Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Oldie-Tour auf Rügen

Sassnitz Oldie-Tour auf Rügen

Tolle Landschaften, viel Historie und urige Fahrzeugtechnik: Mit den mehr als 50 Jahre alten Hanomags sind Volker Barthmann und Beate Reimann auf dem Mönchgut unterwegs.

Sassnitz. Der 70-PS-Diesel röhrt los. Beate Reimann gibt Zwischengas und packt den Knauf des rechts von ihr befindlichen langen Schalthebels. Zweiter Gang. Der gut vier Tonnen schwere Allrader klettert den Anstieg zwischen dem Ostseebad Göhren und dem Dörfchen Middelhagen hinauf.

„Wir befinden uns auf den Serpentinen von Rügen“, erklärt die Reiseleiterin. Kraftvoll agiert die 50-Jährige an dem großen, spindeldürren Lenkrad des Neunsitzers. Elektrische Servolenkung?

Fehlanzeige. „Das Lenken des gut 50 Jahre alten Oldies ist mein Fitness-Studio“, sagt die Frau aus Lietzow.

Sie unterstützt häufig das Team von Volker Barthmann, das mit zwei Hanomags im Südosten der größten deutschen Insel – auf dem Mönchgut – unterwegs ist. Der Chef selbst sitzt im Cockpit des Führungsfahrzeugs.

Der Name Hanomag steht für Hannoversche Maschinenbau AG – den Hersteller dieser speziell für Polizeieinsätze entwickelten Gruppentransporter. 1992 erwarb der Wahl-Sassnitzer Barthmann (53) den ersten der sechs Meter langen Wagen. Aktuell sind zehn seiner Gefährte vorrangig auf Rügen auf Safari-Tour.

Die 2,50 Meter hohen, mit Planen überspannten Autos rollen auf das Reddevitzer Höft. Rechts der vier Kilometer langen Landzunge erstreckt sich die Having, links die Hagensche Wiek. Reetgedeckte Häuser, gepflegte Grundstücke, von der Sonne verwöhnte Getreidefelder sowie die Blau- und Grüntöne des Wassers ergeben ein tolles Farbenspiel. „Das Reddevitzer Gebiet verkaufte Fürst Jaromar II. von Rügen im Jahr 1252 an das bei Greifswald gelegene Zisterzienserkloster Eldena“, sagt Beate Reimann. Fischerei und Landwirtschaft dominierten. Gut 100 Jahre später erwarben die Zisterzienser auch den anderen Teil der Halbinsel.

Der Mönchgutgraben trennte den Hauptteil Rügens von seinem südlichsten Zipfel. Das 2002 errichtete Mönchgut-Tor am Eingang des Ostseebades Baabe symbolisiert den einst einzigen Übergang. „Es entwickelten sich eigene Regeln, etwa für Hochzeitswillige. Diese lebten mitunter eine Zeit zusammen, um zu prüfen, ob es eine zufriedene Ehe geben könnte“, berichtet die Ortskundige. Die Mönchguter sind noch heute stolz auf ihre Eigenständigkeit, beispielsweise trug man hier spezielle Trachten.

Stopp auf einem Waldparkplatz. Die Safari-Gäste wandern das letzte Stück zur Spitze des Reddevitzer Höfts. Am Strand bietet sich ein schöner Blick auf die im Rügischen Bodden gelegene Insel Vilm.

Das vor der Wende der DDR-Staatsführung vorbehaltene Eiland gehört zu einem Naturschutzgebiet. Die Zahl der Tagesbesucher ist auf 30 begrenzt.

Bartmann serviert selbst gemachten Sanddorn-Likör. „Ich habe mich in die Insel verliebt. Mit den Hanomags möchte ich abseits der Touristenpfade unbekanntere Ecken Rügens zeigen“, erklärt er den zwölf Teilnehmern.

Darunter ist Henning Bock (51). Er genießt das Panorama. „Ich bin von der Tour hellauf begeistert“, so der Oldtimerfreund aus Alfeld bei Hannover. Auch Britta Bannasch-Kleff macht klar, dass sie Rügen wieder besuchen wird. Im Hafen von Gager lässt sich die aus Verden bei Bremen stammende 46-Jährige zur Mittagszeit den von den Tour-Leitern gereichten Erbseneintopf schmecken. Dabei schweift ihr Blick über die bis zu 66 Meter hohen Zickerschen Berge. „Im Oldtimer unterwegs zu sein, ist individueller als eine Bus-Tour“, meint sie.

Dann blubbern die Diesel wieder. Über Groß Zicker und Thiessow geht es Richtung Klein Zicker. Es folgt eine Wanderung auf den 38 Meter hohen Zickerschen Berg. Dort oben erinnert ein Tafel an die Pläne der Schweden, um 1800 am Zicker See einen Hafenort namens Gustavia zu bauen. Er sollte neben militärischen Objekten unter anderem eine Werft und ein Theater umfassen. Die Besetzung Rügens durch französische Truppen im Jahre 1807 vereitelte die Pläne.

„Auch für Einheimische hält die Safari Neues bereit“, sagt Christin Hortmann. „Ich kannte zum Beispiel Klein Zicker nicht“, erklärt die 28-jährige Binzerin. Sie schaut auf Surfer, die auf der Ostsee vor Thiessow üben. Die Hanomags rollen heimwärts.

Volker Penne

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Sommermagazin
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.