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Einfach mal treiben lassen

Loitz Einfach mal treiben lassen

Mit Holzflößen aus Loitz südlich von Grimmen geht es auf der Peene durch die Natur – Hektik ausgeschlossen

Loitz. Vorsichtig navigiert Oliver Radtke das etwa 15 Quadratmeter große Floß kurz vor Sophienhof bei Loitz bei Grimmen ans Ufer der Peene. „Pass auf, dass wir uns nicht im Schilf verfangen!“, warnt seine Freundin Linda Eckert. Mannshoch und dicht stehen die Rohre am Fluss. Hier leben Enten, verstecken sich Biber.

Der 24-Jährige drosselt den Fünf-PS-Motor des Floßes. Das Tuckern des Antriebes verstummt. Nur die sanfte Strömung des Gewässers treibt das Gefährt weiter. Dann wirft Radtke den Klappanker aus. Mit einem Platsch landet er auf der Wasseroberfläche und sinkt auf den Grund. „So, jetzt können wir baden gehen“, sagt der junge Mann aus Gerbitz (Sachsen-Anhalt), zieht sich bis auf die Badehose aus und springt in den etwa 20 Grad Celsius warmen Fluss.

Mit seinen Mitstreiterinnen Linda Eckert und Dominique Reiher ist auf einer Floßtour. In Loitz, etwa 20 Kilometer von Grimmen entfernt, haben sich die Schulfreunde ihr sogenanntes Biberfloß

gemietet. Die Firma vermietet die Flöße für Tages- oder Mehrtagesfahrten.

„Für das Floßfahren ist kein Bootsführerschein notwendig“, sagt Vermieter Bert Mattausch. „Nach einer kurzen Einweisung zur Funktion des Motors und dem Steuern haben selbst Anfänger den Bogen schnell heraus.“

Die Flöße wurden aus hochwertigen heimischen Hölzern wie etwa Eiche oder Lärche erbaut, die vor Ort im Loitzer Sägewerk zugeschnitten wurden. Der Aufbau ist mit Gaskocher, Geschirr, Stühlen, einem kleinen Tisch, Chemietoilette und Solaranlage ausgestattet, sodass auch Strom vorhanden ist. Bis zu sechs Personen haben hier Platz, Schlafmöglichkeiten sind für vier vorhanden. Schwimmwesten sind ebenfalls an Bord.

„Es ist alles sehr einfach gestaltet, aber ich wollte bewusst keine schwimmenden Luxus-Unterkünfte“, erklärt der 47-Jährige das Konzept. „Die Ufer der Peene sind hauptsächlich naturbelassen und nicht verbaut. Deshalb passen die Flöße in dieser Form hierher.“

Von Loitz aus starten die Touren flussauf oder flussabwärts. Die Länge der Peene vom Kummerower See bis zur Mündung in das Stettiner Haff oder ins Achterwasser bei Anklam ist rund 60 Kilometer lang.

Das Urlauber-Trio hat sich für die etwa acht Kilometer lange Strecke Richtung Anklam bis nach Alt Plestlin entschieden. Sie schippern vorbei an alten Torfgräben, wo im 19. Jahrhundert das brennbare Material abgebaut wurde. Aufgrund der teilweise sehr geringen Wassertiefe dürfen die Torfgräben nur mit Paddelbooten, aber nicht mit den Flößen befahren werden. Heute sind die alten Torfstiche Refugium vieler Wasservögel wie Eisvogel, Kormoran und Graureiher. Die Artenvielfalt an der Peene ist der Hauptgrund für ihren Beinamen: Amazonas des Nordens.

Dominique Reiher macht es sich während der langsamen Fahrt auf der Terrasse bequem. Mit hochgelegten Beinen sonnt sich die Hamburgerin. „Bei dieser Ruhe kann ich perfekt vom Alltag abschalten“, sagt die Immobilienmaklerin.

Mit einer Geschwindigkeit von sieben Stundenkilometern bewegen sich die drei Freunde mit ihrem kleinen, schwimmenden Haus mit dem Namen „Anita“ vorwärts. Immer wieder springen Fische aus dem dunklen Wasser – der torfhaltige Boden macht es so dunkel. Rapfen, Steinbeißer, Fluss- und Bachneunauge, Schlammpeitzger sowie Lachse fühlen sich hier wohl. Libellen schweben in der Luft. Vögel und Frösche stimmen im Hintergrund ein kleines Konzert an.

Kanuten, Anglern, Motorbootbesitzern und anderen Floßfahrern begegnen die drei auf der Strecke. Winkend und lächelnd grüßen sie sich. Alle sind entspannt.

Am Wasserwanderrastplatz Alt Plestlin wendet Linda Eckert, die mittlerweile das Steuer übernommen hat, das Floß. Ungefähr alle fünf bis zehn Kilometer kann an einer Anlegestelle pausiert werden.

Nach zweieinhalb Stunden steuert die 23-Jährige das Gefährt zurück in Richtung Heimathafen. Am Ende der Tour kommt es dann zur größten Herausforderung des Tages: Einparken in der Loitzer Marina.

Zwischen zwei Pfählen muss mit viel Gefühl am Gashebel das sechs Meter lange Floß zum Stehen gebracht werden. Vom Heck aus steuert nun wieder Radtke den Hafen an. Um nicht an einen der Pfeiler anzuecken, stehen vorn die beiden jungen Frauen bereit, um gegebenenfalls zu korrigieren.

Ohne Probleme bringt das Trio das Floß in Parkposition. Zum Festmachen werfen sie Seile zum Vermieter Mattausch, der bereits auf die Ankömmlinge wartet. „Das sah doch sehr gekonnt aus“, würdigt er das gelungene Anlege-Manöver.

Nach etwa fünf Stunden haben die „Floß-Matrosen“ wieder festen Boden unter den Füßen. „Das hat Spaß gemacht“, fasst Dominique Reiher ihre Eindrücke zusammen. Sie ist sich sicher: „Das war sicherlich nicht unsere letzte Floßfahrt.“

Ann-Christin Schneider

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