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„Ich gebe auf Euch Bürger Acht“

Rostock „Ich gebe auf Euch Bürger Acht“

Rainer Schwieger bietet als Nachtwächter Führungen durch die Östliche Altstadt von Rostock an

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Rainer Schwieger führt als Nachtwächter durch den „Schwibbogen“. Als die Nikolaikirche erweitert wurde, musste der Anbau so gestaltet werden, dass unter ihm dieser Straßendurchgang blieb.

Quelle: Fotos: Katharina Ahlers

Rostock. Rainer Schwieger blickt auf die Spitze der 117 Meter hohen Petrikirche in der Östlichen Altstadt von Rostock. „Das Gotteshaus wurde nach Petrus, dem Jünger Jesu, benannt. Der war Fischer“, erklärt er. „Daher werden Angler auch Petrijünger genannt.“

Kontakt & Infos

Adresse:

Rostock Touristik,

Schnickmannstraße 15, 18055 Rostock

Kontakt:

☎ 03 81 / 25 22 29 44

Treffpunkt:

Vor der St.-Petri-Kirche (Alter Markt)

Zeiten:

Montag, Freitag, Sonnabend und

Sonntag jeweils um 20.00 Uhr

Preise:

Erwachsene 9 Euro, Studenten 7,50 Euro, Kinder (bis 12 Jahre) frei

• Internet: www.hansetouristik.de

Seit elf Jahren bietet der Hansestädter historische Stadtführungen an. Dafür schlüpft er in ein mittelalterliches Gewand: In einer Hand hält er eine Laterne, in der anderen eine Stangenwaffe, Hellebarde genannt. Ein breitkrempiger Hut, ein Rufhorn sowie ein schwarzer Umhang gehören zum Kostüm.

Schwieger wendet sich den zehn Tour-Teilnehmern zu. „Hört ihr Leut’ und lasst Euch sagen, die Uhr hat gerade neun geschlagen! Um neun gehe ich auf Wacht und gebe auf Euch Bürger Acht“, ruft er.

Gespannt hört Claudia Klee zu. „Als Rostockerin kenne ich mich hier aus. Aber es gibt sicherlich Dinge, die ich noch nicht weiß“, meint die Studentin. Begleitet wird die 26-Jährige von ihrer Kommilitonin Malin Carstensen. Ich wohne noch nicht lange in der Hansestadt und möchte mehr über ihre Geschichte erfahren“, verrät die 23-Jährige. „Die Kombination aus Information und Unterhaltung ist sicherlich interessant.“

Dass er als professioneller Fremdenführer einmal in ein mittlelalterliches Gewand schlüpfen wird, hätte der Geschäftsführer von „Hanse Touristik Rostock“ nie für möglich gehalten. „Während meines Geschichtsstudiums habe ich bereits klassische Führungen angeboten“, sagt der 48-Jährige. „Irgendwann kamen die Nachtwächter-Rundgänge hinzu.“

Die etwa zwei Kilometer lange Tour führt durch den ältesten Teil der Hansestadt, die im Jahre 1218 das Lübische Stadtrecht erhielt. Im Mittelalter (500 bis 1500) sorgten Nachtwächter für Ruhe und Ordnung im damaligen Stadtgebiet, das sich vom Kröpeliner Tor im Westen bis zur Petrikirche im Osten sowie vom Steintor bis zum Wasser erstreckte.

„Der Beruf war nicht sonderlich angesehen“, erzählt der Fachmann. „Die Wächter mussten die gesamte Nacht patrouillieren und auf die Bürger aufpassen.“ Eine Hauptaufgabe war es, bei Bränden Alarm zu schlagen und die Bevölkerung aufzufordern, zu löschen.

Auch die Einhaltung der Nachtruhe war wichtig. „Besonders wurde auf ,liderliche Dirnen’ geachtet“, sagt Schwieger und blickt auf seine Zuschauer. „Frauen und Männern war es verboten, zusammen auf die Straße zu gehen. Zudem durften nur Jungfrauen ihre Haare offen tragen. Verheiratete Frauen waren ,unter der Haube’.“

Malin Carstensen sieht ihre Freundin Claudia Klee an. „Das ist interessant“, sagt sie. Die Studentinnen erfahren, dass aus der Zeit der Nachtwächter noch weitere Redewendungen stammen. Schwieger bläst in das Rufhorn, ein lauter, tiefer Ton ertönt. „Das ist anstrengend und will geübt sein“, sagt er. „Wer es nicht schaffte, so einen Laut zu erzeugen, hatte ,von Tuten und Blasen keine Ahnung’“.

Auch viele Straßen benannte man nach den Ordnungshütern. „Sie wurden hauptsächlich mit Eigentum bezahlt. Beispielsweise erhielten sie Flächen für den Gemüseanbau. Die Straße ,Bei den Polizeigärten’

erinnert daran“, sagt der Ortskundige. Die finanzielle Entlohnung sei hingegen schlecht ausgefallen. „Daher waren die Wächter auf das Fangen von Dieben aus. Auf die war ein Kopfgeld ausgesetzt “, erklärt der Historiker.

Er hebt seine Hellebarde und hält die Spitze vorsichtig gegen den Rücken von Urlauber Dieter Schorb aus Karlsruhe (Baden-Württemberg). „Mit ihren Waffen konnten sie Verbrecher aufhalten und bis zu einer der vielen Verwahrzellen auf ihrer Route stoßen.“ Dieter Schorb lacht. „Es ist schön, wie anschaulich die Historie der Stadt und das Leben der Nachtwächter dargestellt werden“, sagt er.

Die Gruppe setzt ihren Weg in Richtung Alter Markt fort. Hier wurde hauptsächlich Viehhandel betrieben. Die Handwerker, die sich in der Gegend ansiedelten, hatten vorrangig mit Pferden zu tun.

Über den Marktplatz gelangt die Gruppe zum „Kuhtor“. Ab dem 13. Jahrhundert gab es 20 dieser Stadttore, von denen heute noch vier erhalten sind. „Durch das Kuhtor haben die Hirten morgens ihr Vieh hinaus auf die Weiden geführt“, sagt Schwieger. „Über Nacht waren die Tiere in der Stadt dagegen sicherer.“

Nach 90 Minuten erreicht die Gruppe ihr Ziel: das Steintor unweit des Neuen Marktes. Hier entlässt der Stadtführer die Gruppe in die Nacht.

Katharina Ahlers

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