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Bad Doberan Krankenpfleger aus Leidenschaft
Mecklenburg Bad Doberan Krankenpfleger aus Leidenschaft
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06:00 11.01.2019
Andreas Callies mit seinem Patienten Günther Behm.  Quelle: Anke Kisters
Kühlungsborn

Leidenschaft, Empathie und großer Einsatz – das zeichnet Andreas Callies aus. Er betreibt mit Cordula Matzek einen Pflegedienst in Kühlungsborn. Dabei liegt ihm das Wohl der Patienten besonders am Herzen. „Meine Passion ist mein Beruf. Ich kann nicht ,nein’ sagen, weil Patienten versorgt werden müssen“, erklärt Andreas Callies, der sich 1995 als Krankenpfleger selbstständig machte. Zusammen mit Cordula Matzek, die zuvor ebenfalls selbstständig war, gründete er 2002 den Pflegedienst.

Dass aus ihm ein examinierter Krankenpfleger wurde, verdankt Callies dem Vorschlag einer Klassenkameradin. „Ich machte in der 10. Klasse meinen Abschluss und wusste nicht, was ich werden sollte. Eine damalige Schulkameradin in Dessau sagte zu mir, dass Krankenpfleger genau das Richtige für mich sei“, erinnert er sich. Damals musste man dafür eine medizinische Fachausbildung auf der medizinischen Fachschule absolvieren – es gab viele Krankenschwestern, doch nur sehr wenige Pfleger.

Als Pfleger auf Helgoland tätig

Die Eltern von Andreas Callies betrieben in Dessau eine Bäckerei – nach dem Umzug an die Ostsee im Jahr 1978 übernahmen sie eine Bäckerei in Kühlungsborn. „Wir kamen aus der Nähe von Schönberg und wollten auch wieder in den Norden“, erzählt Callies. Im Alter von 16 Jahren begann er dreijährige Ausbildung an der medizinischen Fachschule in Rostock. Später ging er ins Internat nach Ribnitz, der Außenstelle der Fachschule. Im Kühlungsborner Krankenhaus durchlief er einige Abteilungen wie Chirurgie und OP, bevor Andreas Callies zur Armee musste. Es folgte erneut eine Krankenpflegertätigkeit in der Chirurgie – nach der Wende sogar als Stationsleiter.

Zwei Jahre lang (1993-1995) war er auf Helgoland als Pfleger tätig. „Dort erfuhr ich, dass man sich mit Beginn der Pflegeversicherung selbstständig machen kann“, erklärt er. Callies ging daraufhin zurück nach Kühlungsborn. „Anfangs war es nicht leicht, da alles für Patienten und Ärzte neu war. Im Verlauf der Jahre entwickelte sich aber eine tolle Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Kliniken“, sagt Callies. Als Selbstständiger machte er eine einjährige Pflegedienstleiterausbildung. „Durch den glücklichen Umstand, dass Cordula Matzek und ich mit unseren selbstständigen Tätigkeiten fusionierten, hatten wir auch mehr Mitarbeiter und die Zahl der Patienten stieg parallel.“ Callies sagt, er sehe sich nicht nur als Dienstleister, sondern habe eine besondere Empathie zu seiner Arbeit. Heutzutage sei Freizeit für die meisten viel wichtiger geworden. „Ich bin Krankenpfleger, das ist eine Emotionssache. Man muss in einem Ort einen guten Leumund haben. Ich pflege jetzt schon Familien, in denen die nächste Generation bereits von mir betreut wird. Das ist ein gutes Gefühl.“ Durch die Bäckerei seiner Eltern, seine Arbeit im Krankenhaus und seine Selbstständigkeit sei Andreas Callies vielen bekannt – und das auch generationsübergreifend.

Günther Behm wird aufgrund seiner Demenz von Andreas Callies betreut. „Mit Herrn Callies geht’s alles besser. Man kennt und vertraut sich“, sagt der 86-Jährige. „Wenn man die Pflege macht und selbst aus dem Ort kommt, hat man viele gemeinsame Gesprächsthemen“, erwidert Andreas Callies.

Die Serie

In der Serie „Die Macher der Region“ stellt die OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan Menschen vor, die zwischen Rerik, Ostseebad Nienhagen, Bargeshagen und Satow etwas bewegen. Menschen, die die Region mitgestalten, lebenswert machen und repräsentieren. Kennen Sie, liebe Leser, so einen Menschen? Dann freuen wir uns, wenn Sie sich bei uns melden – unter bad-doberan@ostsee-zeitung.de oder unter 03 82 03 / 5 53 02.

Der Pflegedienst betreut nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Demenz-Urlaubsgruppen über mehrere Tage sowie pflegebedürftige Urlaubsgäste. Cordula Matzek kümmere sich um das Qualitätsmanagement, Andreas Callies um die Administration. „Wir haben zur Zeit 160 Patienten. Normalerweise müsste ich Personal einstellen, aber es ist schwierig, ausgebildete Fachkräfte zu finden. Ich sehe es als eine meiner wichtigen Aufgaben an, dass ich mich um Patienten kümmere, die ich jahrelang kenne und bei denen das Leben zu Ende geht. Ich versuche, den Angehörigen die Angst zu nehmen, begleite sie und bin da. Ich gehe auch zu den Beerdigungen unserer Patienten. Das ist für mich ein ,Abschluss’“, erklärt der passionierte Krankenpfleger.

Kosten bleibt bei Pflegediensten

Der Politik könne er nicht folgen, da das Verhältnis West und Ost, was die Punktwerte betreffe, ungleich sei. Die Pfleger wollten wegen geringerer Bezahlung nicht hierher ziehen. Ferner bilde der Staat nicht mehr aus und überlasse auch diese Kosten den Pflegediensten, moniert Andreas Callies. Wie gut ein Pflegedienst sei, könne jeder auf einer Punkteskala nachlesen, die von Gutachtern erstellt werde. „Durch die Einführung des Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) hat sich in der Pflege einiges verändert. Die Betreuung, zum Beispiel mit Patienten Eis essen, spazieren gehen, steht immer mehr im Mittelpunkt. Der Patient kann individueller entscheiden.“

Andreas Callies lebt allein. In seiner freien Zeit liest er gern: „Ich bin seit meiner Kindheit eine Leseratte.“ Er kenne Länder wie China und Kanada, aber mache auch gern Städtereisen. „Mir geht es gut, wenn ich abends nach Hause fahre und weiß, meinen Patienten geht es gut und im Pflegedienst läuft es rund!“

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Anke Kisters

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