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Bad Doberan Aus dem Dornröschenschlaf erweckt
Mecklenburg Bad Doberan Aus dem Dornröschenschlaf erweckt
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00:00 06.07.2018
Groß Siemen

Schmetterlinge tanzen auf Lavendel. Bienen umsurren Rosen. Libellen fliegen über den Teich, von dem aus eine Sichtachse zum Gutshaus führt. Das Gut Groß Siemen war einst eine Ritterburg. Das Hauptgebäude ist ein auf Feldsteinen ruhender, zweigeschossiger Backsteinbau von drei Achsen unter einem Walmdach, im Stil der Neorenaissance. Das, was jetzt so prachtvoll aussieht, übernahm Familie Schütte 2001 als heruntergekommenes Gutshaus aus dem Jahr 1890.

Edda und Dieter Schütte haben das Gutshaus in Groß Siemen saniert. Hier gastieren auch die Festspiele.

Die Serie

Jeden Freitag stellt die OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan in der Serie ein Dorf aus der Region vor. Wir erzählen Geschichten über Menschen, die dort leben, über Veränderungen, über die Sorgen der Einwohner.

Heute: Groß Siemen

Der Park lag zugewuchert und mit verschiedenen Kleingartenbauten im Dornröschenschlaf. Das Ehepaar Edda und Dieter Schütte entdeckte während einer Radtour mit den Kindern „auf dem Rücken“ das heute unter Denkmalschutz stehende alte Gutshaus in Groß Siemen. Doch das Gebäude wäre zu der Zeit nur zum Teil zu verkaufen gewesen. Zehn weitere Jahre dauerte es, bis die Schüttes das alte Haus erwerben konnten.

2001 begannen sie mit der Sanierung und zogen über den Jahreswechsel ein. Es gab zunächst keine Küche und keine Toiletten. „Vor den Fenstern waren blaue Müllsäcke. Es war eiskalt im Winter, die neue Holzvergaserheizung war nicht so einfach zu bedienen, wir besaßen keine Erfahrung“, sagt Edda Schütte. Es waren abenteuerliche und sehr anstrengende Zeiten für die Familie. Ein Jahr später hatten sie den größten Unrat, der sich dort angesammelt hatte, beseitigt. Doch der gesamte Umbau dauerte 16 Jahre.

Das komplette Dach wurde erneuert, verrottete Dielen ersetzt, das Feldsteinfundament gerichtet und verfugt, Elektrizität und Wasser von Grund auf neu eingebaut. Sie lebten lange auf kleinem Raum.

„Wir waren sehr naiv und haben dem damaligen Gutachten geglaubt. Trotzdem haben wir das nicht bereut“, sagt Edda Schütte. Vier Kinder haben die beiden „und die haben alle fleißig mitgeholfen“. Alles wurde einmal total umgekrempelt. „Wir machen das füreinander und stehen zu uns. Das ist das Schöne“, sagt die gebürtige Hamburgerin.

Edda Schütte und ihr Mann studierten Jura in Hamburg. Nach der Wende wollten sie neu in Bad Doberan durchstarten. „Wir lebten anfangs in Finnhütten in Börgerende und sind am Wochenende wieder nach Hamburg gefahren“, berichtet sie. Dann zog die kleine Familie – zwei Kinder waren schon da – unter das Dach des Pfarrhofes in Rethwisch. „Das war nicht zu heizen. Wir haben begonnen, überall nachzufragen, ob wir etwas Eigenes mieten können“, sagt sie. In Retschow stand das alte Pfarrhaus leer, dort zogen sie ein. Es scheint fast so, als hätte das Schicksal lieber Architekten und Gärtner aus ihnen machen wollen, denn auch dieses Haus sanierten sie, soweit es ihre Mittel zuließen und erweckten den Garten.

Ihr drittes und ihr viertes Kind kamen dort auf die Welt. Die Familie engagierte sich im Dorf, baute Netzwerke auf. Doch das Haus gehörte der Kirche, der Mietvertrag war auf Abruf, ohne Aussicht auf Langzeit. So zog die Familie erst einmal nach Bad Doberan, dann stand das Gutshaus plötzlich komplett zum Verkauf. „Wir sind wegen der Sanierung des Gutshauses ständig hin- und hergefahren“, erinnert sich Edda Schütte. Die Familie ist daran gewachsen. Edda Schütte lebt in Groß Siemen auch ihren Traum von einem Rosenpark. Jedes Jahr veranstaltet sie mehrere Rosenfeste und ein Konzert anlässlich der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2012 ist die auf dem Grundstück neu errichtete Orangerie, welche im Winter die Zitronen- und Orangenbäume, Oleander und Kamelien beherbergt, eine Festspielstätte. Sie wurde in Anlehnung an historische Orangerien gebaut und passt hervorragend in den Park.

Der Park mit seinem 200 Jahre alten Baumbestand umfasst knapp 30 Hektar. Doch nicht nur die schiere Größe des Landschaftsparks beeindruckt seine Besucher: In ihm blüht auch eine Sammlung von 3500 historischen und englischen Rosen. „Und alle duften“, sagt Edda Schütte.

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Ein Leben für die Feuerwehr

Die Feuerwache hat Ernst Gollan immer im Blick. Direkt von seinem Haus aus kann er darauf schauen. Ernst Gollan ist Urgestein der Freiwilligen Feuerwehr Groß Siemen, die seit einigen Jahren zu Kröpelin gehört. 1951 wurde er Kamerad, drei Jahre später Wehrführer – und blieb es bis zum 11. Januar 2002 als dienstältester Wehrführer des ehemaligen Kreises Bad Doberan. Heute ist er Ehrenmitglied.

„Das Gerätehaus ist auf meinem Mist gewachsen“, sagt der 81-Jährige, der den Bau initiierte. „100000 Stunden Eigenleistung haben wir da reingesteckt. Selbst gemacht, was eben ging.“ Damals hätte es auch eine starke Jugendwehr gegeben, heute gibt es dort keine mehr: „Die Feuerwehr wurde 1950 in Groß Siemen gegründet. Ich habe damals übernommen: drei Wassereimer. Das war der Anfang.“

Seit den 1950er Jahren liest Gollan täglich die OZ und hob einige für ihn wichtige Artikel über die Wehr auf.

Ernst Gollan ist mit seiner Inge seit 1964 glücklich verheiratet. Die beiden eint ein Schicksal: Mit neun Jahren flüchteten Ernst Gollan und seine Familie von Ostpreußen nach Mecklenburg. Seine Frau war erst vier Jahre alt, als sie aus Westpreußen nach Mecklenburg kam. Nach vielen Jahren besuchten sie ihre alte Heimat wieder und werden heute noch sehr emotional, wenn es um das Thema geht.

Inge Gollan lebte erst in Einhusen, nicht weit von Groß Siemen. Sie arbeitete früher als Haushaltshilfe im Pfarrhaus Ribnitz, dann vier Jahre in Doberan im Schwesternhaus, danach in Heiligendamm, immer in der Küche. Ernst Gollan begann 1953 als Siedler. Später arbeitete er in der LPG als Traktorist, nebenbei in seiner Wirtschaft. Die ehemalige Stellmacherei von 1949, in der sie leben, stockte das Ehepaar auf, um mehr Platz für seine drei Kinder zu haben. Einer der Söhne baute sich das Dach aus und lebt noch heute in Groß Siemen. Auch eine Tochter mit dem Enkel – und alle gehören der Feuerwehr an.

Vor dem Grundstück weist ein großer Findling auf Familiennamen und Hausnummer hin. „Den haben mir die Kinder zum 80. geschenkt“, sagt Gollan. Ringsherum wurden Rosen gepflanzt. Drei Schubkarren voller Dahlien und 100 Tomatenpflanzen setzte er jetzt in die Erde: „Der Garten ist unser Hobby.“ Ein Kartoffelfeld in Sichtweise haben sie auch noch: „Man muss sich bewegen, dann bleibt man gesund.“

Neben Garten und Landwirtschaft widmet sich Ernst Gollan auch seinen Fahrzeugen. Drei Trecker hat er, davon baute er einen selbst: „Der läuft sogar.“ Die Traktoren nutzt er zum Holzholen, manchmal leiht sich ein Enkel einen aus. Apropos: „Unsere Enkel wollten hier bauen – aber da führt kein Weg ran, sie dürfen nicht. Deshalb gehen leider alle jungen Leute von hier weg.“sah

Als Siedler im Dorf Fuß gefasst

Leider, so sagt Achim Schümann, stünden im Dorf einige Häuser leer – in Groß Siemen ist nicht mehr so viel los wie noch zu DDR-Zeiten. Seit 1953 lebt der heute 85-Jährige nun schon hier und kam im Zuge der damaligen Aktion „Industriearbeiter aufs Land“ in das Dorf. Früher hätte man sich mehr geholfen, gab es eine bessere Versorgung auf dem Land und einen Kindergarten. „Heute sind wir noch nicht mal mehr ein eigenes Dorf“, sagt er. „Viele ziehen lieber nach Satow, Doberan oder Kröpelin.“

Dennoch ist Achim Schümann glücklich in Groß Siemen. Er kam als Siedler hierher, um Land zu bewirtschaften. Heute nutzt er längst nicht mehr alles, sondern verpachtet. „Als die LPG eingeführt wurde, arbeitete ich dort als Traktorist, später war ich in der Werkstatt.“ Bis zur Rente gehörte er der Freiwilligen Feuerwehr Groß Siemen an. „Wir sind noch mit der Pferdekutsche und Feuerwehrspritze ausgerückt“, erinnert er sich an die Anfänge der Wehr.

Vorher lebte er in Neu Nantrow und war in Wismar auf der Werft tätig. „Meine Eltern besaßen eine Wirtschaft und wurden 1952 enteignet“, sagt Schümann. Drei Kinder und drei Enkel hat er. Eine Tochter lebt mit seinem Enkel mit im Haus in Groß Siemen – so kommt doch noch ein wenig Jugend ins Dorf.

Achim Schümanns Hobbys sind Tiere und die Landwirtschaft. Zwei Ponys – eines kam gerade erst neu hinzu und muss sich noch eingewöhnen – leben auf einer Weide gegenüber vom Haus. Manchmal werden sie an einen Wagen vorgespannt oder helfen bei der Landarbeit.

Rex, der schöne Bernhardiner, ist noch jung, aber er passt schon gut auf Haus und Hof auf und bellt, sobald sich ein Fremdling auch nur dem Zaun nähert. Dafür hat er viel Auslauf, denn die alten Siedlereien besitzen noch große Höfe.sah

Zahlen, Fakten, Lesestoff

1346 wird Groß Siemen erstmals erwähnt. Die Familien von Bülow, von Plessen und Maue lebten über mehrere Generationen dort. Im 18. Jahrhundert ist ein häufiger Besitzerwechsel verzeichnet.

Noch heute lassen sich behauene Feldsteine des ehemaligen Rittergutes finden. Der Name Sieme kann von dem altslawischen „Zima“ abgeleitet werden, was „Winter“ oder „kalt“ bedeutet.

Groß Siemen könnte also mit „Kalter Ort“ übersetzt werden.

1250 wurde der an den Park angrenzende Bach als Zyme Fluvins, als „kalter Bach“, erstmals urkundlich erwähnt.

Das jetzige Gutshaus wurde um 1890 mit dem Haupthaus auf dem alten Barockfundament des Vorgängerhauses wiedererrichtet. Im Laufe der Jahrhunderte entstand aus dem Rittergut ein typisches Landgut. Die Bewirtschaftung der 430 Hektar rund um das Gutsdorf erfolgte größtenteils durch die Dorfbewohner. Ab 2001 konnte man die darüber verlorene Substanz wieder herrichten.

200 Jahre ist der Baumbestand im Park alt. Knapp 30 Hektar ist die Parklandschaft groß. Hier hat Edda Schütte ihren Rosenpark angelegt, in dem die Sammlung von 3500 historischen und englischen Rosen zu sehen ist.

Sabine Hügelland

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