Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan 60 Millionen Euro für die Holzhalbinsel?
Mecklenburg Bad Doberan 60 Millionen Euro für die Holzhalbinsel?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 28.03.2018
Rostock

Die Sanierung der abgesackten Straßen und Wege auf der Holzhalbinsel wird für die Stadt wohl deutlich teurer, als alle Beteiligten befürchtet hatten. Hinter vorgehaltener Hand macht bereits eine Zahl von 60 Millionen Euro die Runde. Offiziell wird diese Summe aus dem Rathaus jedoch nicht bestätigt und als „viel zu hoch“ bezeichnet. Von Millionen-Kosten sprach Heiko Tiburtius als Leiter des Amts für Verkehrsanlagen kürzlich im Bauausschuss dennoch.

Die Absackungen von Straßen und Gehwegen auf der Holzhalbinsel sind auch mit bloßem Auge deutlich zu erkennen. Die Beseitigung der Schäden wird die Stadt Millionen kosten. FOTOS (2): OVE ARSCHOLL

Eine exakte Messung an den ausgewählten Stellen erfolgt ein- bis zweimal jährlich.Ulrich Kunze Stadtsprecher

2009 Übernahme durch Stadt

Noch gibt es keinen Zeitplan, wann die Schäden in dem Vorzeige-Baugebiet beseitigt werden. Fast genau vor einem Jahr berichtete die OSTSEE-ZEITUNG über abgesackte Gehwege und Straßen. Um bis zu 60 Zentimeter hatte der Boden an einigen Stellen nachgegeben. Die Holzhalbinsel, Anfang des 20. Jahrhunderts künstlich aufgeschüttet, war ab 2005 erschlossen worden – von der städtischen Wohnungsgesellschaft Wiro und der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS). Im Jahr 2009 übernahm die Hansestadt dann sämtliche Wege und Straßen.

Schäden seit Jahren bekannt

Schon zu diesem Zeitpunkt fielen die ersten Setzungen auf. Absätze zwischen Gebäuden und Gehwegen oder tiefe Pfützen auf den Straßen machen die Probleme deutlich sichtbar. Am Einkaufszentrum werden Höhenunterschiede mit Holzkonstruktionen ausgeglichen. „Es muss etwas passieren. Es ist schon merkwürdig, dass das so lange dauert“, sagt der Bauausschussvorsitzende Frank Giesen (CDU) fast zehn Jahre, nachdem die Probleme entdeckt wurden. Er fürchtet über kurz oder lang weitere Schäden. „Eine Gefährdung von und an Gebäuden ist nicht bekannt und auszuschließen, da diese tief gegründet und somit standfest sind“, sagt Rathaussprecher Ulrich Kunze. Absackungen an Gebäuden schloss auch die Wiro in der Vergangenheit immer aus.

Wiro sorgt sich um Leitungen

Es sei aber ein „Wunder“, dass alle Leitungen noch funktionieren, hatte Christian Urban, Technischer Geschäftsführer der Wiro, im Bauausschuss vor einigen Wochen erklärt. „Ob und inwieweit Gefährdungspotenzial bei den Ver- und Entsorgungsleitungen besteht, kann nur vage beurteilt werden“, schreibt die Stadt auf Anfrage. Bereits dort wohnende Mieter und Eigentümer und künftige Mieter und Eigentümer seien jedoch in keiner Weise gefährdet. „Für die Wohnhäuser des Inselquartiers haben wir bei allen Anschlüssen an die Versorgungsnetze baulich Vorsorge getroffen, ebenso an Einfahrten und Zugängen“, sagt Wiro-Sprecher Carsten Klehn. Die Kontrolle der Leitungen und Netze sei Aufgabe der Versorger.

Messungen nur einmal jährlich

Größere Absenkungen wurden in jüngster Vergangenheit laut Stadt nicht beobachtet. Im Bereich eines neuen Kreisels sei es aber zu Senkungen gekommen, erklärt Heiko Tiburtius. Die Straßenaufsicht kontrolliere die Verkehrsanlagen monatlich auf besondere Schäden mit Blick auf Funktionalität und Verkehrssicherheit. Aber: Die „exakte Messung der Setzungspegel an signifikant ausgewählten Stellen“

erfolge laut Rathaus nur ein- bis zweimal pro Jahr. „Bautechnologisch kompliziert“ nennt Heiko Tiburtius die Sanierung. Es werde wohl eine neue Gründung erforderlich. Wann Bewohner und Geschäftsleute damit rechnen können, steht noch nicht fest. Eine technische Lösung und einen Fahrplan können aber nur gemeinsam mit allen Anliegern und Versorgern erarbeitet werden, teilt die Wiro mit.

Schuldfrage ist zu klären

Grundsätzlich ist erst einmal die Stadt für die Straßen und Gehwege, also auch für die Sanierung, zuständig. „Inwieweit mögliche Rechtsansprüche gegenüber Dritten bestehen könnten, wird derzeit geprüft“, erklärt Ulrich Kunze. Ein Grund, warum auf der Holzhalbinsel lange nichts passiert ist, vermutet Frank Giesen. Konkrete Antworten möchte er als Ausschussvorsitzender dennoch haben. Dann möchte er auch wissen, ob Fehler bei der Planung oder bei der Ausführung die Probleme verursachten. „Um diese Frage zu beantworten, erfolgen derzeit umfangreiche Recherchen und Untersuchungen“, teilt Ulrich Kunze mit. „Alle Beteiligten haben sich am Ende der Planungsphase für diese technische Lösung entschieden. Und diese wurde nach der erteilten Baugenehmigung auch umgesetzt“, erläutert Carsten Klehn.

Halbinsel entstand Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Holzhalbinsel gibt es erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Warnow wurde von 1911 bis 1913 nach Osten verlegt. Die alte hölzerne Klappbrücke wurde 1915 entfernt und die etwa 50 Meter breite Warnow an dieser Stelle zugeschüttet. Es entstanden der Petridamm und eine 18 Meter breite Straßenklappbrücke. Der Name der Holzhalbinsel kommt daher, dass sie für Holzlagerung und -handel genutzt wurde. Durch Bombenabwürfe 1942 brannten die Gebäude ab. Danach wurde das Gelände bis 1945 mit Bauschutt aufgefüllt. Nach 1948 wurde wieder Holz gehandelt. Das bekannteste Unternehmen auf dem Areal war die Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei (BBB). Ab 1970 wurde ein Leistungszentrum für Kanusport gebaut. Seit 1920 waren Holzhandelsfirmen tätig gewesen. Der ab 1975 auf diesen Flächen tätige VEB Holzhandel wurde 1991 in die Hanseholz GmbH umgewandelt. Die Holzhalbinsel-RGS-Wiro GbR aus Wohnungs- und Sanierungsgesellschaft kaufte 1996 die Grundstücke.

Thomas Niebuhr

Mehr zum Thema

Gemeindevertreter beschlossen Haushaltsplan für das laufende Jahr / Hundesteuer rückwirkend erhöht

26.01.2018

Amtsausschuss spricht über mögliche Vorgehensweise / Ahrenshoop kritisiert angebliche Untätigkeit

27.01.2018

Rostocker sollen ihre Ideen einbringen / Einige Brennpunkte seit 2014 entschärft

28.03.2018

Verbandsliga-Handballerinnen gewinnen das Lokalderby gegen den SV Warnemünde II mit 24:17 / Trainer Römer freut sich über Verstärkung

30.01.2018

Wie beantrage ich eine Altersrente oder Erwerbsminderungsrente, wie hoch wird meine Rente einmal sein?

30.01.2018

Jazz aus Rostock mit Cleemann, Jessat, Jelen und Stein

30.01.2018
Anzeige