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Es atmet die Stille oder tobt der Sturm

Kloster Es atmet die Stille oder tobt der Sturm

Der Maler Torsten Schlüter öffnet jeden Sommer seinen Kunstgarten auf Hiddensee – ein Gespräch

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Das Aquarell „Die Liegende“ entstand vor zwei Jahren und ist im Kunstgarten zu sehen.

Kloster. Seit mehr als drei Jahrzehnten kommt der Maler, Zeichner und Autor Torsten Schlüter regelmäßig nach Hiddensee. Und seit 30 Jahren gibt es den Kunstgarten Hiddensee in Kloster, die Freiluft-Galerie des Berliner Künstlers. Noch bis zum 24. August zeigt er dort Arbeiten aus den vergangenen drei Dekaden. Im OZ-Gespräch sagt der 56-Jährige unter anderem, ob er in seinem Insel-Atelier Musik hört.

Noch eine Woche Galerie

Adresse:

Kunstgarten Hiddensee

Kloster auf Hiddensee

Haus „Anna Hucke“

Biologenweg 17

Kontakt: ☎ 0179 / 3944858

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag

17.30 bis 19.30 Uhr

bis zum 24. August

nur bei Galeriewetter

und nach Vereinbarung

Eintritt: frei

• Internet:

www.torsten-schlueter.de

Auf Hiddensee sind sie fast immer mit einer Latzhose bekleidet. Ihr Markenzeichen?

Torsten Schlüter: Latzhosen sind äußerst praktisch. Da passen eben eine Menge Stifte und Skizzenbücher hinein.

Heute schon gearbeitet?

Schlüter: Gezeichnet. Oft gehe ich im Sommer mit dem ersten Morgenlicht in die Farbe. Tagsüber eher zeichnen. Am späteren Nachmittag baue ich die Ausstellung im Kunstgarten auf.

Danach, wenn alles wieder abgebaut ist, nutze ich, nachdem die Sonne weg ist, die abendlichen Lichtspektakel, um zu skizzieren.

Warum so lange schon Hiddensee?

Schlüter: Das ist hier ein unerschöpfliches Freiluft-Atelier. Schon 1983, als ich zum ersten Mal auf Drängen einer Freundin auf die Insel kam, hat es mich gepackt. Der Ort ist seitdem, was künstlerische Inspiration angeht, eine Art Perpetuum mobile. Dabei sind die Standorte und die Motive nicht selten gleich, aber nie dieselben. Nach wie vor ist für mich der Beginn einer neuen Arbeit so faszinierend wie das erste Mal.

Wird es nicht etwas langweilig?

Schlüter: Nein. Denn die Natur ist hier so sehr in Bewegung und es gibt für das Auge immer wieder Neues zu entdecken. In der kleinen Welt Hiddensees wird die große Welt sichtbarer.

Die Menschen dürfen hier kleiner sein – auf dem Festland und in den Städten müssen sich die meisten alltäglich ja viel mehr behaupten.

Haben Sie Lieblingsplätze?

Schlüter: Ich zeichne hier überall, es gibt keine bevorzugten Stellen. Nach wie vor ziehen mich zum Beispiel die Plätze der Möwen an. Das allgegenwärtige Federvieh bildet für mich eine Parallelgesellschaft mit Hierarchien und Charakteren. Das Licht auf der Boddenseite kann ebenso faszinieren wie die Stimmungen auf der Meerseite. Und der Blick ist in alle Himmelsrichtungen frei! Darin steckt auch eine philosophische Komponente.

Ihre Malerei ist sehr farbintensiv.

Schlüter: Die Farben in ihrer unendlichen Vielfalt sind mein Motor. Gleichzeitig heißt es für mich aber auch stets: zeichnen, zeichnen, zeichnen. Malerei und Zeichnung gehören für mich zusammen.

Haben sich die Gäste der Insel seit den 1980er Jahren verändert?

Schlüter: Die Leute haben heute durch andere Lebenserfahrungen auch andere Blickwinkel auf die Insel. Aber es gibt im Gegensatz zu Rügen, Usedom oder Sylt doch relativ wenig Veränderungen. Es ist eine besondere Entscheidung, nach Hiddensee zu kommen. Und es gibt immer noch keine Autos. Dazu kommt die einzigartige Lage und Natur, was schon immer Geist angezogen hat. Die Gäste haben andere Erwartungen, als wenn sie in andere Ostseebäder reisen. Hiddensee übt auf viele einen speziellen Reiz aus.

Gab es Begegnungen mit prominenten Gästen?

Schlüter: Nicht wenige. Beispielsweise besuchten der Schauspieler Kurt Böwe (1929-2000, Anm. d. Red.) oder der Kabarettist und Schriftsteller Hans Dieter Hüsch (1925-2005, Anm. d.

Red.) früher jedes Jahr den Kunstgarten. Aber was ist schon prominent auf der Insel Hiddensee! Hier zählt vor allem, ob einer als Typ in Ordnung ist.

Wie bewegen Sie sich hier von Ort zu Ort?

Schlüter: Mit meinem alten Fahrrad mit Stangenbremse, das mir mein Vater geschenkt hat, als es mit meiner Liebe zu Hiddensee anfing. Ein Fahrrad war seinerzeit noch etwas Wertvolleres als heutzutage.

Hören Sie Musik in Ihrem Hiddensee-Atelier?

Schlüter: In Berliner Atelier höre ich immer Musik. Aber hier? Nein! Hier gibt’s permanent Geräusche, es raschelt, zwitschert oder der Wind pfeift. Entweder atmet hier die Stille oder es tobt der Sturm.

Interview von Klaus Amberger

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