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Bad Doberan Auf „Schatzsuche“ in Bargeshagen
Mecklenburg Bad Doberan Auf „Schatzsuche“ in Bargeshagen
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03:40 18.07.2013
Noch sind die Kultur- und Denkmalpfleger zugange — in der kommenden Woche soll die Erschließung des neuen Wohngebietes starten.
Bargeshagen

Seltsame kleine Krater, in akkuraten Winkeln ausgehoben, lange, silbern blinkende Nägel, fein säuberlich in den Boden geschlagen, rundherum riesige Sandberge — sind auf dem Areal an der Bargeshäger Tarnowstraße etwa kürzlich Außerirdische gelandet? „Wir führen hier nur Bodenuntersuchungen durch“, erklärt Lars Saalow, Dezernent beim Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege, und lacht. „Kein Grund zur Beunruhigung.“

Bevor die Erschließung für drei große Grundstücke im neuen Wohngebiet „Bargeshäger Hufe“ beginnen kann, wird dieser Tage jeder noch so kleine Stein umgedreht. Die Fachleute waren schon im Vorfeld der Arbeiten optimistisch, auf und unter dem historischen Grund und Boden fündig zu werden. „Bereits beim ersten Bauabschnitt im Jahr 2011 hat es hier Ausgrabungen gegeben“, macht Saalow deutlich.

„Damals traten tatsächlich Siedlungsreste der Spät-Bronzezeit zutage.“ Im Klartext: „Wir haben Gruben und eine sehr große Schöpfstelle aus der Zeit um 600 vor Christus entdeckt“, erinnert sich Grabungsleiterin Beate Heyn.

Diese Funde seien auch ausschlaggebend für die jetzigen Untersuchungen gewesen, sagt Lars Saalow: „Es war abzusehen, dass sich hier weitere Schätze befinden.“ Und tatsächlich: „Es ist ein Eisenverhüttungsplatz dazugekommen“, berichtet der 36-Jährige, schränkt aber gleichzeitig ein: „Dieser hat mit der Siedlung nichts zu tun.“

Es handele sich vielmehr um eine andere Nutzungsphase, erklärt Saalow: „Genau lässt es sich noch nicht definieren — aber erfahrungsgemäß können wir von einer Zeit zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert ausgehen.“ Um konkretere Angaben machen zu können, werden die mühevoll freigelegten Überreste ausgiebigen „C-14-Untersuchungen“ unterzogen, kündigt Saalow an: „So können wir die Zerfallszeit des Kohlenstoffs ermitteln und das Alter der damals in den Öfen verbrannten Bäume bestimmen.“

Um tatsächlich keinen historisch relevanten Fund zu übersehen, nahmen Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege in den vergangenen vier Wochen jeden Zentimeter Boden genauestens unter die Lupe. Dabei wurden die relevanten Punkte mit großen Nägeln fixiert — die exakte Ortung erfolgte via GPS-Sender. „Neben Ausbaggerungen haben wir an zwei Tagen auch selbst den Untergrund mit der Hand glattgezogen“, sagt Beate Heyn.

Aktuell klopfen und hämmern fleißige Helferlein unermüdlich die während der Jahrhunderte fest gewordene Verhüttungsschlacke locker. „An der Menge der Schlacke ist es möglich festzustellen, wie viel Roheisen hier gewonnen wurde“, erklärt Saalow.

Bis zum Ende der Woche sollen die Grabungen abgeschlossen sein. Dann kann es auf der „Bargeshäger Hufe“ mit der eigentlichen Erschließung losgehen. „Sämtliche Arbeiten sind selbstverständlich mit dem Bauherrn und dem Erschließungsträger abgestimmt“, stellt Lars Saalow klar. „Diese vier Wochen waren von vornherein im Terminplan verankert — es kommt zu keinerlei Bauverzögerungen.“

Mitte Mai hatten die Bargeshäger Gemeindevertreter grünes Licht für den zweiten Bauabschnitt an der Tarnowstraße gegeben (die OZ berichtete). Insgesamt drei große Grundstücke beinhaltet der Bebauungsplan Nr. 15 — im ersten Bauabschnitt waren hier 2011 bereits 21 Eigenheime entstanden. 1150 Quadratmeter groß müssen zwei Grundstücke laut Plan jeweils sein — eine weitere Auflage der Landesforstbehörde ist die Gestaltung eines stufigen Waldrandes mit einer Breite von etwa 20 Metern.

Geräte, Waffen und Werkzeuge aus Eisen
Die Anfänge der Eisenverhüttung sind noch wenig erforscht. Gewinnung von Eisen war für die Germanen der römischen Kaiserzeit (1. — 4. Jahrhundert n.

Chr.) von großer Bedeutung. Die wichtigsten Geräte, Waffen und Werkzeuge wurden aus Eisen hergestellt.

Die Spuren der Eisenverhüttung sind auf landwirtschaftlich genutzten Flächen durch eine Konzentration von blei- bis schwarzgrauen Eisenschlackenstücken gekennzeichnet. Als Rohstoff diente der verbreitet und reichhaltig vorkommende Raseneisenstein.

Lennart Plottke

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