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Bad Doberan Anwohner fordern Tempo 30 zurück
Mecklenburg Bad Doberan Anwohner fordern Tempo 30 zurück
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11:05 02.03.2018
In Hinter Bollhagen (Gemeinde Wittenbeck) bangen Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder, da diese auf dem Weg zum Schulbus die Dorfstraße nutzen müssen. Deshalb fordern die Anwohner ein Tempo-Limit von 30 km/h. Das Verkehrsamt ist dagegen. Quelle: Rolf Barkhorn
Wittenbeck-Vorder Bollhagen

Der Durchgangsverkehr - vor allem in den Sommermonaten - erregt die Gemüter bei den Anwohnern der Dorfstraße im Ortsteil Hinter Bollhagen. Denn die Straße ist hier gerade mal 3,50 Meter breit, sich begegnende Fahrzeuge müssen auf die schmalen Seitenränder, die sich meistens auf Privatgrundstücken befinden, ausweichen. Um zum Schulbus zu gelangen, müssen Schulkinder aber die Dorfstraße als Fußweg nehmen. Trotzdem drosseln nur wenige Autofahrer ihr Tempo. Maximal sind hier 50 Stundenkilometer erlaubt.

„Vor knapp zwei Jahren stand hier noch ein Tempo-30-Schild, da fühlten wir uns sicherer“, sagt Anwohnerin Andrea Pozorski, die wegen des geplanten Ausbaus des Campingplatztes an der Wittenbecker Steilküste eine drastische Zunahme des Verkehrs befürchtet. Denn die Durchfahrt an ihrem Haus vorbei ist für Fahrzeuge, die von der Autobahn kommend aus Richtung Bad Doberan anreisen, eine ideale Abkürzung, eingespart werden 1,2 Kilometer.

Warum wurde das alte Tempo 30-Schild entfernt?

Die alte Geschwindigkeitsbegrenzung war damals von Amts wegen durch die zuständige Verkehrsbehörde des ehemaligen Landkreises Bad Doberan angeordnet worden. „Warum wurde das Tempo-Limit wieder entfernt?“, wollte Lisa Marie Serowy wissen, die mit ihrer Familie ebenfalls in Hinter Bollhagen wohnt und mit der Verkehrsbehörde des Landkreises Rostock regen Schriftverkehr führte. Sie nutzte wie viele andere Bewohner die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung, um ihre Fragen an den Mann vom Amt zu bringen. Denn der amtierende Bürgermeister, Dirk Stübs, hatte zur Behandlung der Thematik den zuständigen Sachgebietsleiter der Kreisverwaltung, Lutz Freier, eingeladen.

Was der Gast den Anwohnern der Dorfstraße an dem Abend allerdings mitzuteilen hatte, zerstreute ihre Ängste und Sorgen nicht. Und so kam schon die Begründung für das Entfernen des Tempolimits nicht gut an. „Es ist richtig, dass der Landkreis Bad Doberan Tempo 30 angeordnet hat. Für diese Anordnung aber fehlte die Begründung“, argumentierte der Sachgebietsleiter und warb dafür, eine Überschilderung zu vermeiden.

Verkehrsbehörde erkennt keine Gefahrenlage

Und nach seiner Auffassung würden die von den Bürgern vorgetragenen Argumente auch nicht ausreichen, um ein neues Tempolimit von 30 km/h zu begründen. Eine Gefährdung sei nicht erkennbar, allein die Tatsache, dass Kinder dort wohnten, sei nicht ausreichend. Eine Unfallhäufigkeit läge ebenfalls nicht vor. Freier verwies darauf, dass eine Verkehrszählung im vergangenen Jahr einen Durchschnitt von gerade mal 299 Fahrzeugen am Tag ergeben hätte. Dem entgegneten die Anwohner, dass diese Zählung im Mai, außerhalb der Hauptstoßzeit und außerhalb der Ortschaft, erfolgt sei. Denn im Sommer sei das Verkehrsaufkommen wesentlich höher.

Anwohner fordern neuen Ansatz

In ihrem Schreiben an den Landkreis berichtete Lisa Marie Serowy von bis zu 15 Wohnwagengespannen in der Stunde und forderte nicht nur eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h, sondern auch ein Durchfahrtsverbot für Wohnmobile und Wohnwagen.

In der Gemeinderatssitzung empfahl Matthias Wißotzki dem Behördenmitarbeiter, nicht mit der Fragestellung „Warum Tempo 30?“, sondern mit der Frage „Warum muss Tempo 50 sein?“ heranzugehen. Eine Gefährdung ergebe sich seiner Meinung nach schon allein dadurch, dass die Kinder die Straße als Schulweg nutzen müssen.

Alternative Lösungsansätze diskutiert

Auch andere Lösungsansätze wurden an dem Abend diskutiert. So brachte Lutz Freier eine mögliche Teileinziehung der Straße ins Gespräch, mit der sich die Funktion für den Durchgangsverkehr aber dann auch für die Bürger der Gemeinde erledigt hätte. Weiterhin schlug der Sachgebietsleiter den Bau eines Gehweges vor, stieß damit bei Anwohnern und Gemeindevertretern aber auf Ablehnung. Zum einen müssten für ein solches Vorhaben mehrere  Straßenbäume, darunter eine besonders schützenswerte Korkeiche, gefällt werden und zum anderen ist die Gemeinde Wittenbeck derzeit pleite und könnte frühestens in zehn Jahren wieder solche Investitionen tätigen.

Auch das Argument des Wittenbeckers Kai Eppert, dass der Gesetzgeber in einer Novelle zur StVo  die Absenkung der Eingriffschwelle für Tempo-Limits vorsieht, überzeugte den Mitarbeiter der Behörde nicht. Immerhin schlug er zum Ende der Fragestunde vor, dass nochmal eine neue Verkehrszählung im Sommer erfolgen könnte. Noch nicht der große Wurf, aber zumindest ein kleiner Teilerfolg für die Bewohner der Dorfstraße im Ortsteil Hinter Bollhagen.

Rolf Barkhorn

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