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Bad Doberan Ausgezeichnete Nachbarschaft um den Altenteilerkaten
Mecklenburg Bad Doberan Ausgezeichnete Nachbarschaft um den Altenteilerkaten
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00:01 24.10.2017
Angelika und Jürgen Reich bewohnen einen um die 200 Jahre alten Altenteilerkaten. FOTOS (6): SABINE HÜGELLAND

Der Ortsteil Bartenshagen der Gemeinde Bartenshagen-Parkentin ist langgezogen und fast nur auf einer Seite bebaut. Dort haben sich etliche Bauernhäuser und Scheunen erhalten, die Bartenshagen einen besonderen Charme verleihen. Im Ortsteil ließen sich einige Unternehmen nieder – darunter eine Dachdeckerfirma, Maler, Autowerkstatt, Pflegedienst, Windenergiefirma und Garten-und Landschaftsbau.

Familie Reich sanierte das 200 Jahre alte Haus / Bauerngarten angelegt

Zu Angelika und Jürgen Reich in die Keramikwerkstatt weisen ein Schild und Töpferwaren.

Die beiden leben in einem um die 200 Jahre alten Altenteilerkaten. Gedacht für die ältere Generation, wurde er so gebaut, dass er in etwa dem eigentlichem Bauernhaus ähnelte, jedoch kleiner war. Der Altenteilerkaten gehört zu Hof V. „Wir sind froh darüber, eine ausgezeichnete Bilderbuchnachbarschaft zu haben“, sagt Jürgen Reich. „Wir pflegen alle ein intensives Miteinander, man kümmert sich umeinander. Schon in der Bauphase erfuhren wir große Solidarität. Wir sind dankbar, dass wir das hier so haben“, sagt Jürgen Reich.

1984 zog das Paar nach Bartenshagen und sanierte das Haus nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. 1988 kam das Backhaus hinzu, in dem sich der Brennofen befindet, wo Jürgen Reich salzglasiertes Steinzeug wie im frühen Mittelalter herstellt.

Das Ehepaar ist seit nunmehr 30 Jahren verheiratet. Auch beruflich gehen sie Hand in Hand: Jürgen Reich fertigt die Keramiken. Seine Frau bemalt sie vor allem, übernimmt sie Aufbauarbeiten und gestaltet Figürliches. Inzwischen werden die Werke der beiden sogar im Müritz-Nationalpark, dem Naturpark Nossentiner- Schwinzer Heide und einer Galerie auf Usedom vertrieben. Warum das so ist, erklärt sich aus dem früheren Hobby von Jürgen Reich, der im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft über Jahre Kraniche und Seeadler fotografisch begleitete. Sie finden sich nun auch auf den Keramiken.

Mit 14 Jahren begannt Jürgen Reichs Leidenschaft für die Fotografie. Über die Feldornithologie entdeckte er schon zur Schulzeit die Naturfotografie. „Ich wollte das, was ich durchs Fernglas sah, festhalten“, sagt der 61-Jährige. Die heimatliche Seenlandschaft prägte ihn. Viele Jahre ruhte das Hobby, bis er nach der Wende seine erste Nikon erwarb. 2004 kam sein erster Bildband heraus und wurde sogleich erfolgreich. Mittlerweile sind zehn Bücher erschienen und aus dem Hobby ein zweites berufliches Standbein geworden. Jetzt erscheint ein großer Bildband mit seinen und Arbeiten anderer Fotografen zum Thema „30 Jahre Nationalparke in Mecklenburg-Vorpommern“.

Eigentlich haben die Reichs einen wunderschönen Bauerngarten, den sie mühevoll anlegten. Doch jetzt vernichtet ein Pilz sämtliche Buchsbaumhecken, von denen die Beete umrahmen sind. „Wir mussten neu pflanzen und hoffen, dass dann in fünf Jahren alles wieder hoch genug ist“, sagt Jürgen Reich. Denn Buchsbaum wächst langsam, doch er hält den Wind von den Pflanzen im Inneren ab.

Hinter dem Garten grasen Appaloosa. Eine Pferderasse, die sich vor allem im Westernbereich großer Beliebtheit erfreut – das Hobby von Angelika Reich. „Wir leben zwischen Aus- und Überlastung. Doch irgendwie findet meine Frau noch die Zeit für ihre Pferde und ich zum Motorradfahren“, sagt Jürgen Reich, der seit vielen Jahren ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger ist.

Seit 40 Jahren auf Spurensuche

Um die hundert Din-A5-Hefte hat Hanna Sauder vollgeschrieben. In kleiner Schrift, dicht an dicht gedrängt, stehen dort alle historischen Fakten, die sie über die Gemeinde Bartenshagen-Parkentin herausbekam. Dafür opferte sie seit 1976 ihre sogenannten Haushaltstage, die es in der DDR gab, um in Schwerins Landesarchiv zu fahren: „Ich habe alles abgeschrieben, was ich finden konnte“, so die Ortschronistin.

Sie fing damit an, „weil 1977 die 800-Jahrfeier von Parkentin anstand und sich sonst niemand fand, der das machen wollte.“ Es interessierte sie selbst, wie sich die Gemeinde entwickelte und so blieb Hanna Sauder dran – bis heute. Wissenswertes veröffentlicht sie auch in der Dorfzeitung „Parkentiner Nachrichten“, die seit 1992 erscheint.

„Bartenshagen war ein reines Bauerndorf und wurde 1273 erstmals erwähnt.“ Mit jedem Neubau erhielten die Häuser andere Nummern, sodass vieles nur schwer nachzuvollziehen ist, so die 85-Jährige. Heute leben die Familie Hans-Jochim Timm auf Hof VIII mit einer etwas kleineren Landwirtschaft und Christian Schulz auf Hof VII im Dorf. „Herr Schulz wurde 2014 als Landwirt für die besondere Güte seiner Öko-Milch ausgezeichnet“, so Hanna Sauder. Die Ehrung kam vom damaligen Ministerpräsidenten, von Landwirtschaftsminister und vom Bauernverband. Hanna Sauer weiß über vieles in der Region Bescheid.

Am 5. August 1965 zog sie mit ihrem Mann nach Bartenshagen. „Unser Haus gehörte zu Hof Jürß. Ein Arbeiterkaten, der eigentlich abgerissen werden sollte“, erinnert sie sich. „Wir haben das Haus selbst ausgebaut.“ Es befand sich noch in dem Zustand wie zur Bauzeit 1872 und besaß nur einen Rauchfang. Eine Familie mit sieben Kindern lebte damals in einem Raum von etwa zwölf Quadratmetern. Hanna Sauder packte kräftig mit an und mauerte sogar den Schornstein selbst. „Das Mauern brachte mir der alte Frahm bei“, sagt sie. „Weil wir anfangs kein Wasser hatten, musste ich zur Pumpe in den Bullenstahl gehen“, so Hanna Sauer, die eine Tochter und eine Enkelin hat. „Einmal merkte ich nicht, dass ein Bulle nicht mehr angebunden war.“ Das stolze Tier mochte wohl keinen ungebetenen Besuch und wurde nervös: „Dann bin ich ganz schnell seitlich über die Rüben, wo sich die Luke befand und dort hinaus“, berichtet sie und muss über diese Erinnerung noch schmunzeln. „Und wir hatten eine Zeit lang nur eine Steckdose, da hing dann alles dran.“ Im Winter fegte der Schnee durch das Fenster.

Hanna Sauder hat vier Geschwister, stammt aus Kirch Kogel bei Krakow am See, zog aber mehrfach um. Zuerst lernte sie Katechetin und Organistin. Da sie Grundlagen in Musik hatte, konnte sie später einen Abschluss zur Klavierlehrerin machen, was ihr mehr lag. Von 1986 bis 1992 – mit einem Jahr krankheitsbedingter Pause – war sie in der Kreismusikschule tätig.

Ihre vielen handschriftlichen verfassten Chroniken stapeln sich im kleinen Wohnzimmer. Ein Schatz, der darauf wartet, in einem Computer gespeichert zu werden. Sie besitzt zwar einen, aber der war lange defekt. „Da musste ich auch wieder handschriftlich arbeiten.“ sah

Sabine Hügelland

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