Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Bad Doberan braucht Jugendhelfer
Mecklenburg Bad Doberan Bad Doberan braucht Jugendhelfer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:05 27.04.2018
Haben die Analyse erarbeitet (v.l.): Nils Schümann, Claudia Lübcke, Christoph Schützler, Christoph Schultz, Andreas Heidenreich. Quelle: Anja Levien
Anzeige
Bad Doberan

Die Stadt Bad Doberan braucht wieder einen Jugendsozialarbeiter. Das ist nach der Ergebnispräsentation der Lebenswelt- und Sozialraumanalyse des Vereins „Soziale Bildung“ im Ratssaal und anschließender Diskussion deutlich geworden. In der Stadt fehle es an einem Jugendpfleger, der einzelne Träger und Angebote koordiniere und ein Netzwerk schaffe. Durch den fehlenden Ansprechpartner sei auch die Arbeit des Kinder- und Jugendbeirates ins Stocken geraten.

Wie jugendgerecht Bad Doberan ist, wollten die Linkspartei und die UDI wissen und haben die Lebenswelt- und Sozialraumanalyse initiiert. Daraufhin hat der Verein „Soziale Bildung“ 176 Jungen und Mädchen der siebten und neunten Klassen der Buchenbergschule, der Regionalen Schule Am Kamp, des Friederico-Francisceum und des Sozialpädagogischen Förderzentrums befragt. Zudem wurden fünf Gruppendiskussionen mit Jugendlichen geführt und 14 Experteninterviews, darunter Lehrer und Schulsozialarbeiter, aufgezeichnet.

Öffentlichen Platz für Jugendliche schaffen

„Das Interesse, in seinem Wohnort Freizeit zu verbringen, ist da“, sagte Christoph Schultz. 68 der Befragten leben in Bad Doberan, von denen verbringen 93 Prozent ihre Freizeit häufig oder immer in der Stadt. Auch die Schüler, die aus dem Umland herkommen, blieben am Nachmittag zum Teil in Bad Doberan. Hierbei spiele auch die Mobilität eine Rolle. Freizeitangebote können nur wahrgenommen werden, wenn ein Bus fährt oder die Eltern fahren können.

„Jugendliche halten sich gerne in öffentlichen Räumen auf“, sagte Christoph Schultz. Sie werden von einem Drittel der Befragten häufig zum Verweilen genutzt und von etwa 80 Prozent ab und zu. „Das geht nicht immer ohne Konfliktpotenzial, damit muss man als Stadt auch umgehen.“ So seien von den Jugendlichen die Skaterbahn, das Parkdeck, der Busbahnhof oder das Klostergelände als Beispiele genannt worden. Auch in den Experteninterviews sei der Bedarf an Freiraum geäußert worden. „Es braucht mehr öffentliche Plätze, wo Begegnung stattfinden kann“, sagte ein Mitarbeiter in der Migrationssozialarbeit und regte ebenso an, dass diese Plätze auch für junge Menschen gemacht sein müssten wie beispielsweise Grillplätze. Eine Sozialpädagogin ergänzte, dass es eines überdachten Treffs bedürfe.

In den Experteninterviews sei auch deutlich geworden, dass zwischen allen, die mit Kinder- und Jugendlichen arbeiten, ein stärkerer Austausch, eine Vernetzung stattfinden müsse.

Jugendsozialarbeiter wurde abgeschafft

„Es gibt niemanden mehr, der die Jugendarbeit in der Stadt koordiniert“, sagte Ordnungsamtsleiter Gerhart Kukla nach der Präsentation. Das sei mal anders gewesen. „Es wurde immer beklagt, getan hat sich nichts.“ Daher sei das für ihn der erste Ansatz. „Auch mir ist bewusst geworden, wir brauchen jemanden, der koordiniert“, sagte Gerlinde Heimann (Linke). Es sei schändlich, dass die Jugendarbeit eine freiwillige Aufgabe sei. „Sie gehört eigentlich zur Pflichtaufgabe einer Kommune.“ „Der Grundstein ist ein Jugendpfleger, der das Netzwerk wiederbelebt und die Koordinierung der Träger übernimmt“, sagte Hannes Roggelin (UDI). Die Verwaltung müsse diese Aufgabe wieder wahrnehmen.

Kinder- und Jugendbeirat fehlt Begleiter

Das jemand fehlt, hat auch der vor zweieinhalb Jahren ins Leben gerufene Kinder- und Jugendbeirat gemerkt. „Wir waren an dem Punkt, dass wir gesagt haben, wir kommen nicht weiter. Wir liefen gegen eine Wand. Wir haben Ideen und Vorschläge gemacht und kamen bei der Verwaltung nicht weiter“, sagt Beiratsvorsitzender Paale Stübe. „Das ist deprimierend.“ Mit dem Kinder- und Jugendbeirat habe die Politik eine lobenswerte Initiative gestartet, die aber weiterbegleitet werden muss, sagte Gerhart Kukla. „Wir haben keinen Mitarbeiter in der Stadt, der das am Laufen hält.“ Daraufhin warf Pierre Graslin, Leiter des Jugendclubs Kompass, ein: „Wir sind immer noch bereit, den Beirat regelmäßig zu begleiten und können auch mitorganisieren, mit Rat zur Seite stehen.“Mit Hilfe der Analyse sollen jetzt in einem Workshop Verbesserungsmöglichkeiten herausgearbeitet werden. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Levien Anja

Mehr zum Thema

Burkhard Lenz legt sein Amt und das Mandat als Stadtvertreter nieder / Oliver Schmidt rückt nach

29.04.2018

Fehlende Unterschriften und „laxer Umgang“ mit Steuergeldern: Kreistag soll Fehler des Sozialdezernenten und Landrats- kandidaten „heilen“.

29.04.2018

Fehlende Unterschriften und „laxer Umgang“ mit Steuergeldern: Kreistag soll Fehler des Sozialdezernenten und Landrats- kandidaten „heilen“.

29.04.2018

Abstiegs- gegen Titelkampf am Freitagabend in der Verbandsliga.

28.04.2018

Ausstellung „Was Wald und Flur erzählen“ gestern eröffnet

27.04.2018

Seit der Wende pflegt der Lehrerchor eine Freundschaft mit dem „Musikverein Bad Schwartau“.

27.04.2018
Anzeige