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Bad Doberan 85 Jahre im Dienst - Molli-Loks sind unverwüstlich
Mecklenburg Bad Doberan 85 Jahre im Dienst - Molli-Loks sind unverwüstlich
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10:05 12.01.2018
Drei Orenstein & Koppel-Loks mit dem Baujahr 1932 – hier die 99 2322-8 – bilden das Rückgrat des Molli-Lok-Parks. 2009 kam der Nachbau einer solchen Lok dazu. Komplettiert wird der Park durch eine kleinere Dampflok, die früher im Bergbau im Einsatz war. Quelle: Jan Methling
Kühlungsborn

85 Jahre ununterbrochen im Einsatz – und noch immer so fit wie am Tag der Inbetriebnahme: Die Rede ist von den drei Lokomotiven der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli mit den Nummern 99 2321-0, 99 2322-8 und 99 2323-6. Gebaut wurden sie im Auftrag der Deutschen Reichsbahn bereits 1932 im Berliner Werk des Lokomotiven- und Maschinen-Herstellers Orenstein & Koppel. „Bis Anfang Februar 1933 erfolgte schrittweise die Endabnahme der drei Loks und ihre Inbetriebnahme auf unserer Strecke.

Die 99 2321-0 war zuerst an der Reihe – am 5. Januar 1933“, berichtet Jan Methling, stellvertretender Eisenbahnbetriebsleiter der Bäderbahn Molli und einer besten Kenner der Molli-Geschichte.

Die drei Loks sind bis heute unter den Kleinbahn-Dampfloks in Deutschland mit ihrem vergleichsweise großen Raddurchmesser von 1100 Millimetern Unikate. „Die großen Treibräder und die 460 PS Maschinenleistung ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Das ist bis heute Rekord unter den deutschen Kleinbahn-Dampfloks“, so Methling. Der noch auf einen anderen technischen Aspekt des großen Raddurchmessers verweist: Große Räder müssten weniger drehen als kleine, um eine bestimmte Geschwindigkeit zu erreichen. Das schone die Radlager. So etwas mache aber nur Sinn auf einer Flachlandstrecke, da es sich mit kleinen Rädern besser klettern lasse.

„Die drei Loks wurden von Orenstein & Koppel extra für unsere Strecke zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn West – damals noch Ostseebad Arendsee – konzipiert“, stellt er fest. Warum es 1932/33 zur Neuanschaffung von gleich drei neuen Loks gekommen sei – darüber gebe es nur Vermutungen. Im Gegenzug seien drei Loks des Herstellers Henschel von 1911-14 ausgemustert worden, die erheblich weniger Leistung hatten und mit 30 km/h Höchstgeschwindigkeit deutlich langsamer waren.

„1932/33 war die Weltwirtschaftskrise in Deutschland am Abflauen, die Wirtschaft begann sich zu erholen. Die Leute fuhren wieder mehr in den Urlaub – damals fast ausschließlich mit der Eisenbahn“, so Methling. Hieß: Plötzlich standen sehr viel mehr Leute auf den Bahnsteigen. Das Ein- und Aussteigen dauerte dadurch länger. Der Fahrplan geriet unter Druck. „Das konnte, wollte man die Fahrplan-Taktung erhalten, nur durch eine etwas höhere Geschwindigkeit der Züge ausgeglichen werden“, erklärt Methling.

Die 50 km/h Höchstgeschwindigkeit werden zwar bis heute im Zugverkehr nicht ausgefahren. „Aber 40 km/h sind es schon, und das machte zu den Vorgänger-Loks doch einen Unterschied.“

69 000 Reichsmark kostete eine Lok damals in der Anschaffung. Eine Umrechnung in heutige Währung ist schwierig, kann sich nur an der damaligen Kaufkraft einer Reichsmark orientieren. Nach Recherchen in einschlägigen Internet-Foren wären das knapp 460 000 Euro. 2,5 Millionen Euro investierte die Bäderbahn Molli 2008/09 in den Nachbau einer Orenstein & Koppel-Lok von 1932 im Dampflok-Werk Meiningen.

Viele Originalteile gebe es allerdings nicht mehr an den Loks mit dem Baujahr 1932. Alle drei bis vier Jahre sei die große Kesselinspektion an der Reihe, alle sechs bis acht Jahre werden die Loks im Dampflok-Werk Meiningen komplett zerlegt, alle Teile werden geprüft und bei Bedarf aufgearbeitet und erneuert.

Im normalen Betrieb werde eine Lok 28 Tage ununterbrochen unter Dampf gehalten, dann erfolge in der Werkstatt auf dem Bahnhof Bad Doberan durch Molli-Techniker das große Kesselauswaschen, und auch kleine Wartungs- und Reparaturarbeiten werden dort erledigt. Wie viele Kilometer die drei Loks bereits gelaufen sind – auch das kann nur geschätzt werden. Methling beziffert die wahrscheinliche Laufleistung pro Lok auf 2 Millionen bis 2,5 Millionen Kilometer, und er ist sich sicher: „Da kommt noch viel dazu.“

Lutz Werner

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