Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Auf Zeitreise im Wismarer Tapentensaal

Wismar Auf Zeitreise im Wismarer Tapentensaal

Die Altstadt von Wismar gehört zum Weltkulturerbe / Das Besucherzentrum „Welt-Erbe-Haus“ gibt Besuchern in einem mittelalterlichen Dielenhaus Einblicke in die Hansezeit

Voriger Artikel
Kontakt & Informationen zum Naturerbe Zentrum Rügen
Nächster Artikel
An Bord der „Gorch Fock“

Lena (links) und Theresia Nottensteiner aus Bayern lauschen mithilfe von Ohrmuscheln der Hörfunkstationen, die in den Sitzen eingelassen sind, den Erklärungen im Wismarer Tapetensaal .

Quelle: Fotos: Ann-Christin Schneider

Wismar. Wer durch Wismar spaziert, kann auf eine Zeitreise ins Mittelalter gehen. Nahezu unverändert prägen noch heute monumentale Backsteinkirchen, repräsentative Kaufmannshäuser, das Hafenbecken und ein jahrhundertealter künstlicher Wasserlauf das Stadtbild. Das hat die Weltkulturorganisation Unesco 2002 dazu bewogen, der Altstadt von Wismar zusammen mit dem historischen Stadtkern Stralsunds den Status des Weltkulturerbes zu verleihen. Nur fünf deutsche Altstädte tragen diesen Titel.

Alle herausgearbei-

teten Details sind Originale.“Rita Gralow, Welterbe-Amt Wismar

Öffnungszeiten

Adresse

Besucherzentrum Welt-Erbe-Haus

Lübsche Straße 23

23966 Wismar

Kontakt

☎ 03841 / 19433

Öffnungszeiten

9.00 bis 17.00 Uhr

Eintritt

kostenfrei

Parken

kostenpflichtig an der Marienkirche,

etwa 300 Meter Fußweg entfernt

• Internet:

www.wismar-stralsund.de

Dass die Hansezeit unverkennbare Spuren in Wismar hinterlassen hat, wird im „Welt-Erbe-Haus“ thematisiert. „Mit unserer Ausstellung wollen wir erhaltene Elemente bewahren und gleichzeitig über das Welterbe informieren“, sagt Rita Gralow vom Amt für Welterbe der Hansestadt. Dabei dient das Besucherzentrum selbst als Schaustück.

Denn das etwa 700 Jahre alte Dielengebäude zeigt viele bauliche Besonderheiten. „Die längliche Struktur aus Vorderhaus, Kemladen und Hof ist typisch für die Quartiere des 14. Jahrhunderts der Hansezeit“, erklärt die 52-Jährige. Während die Bürger die Vorderhäuser für die Geschäfte oder zur Lagerung von Gütern nutzten, wurde in den beheizten Holz- oder Fachwerkanbauten – Kemladen genannt – gewohnt und geschlafen.

Lilian Schuppau ist von dem Gebäude fasziniert. Die Gymnasiastin aus Wismar kommt regelmäßig ins Besucherzentrum. Sie hat hier sogar schon ein Praktikum absolviert. „Mein Vater hat sich schon immer für Welterbestätten interessiert und mich oft mitgenommen“, sagt die 15-Jährige. „Dadurch wurde meine Neugier geweckt.“ Auch in ihrer Schule engagiert sie sich in einer Welterbe-AG.

An den multimedialen Aktionstischen informiert sich die Schülerin interaktiv über die Geschichte der Stadt. In sieben Räumen werden zu den Themen Städtebau, Häuser-Architektur, Regeln und Handel in der Hanse sowie Wasserversorgung Filme, Animationen oder Audiomaterial geboten. Parallel dazu sind die herausgearbeiteten Funde am Haus als sogenannte Sichtfenster gestaltet. „Ich entdecke hier immer noch neue Details“, sagt die Wismarerin.

Bei der dreijährigen Sanierung bis zur Eröffnung 2014 sind an dem etwa 550 Quadratmeter großen Gebäude architektonische Glanzstücke sichtbar geworden. Klassizistischer Stuck, barocke Decken und Rokokomalereien an den Wänden zieren das alterwürdige Dielenhaus. „Alle herausgearbeiteten Details sind Originale“, erklärt Rita Gralow. „Sie wurden aufwendig freigelegt und restauriert.“

Allerdings sei das „WeltErbe-Haus“ keine Besonderheit, merkt die studierte Kunstgeschichtswissenschaftlerin an. Es stehe vielmehr beispielhaft für viele Giebelhäuser Wismars. „Die Besonderheiten können dort allerdings wegen fehlender finanzieller Mittel nicht so herausgearbeitet werden, wie wir es hier konnten.“ 3,6 Millionen Euro wurden in das Besucherzentrum investiert. Die Summe ist zu 95 Prozent vom Bund gefördert worden.

Ein optischer Höhepunkt der Ausstellung ist der Tapetensaal im Obergeschoss. 64 Quadratmeter Wandfläche sind mit Papierdrucken geschmückt. Der französische Künstler Xavier Mader hat Anfang des 19. Jahrhundert die mythische Geschichte „Reisen des Telemach auf der Insel Calypso“ abgebildet.

Familie Nottensteiner aus Bayern ist begeistert von der außergewöhnlichen Tapete, die 1826 in dem Dielenhaus angebracht wurde. „Die Malereien sind so detailgetreu, dass ich sogar die Mimiken der Personen erkennen kann“, sagt Theresia Nottensteiner. Auch ihre 18-jährige Tochter Lena bestätigt: „Die Tapete ist so farbenfroh. So etwas habe ich zuvor noch nie gesehen.“

Die Neu-Ulmer lauschen dem Vortrag mithilfe der Ohrmuscheln der Hörstationen, die in den Sitzen des Raumes eingelassen sind. „Die Informationen zu hören und sich parallel dazu im Raum umzusehen, ist klasse“, sagt die 55-Jährige.

Auch in Stralsund widmet sich eine Ausstellung im Olthofschen Palais dem Welterbe. Höhepunkt ist dort der Saal mit handgemalten Tapeten von Jakob Philipp Hackert (1737-1807) aus den Jahren 1762/63.

Ann-Christin Schneider

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Die Direktkandidaten der Grünen für die Landtagswahl: Sebastian van Schie (l.) tritt im Wahlkreis 34 an und Jochen Kwast im Wahlkreis 33.

Landtagskandidaten der Grünen lehnen touristische Großprojekte ab / Insel müsse für die Enkel noch lebenswert sein

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Sommermagazin
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.