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Bad Doberan 241 Millionen: Rostock baut Sanierungsstau bei Gebäuden ab
Mecklenburg Bad Doberan 241 Millionen: Rostock baut Sanierungsstau bei Gebäuden ab
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00:00 22.03.2014
68,2 Millionen Euro für die Schulen: Schulleiter Susanne Preiss (55, r.) und Sabine Regenbrecht (54) warten aufs neue Gymnasium Reutershagen.

Bebauung Nordkante, Multifunktionsgebäude im Stadthafen, ein Theater, Rathaus-Anbau oder Neubau einer Stadthalle auf dem Iga-Gelände — Wünsche gibt es viele in Rostock.

Moment, sagt Sigrid Hecht. „Wir müssen auch erhalten, was wir haben.“ Als Leiterin des Kommunalen Eigenbetriebs (KOE) ist sie seit Jahresbeginn für alle städtischen Gebäude verantwortlich. Jetzt legt der KOE erstmals eine Zustandsbeschreibung vor: Der Sanierungsstau liegt bei 241 Millionen Euro.

Diese Summe will der KOE in den nächsten fünf Jahren in Schulen, Sportanlagen, Kindertagesstätten, Museen und Feuerwachen investieren. Finanziert durch Eigenkapital, Geld aus dem städtischen Haushalt, Fördermitteln, Mieteinnahmen und Krediten. Mit Ausnahme der Schulsanierung gab es in den vergangenen Jahren keine wirklichen Konzepte, stellt Sigrid Hecht fest. Wenn nicht kontinuierlich Geld für die Unterhaltung ausgeben werde, steigen eben die Kosten für die Sanierung, so Hecht.

„Alles alte Sünden, der Sanierungsstau ist nicht in den letzten zwei Jahren entstanden“, sagt die KOE-Chefin und nennt als ihr Lieblingsbeispiel den Wasserturm, der seit Jahren verfällt oder die Feuerwache in der Südstadt, in deren Sanierung jetzt stolze 19 Millionen Euro gesteckt werden müssen. Bei den Kitas in städtischen Gebäuden werde „eine Aufholjagd“ gestartet — immerhin 39 Millionen Euro sind nötig, um die Gebäude in Schuss zu bringen. Sieben Einrichtungen stehen in diesem Jahr auf der Liste. Die Kosten: 15 Millionen Euro.

Wichtig sei, sagt Sigrid Hecht, dass Konzepte aus den einzelnen Fachbereichen kommen, ob Gebäude langfristig gebraucht werden. „Damit wir nicht unnötig Geld ausgeben.“ So sind unter den sieben noch unsanierten Schulgebäude vier, die abgerissen werden, wo zuletzt nur noch das Nötigste gemacht wurde. So in Berufsschulen, die durch den Neubau an der Jägerbäk überflüssig werden. Oder im Gebäude des Gymnasiums Reutershagen, wo zuletzt sogar Eltern und Schüler zum Pinsel griffen. Mit der Fertigstellung der neuen Energie-Plus-Schule, die sich für Hecht bedauerlicherweise immer wieder verzögerte, wird der alte Schulbau abgerissen. „Wir müssen Prioritäten setzen“, sagt Sigrid Hecht.

Das werde für alle Kommunen im Land immer wichtiger, weil zukünftig weniger Geld zur Verfügung steht, betont Thomas Deiters vom Städte- und Gemeindetag MV. „Wir haben einen großen Investitionsstau bei der Infrastruktur im Land.“ Konkrete Zahlen erhofft er sich, wenn mit den Eröffnungsbilanzen in den Gemeinden auch der Wert der Gebäude beschrieben ist. „Oft hat das Geld für den Erhalt gefehlt.

Es werde eine spannende Frage, welche Standards in der Infrastruktur die Kommunen sich zukünftig noch leisten können.“ Rostock sei in einer vergleichsweise guten Lage, weil laut Prognosen sowohl Einwohnerzahl als auch Wirtschaftskraft steigen.

Angesichts des Rostocker Sanierungsstaus von 241 Millionen Euro, stellt sich für Steffen Bockhahn (Linke), Vorsitzender des Finanzausschusses, eine entscheidende Frage: „Was ist notwendig?“ Ist der Idealzustand erforderlich, sind Dinge sofort zu erledigen? „Das müssen wir uns in jedem Einzelfall anschauen.“ Die vom KOE vorgelegten Zahlen zeigen Bockhahn, dass wegen der Haushaltslage viele notwendige Investitionen in Gebäuden nicht getätigt werden konnten.

Es war aus Bockhahns Sicht 2001 eine gute Entscheidung der Bürgerschaft, die Schulsanierung ganz nach oben zu stellen. 218 Millionen Euro wurde bisher ausgegeben. Wenn der KOE jetzt erklärt, dass weitere 68,2 Millionen nötig sind, dann soll das auch so bleiben. Auch Frank Giesen (CDU), der dem Bauausschuss vorsteht, sieht Vorrang bei Schulen, Kindertagesstätten und bei einem Theater-Neubau.

Vieles andere wie ein Multifunktionsgebäude im Stadthafen oder eine neue Stadthalle im Iga-Park könne sich Rostock nicht leisten. „Wir werden uns von einigen Wünschen verabschieden müssen“, sagt Giesen. Das Thema Stadthalle sieht Steffen Bockhahn etwas anders. „Wir müssen genau schauen, ob es auf Dauer nicht billiger ist, etwas Neues zu bauen.“ Sigrid Hecht hat zunächst den Erhalt des Bestehenden wie das ehemalige Schifffahrtsmuseum oder den Wasserturm im Blick. Dann könne immer noch überlegt werden, was oben drauf geht.

Städtischer Eigenbetrieb verwaltet 385 Objekte

385 Objekte auf 245 Grundstücken betreut der Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE). Die Übertragung durch die Stadt ist seit Anfang 2014 abgeschlossen. Insgesamt betreut der KOE 788 Mietverträge sowie 1600 Dienstleistungs- und 750 Wartungsverträge.
241 Millionen Euro müssen nach dem aktuellen Stand laut KOE in den kommenden fünf Jahren in Sanierung, Instandsetzung und Neubau investiert werden. Dazu sind Fördermittel in Höhe von 40 Millionen und Kredite von 150 Millionen Euro eingeplant. Teilweise, wie bei den Kitas, erfolgt die Refinanzierung durch langfristige Mietverträge.

7 Kindertagesstätten werden in diesem Jahr mit einem Gesamtvolumen von 15 Millionen Euro saniert. Insgesamt sind 39 Millionen Euro für die städtischen Kita-Gebäude notwendig. 68, 2 Millionen Euro beträgt laut KOE der Investitionsstau bei Schulen und Sportstätten, auf den Bereich Museen entfallen 12,8 und auf die Feuerwachen 27 Millionen Euro.



Thomas Niebuhr

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