenheit gründlich saniert. Aber auch jetzt gibt es immer etwas zu tun.

Im Sommer stehen Holzarbeiten auf dem Programm. Sechs Mitarbeiter kümmern sich täglich um den Betrieb. Eigentümer der „Gorch Fock“ ist der Verein Tall-Ship Friends. „Morgens wird erst einmal das Deck gereinigt“, sagt die Projektleiterin. Schließlich soll sich der Traditionssegler von seiner besten Seite zeigen.

Familie Duft aus Thüringen ist begeistert. „Für uns ist es das erste Mal, dass wir so ein historisches Schiff besuchen“, sagt Stefanie Duft. Staunend betrachten sie und ihr Mann das Doppelruder. In den goldfarbenen Beschlag sind die Worte „Seefahrt ist Not“, „Gott mit uns“ und „Segelschulschiff Gorch Fock“ eingraviert. Ein Erinnerungsfoto – dann geht der Rundgang weiter.

„Einige Gäste denken, dass dieser Segler das aktive Schulschiff der Marine ist. Irrtum“, sagt Ines Lorenz. Die Bundesmarine taufte 1958 eines ihrer Boote auf den Namen „Gorch Fock“. „Damals hieß

unser Schiff ,Towarischtsch’. Vor 58 Jahren fuhr es nämlich noch unter sowjetischer Flagge“, erklärt sie.

Erst 2003 erhielt die Stralsunder Bark – so wird ein Schiff mit mindestens drei Masten bezeichnet – ihren ursprünglichen Namen zurück. Sie wird auch als „Gorch Fock (I)“ bezeichnet.

Auf das jüngere Schwesterschiff zu gelangen, ist nicht so einfach. Das Schulschiff steht nur selten für Gäste offen.

Kontakt & Infos

Adresse:

Liegeplatz

An der Fährbrücke

18439 Stralsund

Kontakt:

☎ 03831 / 666520

Öffnungszeiten:

Täglich 10.00 bis 18.00 Uhr

Eintritt:

Erwachsene 4,90 Euro

Kinder (ab 6 Jahre) 2,50 Euro

Familien (zwei Erwachsene,

zwei Kinder) 11,50 Euro

Führung (bis 20 Personen) 20 Euro

Tipp:

Eine Sonderausstellung auf dem Schiff ist Johann Wilhelm Kinau – Schriftsteller und Namensgeber der Gorch Fock – gewidmet.

Als Autor veröffentlichte Kinau mehrere Erzählungen und Kurzgeschichten in niederdeutscher Sprache. 1933 taufte die Reichsmarine den Dreimaster auf seinen Namen. Die Deutsche Marine benannte 1958 ein Schiff nach ihm.

• Internet:

www.gorchfock1.de

ÜBRIGENS

Wussten Sie schon, dass . . .

. . . es fünf Schwesterschiffe der Stralsunder „Gorch Fock“ gibt ?

Zuerst lief die „Gorch Fock“ 1933 in Hamburg vom Stapel. Das Schiff liegt heute im Stralsunder Hafen. Danach folgte 1936 die „Horst Wessel“. Sie sollte die „Gorch Fock“ bei der Ausbildung der Marine-Angehörigen unterstützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in die USA überführt und in „Eagle“ umbenannt. 1937 kam die „Albert Leo Schlageter“. Sie erhielt nach dem Krieg den Namen „Sagres II“ und fährt unter portugiesischer Flagge. Die „Mircea“ (1938) wurde für die rumänische Flotte gebaut. Die „Herbert Norkus“ (1939) setzte nie die Segel. Und 1958 taufte die Deutsche Marine einen ihrer Dreimaster „Gorch Fock“. Das erste Schiff hieß zu dem Zeitpunkt „Towarischtsch“.

Manuela Wilk

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