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Lasst das Segel fallen!

Sassnitz Lasst das Segel fallen!

Gäste des Segelschulschiffs „Greif“ helfen während eines Törns bei den Segelmanövern mit / Etwa bei einer Tour vor Rügens Küste

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Mitglieder der Schiffsbesatzung stehen in der Takelage und machen das Bramsegel mit dem Greifswalder Wappen los.

Quelle: Fotos: Manuela Wilk

Sassnitz. Das Deck ist geschrubbt, die goldfarbene Schiffsglocke glänzt in der Sonne. Die „Greif“ ist bereit für die Ausfahrt. Es geht von Sassnitz auf Rügen hinaus auf die See – vier Stunden dauert der Törn. Das Segelschulschiff mit Heimathafen Greifswald nimmt regelmäßig Gäste mit.

1951 lief der Zweimaster in Warnemünde vom Stapel. Das Schiff erhielt den Namen „Wilhelm Pieck“. 38 Jahre lang wurden an Bord junge Seeleute ausgebildet. 1990 durften erstmals zahlende Passagiere mitfahren. Ein Jahr später wurde die Schonerbrigg auf der Neptun- Werft überholt und umgebaut. Daraufhin wurde sie 1991 in „Greif“ umbenannt.

Heute können die Besucher bei Tagestouren und längeren Fahrten mit anpacken. Bei den Segelmanövern beispielsweise ist jede helfende Hand gefragt. „Es ist schön, selbst aktiv zu werden. Man fühlt sich dadurch gut aufgenommen“, sagt Urlauberin Marion Habeck aus Berlin.

„Wir zwingen aber niemanden. Wer möchte, kann bei den kurzen Törns auch nur die Fahrt genießen. Dafür arbeiten wir ,Hand-für-Koje-Segler’, auch HfK genannt, an Bord“, sagt Christina Kraft. Die 35-Jährige verbringt seit 2008 regelmäßig ihre Freizeit auf dem 41 Meter langen Schiff. „Dafür bekommen wir freie Kost und Logis.“

Für Martin Koss ist das Segeln ein Ausgleich zum Beruf. Der 32-Jährige ist selbstständiger Veranstaltungskaufmann. „Mit der ,Greif’ unterwegs zu sein, entspannt mich. Man hat seine Ruhe und hört nur das Surren des Generators“, sagt der Hand-für-KojeSegler.

Die Masten hinauf zu klettern, die Segel loszumachen und wieder einzupacken, ist eine Aufgabe für die erfahrenen Seeleute. Trotzdem dürfen auch die Passagiere unter Aufsicht in die Takelage aufentern, wie es seemännisch heißt. „Vorwärts hochzuklettern, ist einfacher, als rückwärts wieder hinabzusteigen“, sagt Gerd Schwarze aus Oschatz (Sachsen). Er gehört zu den Mutigen, die sich auf die Saling, eine Plattform am Mast, wagen. Vier der HfK-Segler helfen ihm dabei. „Bei kräftigem Wind wäre das sicher schwieriger gewesen“, ist der Besucher überzeugt.

Die Besatzung, meist sieben feste Mitglieder und acht Helfer, teilen sich an Bord die Aufgaben. Sie gehen Ausguck, melden also nahende Schiffe oder Hindernisse, halten als Rudergänger den Kurs oder unterstützen den Smutje in der Kombüse.

Lutz Reiter bereitet in der Küche das Mittagessen zu. „Heute gibt es Gemüseeintopf mit Wiener“, verrät der 57-Jährige. Er arbeitet seit einem Jahr als Schiffskoch. „Ich wollte schon als Kind zur See fahren, und jetzt ist der Traum wahr geworden“, sagt er und rührt in seinem Topf.

Die Zutaten für die vier Mahlzeiten pro Tag lagern im schiffseigenen „Supermarkt“ – eine vielleicht 50 mal 50 Zentimeter große Luke an Deck führt etwa zwei Körperlängen in die Tiefe. Über eine schmale Leiter geht es hinab. An den Seiten stehen Regale gefüllt mit Proviant. „Alles, was wir einkaufen, muss mit einem Seil hinuntergelassen werden“, sagt Bootsmann Roland Hübner.

Die „Greif“ hat mittlerweile den Hafen von Sassnitz verlassen. An der Backbordseite, links, zieht die Kreideküste Rügens vorbei. Die Gäste schauen sich derweil auf dem Zweimaster um. Kerstin Dorendorf-Sellger und ihr Mann schießen ein Erinnerungsfoto am hinteren Ruder. „Die Crew kümmert sich gut um uns“, sagt die Urlauberin aus Sachsen. „Nur etwas mehr Wind wäre schön, damit wir Fahrt aufnehmen“, meint René Dorendorf. Mit ihren 15 Segeln kann die „Greif“ eine Geschwindigkeit von 14 Knoten, 26 km/h, erreichen. Mit Motorkraft schafft sie nur bis zu acht Seemeilen in der Stunde, 15 km/h.

Für Kapitän Wolfgang Fusch zählt auf See etwas anderes: „Ich schätze den familiären Zusammenhalt in der Crew. Auch wenn immer neue Personen dazukommen, arbeiten wir als Team.“ Der 63-Jährige hat seit 16 Jahren das Sagen auf dem Schiff. Fusch weiß: „Zur See fahren, ist stets eine Charakterschule.“

Kontakt & Infos

Adresse:

Schiffsanleger

Friedrich-von-Hagenow-Straße

17493 Ladebow

Kontakt:

☎ 03834 / 841424

☎ 0171 / 6393149

Törntermine:

Tagestouren

7. September ab Greifswald

17. September ab Swinemünde (zwei Ausfahrten)

18. September ab Swinemünde

Mehrtagestouren

13. bis 16. September

Greifswald-Bornholm-Swinemünde

21. bis 25. September

Greifswald-Malmö-Greifswald

6. bis 9. Oktober

Greifswald-Ystad-Greifswald

Preise:

Tagestour ab 60 Euro

Mehrtägige Fahrten ab 263 Euro

Hinweis:

Segler müssen mindestens 16 Jahre alt sein.

• Internet:

www.sssgreif.de

Tipp:

Wer regelmäßig zur See fahren will, kann als Mitglied des Fördervereins „Rahsegler Greif“ ehrenamtlich an Bord gehen. Die sogenannten Hand-für-Koje-Segler verbringen ihre Freizeit auf der Schonerbrigg. Wer mehrmals als Gast mitgefahren ist, Interesse und ein wenig Segel-Erfahrung hat, kann sich dazu an die Crew wenden.

Manuela Wilk

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