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Kleiner Mann spielt große Charaktere

Zinnowitz Kleiner Mann spielt große Charaktere

Erwin Bröderbauer gibt bereits zum 16. Mal den Bösewicht bei den Vineta-Festspielen in Zinnowitz auf Usedom

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Neben seinen mehr als 20 Schauspieler-Kollegen steht auch in dieser Spielzeit Bröderbauer (3. v .l.) auf der Vineta-Bühne.

Quelle: Fotos: Veranstalter

Zinnowitz. Schwarz-Weiß-Denken kommt für Erwin Bröderbauer nicht infrage. „Es gibt nicht nur die Guten oder die Bösen“, erklärt der Theaterschauspieler. „Man weiß nie, was sie dazu getrieben hat, so zu werden, wie sie sind. Das macht es doch gerade so spannend.“

Er muss es wissen. Denn der 44-Jährige spielt bereits seit 16 Spielzeiten die durchtriebenen Typen bei den Vineta-Festspielen in Zinnowitz auf Usedom. Damit ist er das langjährigste Mitglied der Vineta-Familie.

In der aktuellen Inszenierung „Die Stadt der Diebe“, die noch bis zum 3. September auf der Ostseebühne in Zinnowitz auf Usedom gezeigt wird, mimt er den Fidelius – den König der Diebe. „Ich würde ihn als Robin Hood der Gauner beschreiben“, versucht sich der 1,40 Meter große Schauspieler in einer Rollenbeschreibung. „Fidelius nimmt nicht nur, er gibt auch.“

1995 wurde Bröderbauer von Intendant Wolfgang Bordel für die Rolle des Zwerges in der Märcheninszenierung „Schneeweißchen und Rosenrot“ engagiert. Der gebürtige Salzburger bekam einen Jahresvertrag an der Vorpommerschen Landesbühne angeboten. Aus diesem sind mittlerweile 22 Spielzeiten geworden. Neben Peter Luppa am Berliner Ensemble ist er damit der einzige festangestellte, kleinwüchsigen Schauspieler an deutschen Theatern.

„Ich habe selbst nicht daran geglaubt, dass mein Leben sich hauptsächlich auf der Bühne abspielen wird“, sagt Bröderbauer. Eine Schauspielschule hat er nie besucht. Sein Debüt war reiner Zufall:

Während seiner Schlosserlehre habe er bei den Salzburger Festspielen beim Bühnenaufbau ausgeholfen. „Ich bin wie ein Miniatur-Rambo mit einer Eisenstange auf der Schulter rumgelaufen“, scherzt der Österreicher. Als dann ein kleinwüchsiger Schauspieler bei einer Inszenierung absprang, seien die Produzenten sofort auf den 1,40 Meter großen Mann zugekommen.

„Ich habe mir da schon ein bisschen in die Hose gemacht, schließlich hatte ich null Erfahrung“, sagt der Wahl-Anklamer. Doch er leckte Blut, blieb den Festspielen vier Jahre lang treu und hatte Gastauftritte in den bayrischen Städten Augsburg und Ingolstadt. Das Lampenfieber sei aber bis heute nicht verschwunden, räumt er ein.

In zahlreichen Charakterrollen trat Bröderbauer in den vergangenen Jahren an der Vorpommerschen Landesbühne auf. Spielte das gutmütige Monster – den Kaliban – in William Shakespeares (1564-1616) „Der Sturm“, den Draufgänger Kurt in „Drei Männer von der Tankstelle“ und den verführerischen Paris in „Die schöne Helena“. Auch in mehreren Gastauftritten an der Berliner Schaubühne, beim Festival D’Avignon in Frankreich und in Tokio (Japan) überzeugte Bröderbauer das Publikum.

„Ich bin froh, dass ich trotz meiner Größe nicht nur in die Zwergenschublade gesteckt werde“, sagt der Mime. In Anklam sei er nie mit Vorurteilen konfrontiert worden, spielte zuletzt sogar den Gott Jovis. „Und wer einen Gott spielen darf, hat es doch wohl geschafft“, scherzt Bröderbauer.

Intendant Bordel lässt sich gern auf Experimente mit dem Schauspieler ein. „Er gehört nicht schon so lange zu unserem Team, weil er kleinwüchsig ist. Er ist kein Ausstellungsstück“, sagt der 65-Jährige. „Ich suche nach dem Speziellen und er kann diese Rollen spielen.“

Auf so viel Offenheit ist Bröderbauer nicht immer in seinem Leben gestoßen. „Salzburg ist konservativ und gut-bürgerlich. Da wurde ich beäugt und nicht für voll genommen. Auch wenn die Usedomer direkter sind, nehmen sie einen doch immer ernst“, sagt er.

Und immer wieder kommt der Künstler zurück zu den Vineta-Festspielen. „Dank der Schauspielschüler, die jedes Jahr das Ensemble ergänzen, wird es auch für mich nicht langweilig“, sagt der Theatermann.

Er kann sich vorstellen, noch länger dabei zu bleiben. Sein Traum ist es, mal eine TV-

Rolle beim „Tatort“ zu ergattern.

Vineta-Festspiele

Adresse

Ostseebühne

Seestraße 8

17454 Zinnowitz

Ticket-Hotline

☎ 0 39 71 / 20 89 25

Termine

bis zum 3. September montags, mittwochs und donnerstags jeweils um 19.30 Uhr

Eintritt

Erwachsene 19 bis 27 Euro

Kinder (ab sechs Jahre)

16 bis 22 Euro

Familie (zwei Erwachsene plus ein Kind) 43 bis 59 Euro

Parken

kostenpflichtig in der Dünenstraße

• Internet:

www.vineta-festspiele.de

Ann-Christin Schneider

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