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Mitten im Biber-Paradies

Marlow Mitten im Biber-Paradies

Im Recknitztal gibt es rund 100 Brutvogelarten / Auch der Biber fühlt sich hier wohl / Experten führen durch das Naturschutzgebiet – eine kombinierte Kanu- und Radtour

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Naturführer Martin Hagemann zeigt einen Ast, der von einem Biber bearbeitet wurde. Entlang der Recknitz bei Marlow sind zahlreiche Biberburgen zu sehen.

Quelle: Fotos: Katharina Ahlers (4), Martin Hagemann, Nabu

Marlow. Aus dem Schilf am Uferrand der Recknitz nahe Marlow bei Ribnitz-Damgarten ist lautes Zwitschern zu hören. „Das ist ein Schilfrohrsänger“, sagt Martin Hagemann. „Er sitzt hier versteckt.“ Der Kuckuck liebe die Nester der kleinen Vögel.

„Manchmal kann man beobachten, wie ein Schilfrohrsänger einem männlichen Kuckuck hinterherfliegt“, sagt der Naturführer. „Dadurch wird der Schilfrohrsänger vom Nest weggelockt, während das Kuckuck-Weibchen ihr Ei dort ablegt.“ Er lacht. „Diesen Trick haben die Schilfrohrsänger noch nicht kapiert.“

Ein weiterer Vogel meldet sich lautstark. „Klingt wie ein Pirol“, vermutet der 47-Jährige. „Die Stimme ist sehr markant.“

Zusammen mit Harald Stypmann, der den Boots- und Kanuverleih am Wasserwanderrastplatz Marlow betreibt, bietet Hagemann geführte Touren auf der Recknitz an. Für den Koordinator des Tourismusvereins Vogelparkregion Recknitztal gilt das Gebiet noch als Geheimtipp für Urlauber. Stypmann stimmt zu. „Hier leben Mensch und Natur noch im Einklang“, sagt er. „Das Gebiet ist wunderschön.“

Das Recknitztal hat eine Größe von 1450 Hektar und damit fast so groß wie die Insel Hiddensee. Es ist eines der wenigen erhaltenen Niedermoore Mecklenburg- Vorpommerns mit offenen Torfstichen und zahlreichen Altarmen. Rund 100 Brutvogelarten leben hier. Feuchtwiesen, Erlenbruch- und Auenwälder sowie Röhricht bieten ihnen einen abwechslungsreichen Lebensraum.

Neben den regelmäßigen Ausflügen auf dem Fluss besteht zudem die Möglichkeit zu kombinierten Fahrrad- und Kanutouren . „Heute paddle ich von Marlow über Pantlitz nach Daskow“, sagt Hagemann. 16 Kilometer auf der Recknitz und dann mit dem Rad zurück. Um den Transport der Boote und Räder kümmert sich Stypmann.

Flussabwärts geht es Richtung Ribnitz-Damgarten. Bei Gruel, etwa fünf Kilometer von Marlow entfernt, kommen dem Paddler Susan und Matthias Scharf aus Nordrhein- Westfalen in ihren Kajaks entgegen.

„Das Wasser, die Ruhe und die Tiere – das ist für mich Erholung“, meint Scharf.

Nicht nur die Tier- auch die Pflanzenwelt an der Recknitz ist vielfältig. Hagemann deutet auf eine violette Blume. „Das ist Bittersüßer Nachtschatten“, erklärt der Experte. „Eine typische Uferpflanze an der Recknitz.“ Doch Vorsicht! Wie alle Nachtschattengewächse ist auch diese Pflanze giftig.

Wenige Meter weiter fischt der gebürtige Rüganer einen dicken Ast aus dem Gewässer. „Hier war ein Biber am Werk“, sagt er und zeigt auf die tiefen Nagespuren auf dem Holz. „Die Tiere fühlen sich hier wohl.“ Etwa 1500 leben schätzungsweise im Nordosten.

Der Fluss schlängelt sich durch die Landschaft. Als das Kajak um eine der Kurven, auch Mäander genannt, biegt, schreckt ein Fischreiher auf und fliegt davon.

Stolz ist Hagemann auf die sechs Schreiadler-Pärchen im Recknitztal. Von diesen Greifvögeln gibt es deutschlandweit nur noch rund 100 Paare. „Schreiadler gehen vom Boden aus auf Nahrungssuche“, sagt der Fachmann. Im Naturschutzgebiet werden mitunter Flächen durch Beweidung kurz gehalten. „Das erleichtert dem Schreiadler die Suche nach kleinen Wirbeltieren “, erklärt der Naturliebhaber.

Viele Jahre hat er als Informatiker gearbeitet. „Aber ich wollte immer etwas anderes machen“, erzählt Hagemann. Schließlich entschloss er sich zu einer Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer.

Für ihn ein Traumjob. „Mich faszinieren auch die kleinen Dinge“, sagt er. „Der Frosch, der auf eine Seerose springt oder die Prachtlibelle, die sich aufs Paddel setzt.“

Obwohl er seit vier Jahren die Ausflüge auf der Recknitz anbietet, gibt es für ihn selbst stets Neues zu entdecken. „Vor ein paar Wochen habe ich hier mein erstes Blaukehlchen gesehen“, erinnert er sich. „Das ist ein schöner Vogel.“

Sein Favorit jedoch ist der Eisvogel. „Mit seinem blau-gelben Gefieder sieht er wunderschön aus.“ Auch die Jagdmethode dieses Exoten beeindruckt ihn. „Wenn der Vogel seine Beute entdeckt, stürzt er sich kopfüber ins Wasser und beschleunigt mit kurzen Flügelschlägen.“

In Daskow angekommen, steigt der Tourismusmanager auf das Fahrrad um. Die zwölf Kilometer lange Strecke führt durch kleine Dörfer und Wälder. „Manchmal sieht man dort Kraniche“, erzählt Hagemann.

Katharina Ahlers

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