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Sonntag-Marsch zur Volkswerft geplant

Stralsund Sonntag-Marsch zur Volkswerft geplant

300 Stralsunder kamen zum 15. Friedensgebet in die Marienkirche. Zweifel an der Kompetenz der verantwortlichen Akteure aus Wirtschaft und Politik werden lauter.

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Die Teilnehmer des Friedensgebets für die Rettung der Volkswerft zündeten Kerzen an und schrieben ihre Wünsche und Hoffnungen auf kleine Zettel, die sie an die „Klagemauer“ hefteten.

Quelle: Fotos: Christian Rödel

Stralsund. Friedel Erdmann wusste genau, warum er am Montagabend zum 15. Friedensgebet für den Erhalt der Volkswerft in die Marienkirche gekommen war. „Ich leide mit meinen ehemaligen Kollegen mit, und deshalb will ich meine Solidarität mit ihnen bekunden“, sagte der 64-jährige ehemalige Meister, der von 1966 bis 2010 in dem traditionsreichen Schiffbaubetrieb gearbeitet hat und bis zuletzt viele junge Facharbeiter unter seinen Fittichen gehabt hatte.

Einer der jungen und jetzt arbeitslosen Volkswerft-Mitarbeiter ist der 26-jährige Schweißer Michael Friese, der sich vor kurzem auf seinen rechten Unterarm ein Tatoo stechen ließ, das da symbolisch lautet: Die Hoffnung stirbt zuletzt. „Es ist bitter, was hier gerade abläuft, und es wäre schlecht, wenn immer mehr junge Leute wegen fehlender Jobs die Region verlassen“, so der Hansestädter.

Trotz des Dauerregens am Montagabend waren etwa 300 Menschen in die Kirche gekommen — unter ihnen auffallend viele Vertreter aus der Politik, so etwa Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und Landrat Ralf Drescher (CDU).

„Pastor Christoph Lehnert bekannte: „Ich kann nicht mehr ruhig schlafen, seitdem ich weiß, dass 1000 Werftarbeiter nun wirklich arbeitslos sind.“ Kritik und Schuldzuweisungen waren bei bisherigen Friedensgebeten eher nicht zu hören gewesen. Am Montag jedoch ließ Pfarrer Oliver Stabenow aus Kiel, der in der Nordkirche für die Arbeitswelt zuständig ist, dann doch leise Zweifel an der Kompetenz der Verantwortlichen aufkommen. „Wo ist eigentlich ein Plan B, der zum Einsatz kommt, wenn sich kein Investor findet?“, wollte der Geistliche wissen. Er fügte hinzu, dass es erlaubt sein muss, nach Alternativen zu fragen. „Die Zukunft ist nicht mit Brettern vernagelt, eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell ", meinte Stabenow salomonisch und meinte damit, dass Gläubiger, Werft und Kommune an einem Strang ziehen sollten.

Oberbürgermeister Alexander Badrow nahm den Ball auf und stellte klar, dass Hansestadt und Landkreis sich aus rechtlichen Gründen nicht an der finanziellen Rettung von Unternehmen beteiligen dürfen.

„Mir geht es momentan wirklich schlecht, und die Situation auf der Volkswerft lähmt uns in der täglichen Arbeit“, beschrieb Badrow seine Gefühle. „Wir haben leider keinen Joker in der Hinterhand, und trotzdem hoffen wir alle auf einen Durchbruch“, meinte der OB und wirkte hilflos dabei. Landrat Ralf Drescher zeigte Verständnis für die arbeitslos geworden Werftarbeiter, die sich wegen schier ausweglosen Situation für einen Weggang aus der Region entscheiden, um ihre Familien zu ernähren. Der evangelische Pastor Christoph Lehnert und sein katholischer Amtsbruder Andreas Sommer riefen zum Schluss des Friedensgebets auf, sich am kommenden Sonntag um 11 Uhr an der Heiliggeistkirche zu treffen. Von hier aus soll sich ein Marsch mit möglichst vielen Teilnehmern und Kerzenlichtern in Richtung Werft-Tor bewegen.

 

Christian Rödel

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