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Bad Doberan Benjamin von Stuckrad-Barre: Mein irres Erlebnis mit GZSZ-Star in Heiligendamm
Mecklenburg Bad Doberan Benjamin von Stuckrad-Barre: Mein irres Erlebnis mit GZSZ-Star in Heiligendamm
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Der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre. Quelle: OLAF HEINE
Rostock

Sie haben in Ihrem Roman „Soloalbum“ auch über Ihre Lieblingsband Oasis geschrieben. Inzwischen gibt es die Band nicht mehr. Sind Sie eigentlich immer noch Oasis-Fan?

Ja, ich war jeweils in diesem Jahr auf den Konzerten von Liam und Noel Gallagher. Die sind beide für sich mit ihren Bands immer noch sehr gut. Der eine schreibt ewig gültige Songs, der andere ist ein begnadeter Sänger – die müssten einfach mal zusammen ’ne Platte machen (lacht).

Es geht ja vielen Musikliebhabern so, dass sie weiterhin zu ihren Lieblingsbands gehen, obwohl die Musiker sich schon zerstritten haben und nur noch Reste der Originalbesetzung da sind. Trotzdem kommen die Leute immer noch in ihre Konzerte, einfach, um die Musik zu hören.

Sentimentalität ist legitim, ja identitätsstiftend. Jedem Musikhörer ist in seiner Jugend die entscheidende musikalische popkulturelle Prägung widerfahren, und diese musikalische Prägung ist zufällig. Es ist ja Zufall, was gerade neu und herausragend war, als jemand zufällig 12, 15 Jahre alt war. In dieser Hinsicht bleibt eigentlich jeder Mensch für immer 15 und hat jede nachkommende Generation hat das Recht, ja die Pflicht, das Vorgefundene dann abzulehnen.

Sie schreiben viel über prominente Zeitgenossen, auch in Ihrem neuen Buch „Remix 3“. Was treibt sie an, warum schreiben Sie so gerne Porträts?

Wirklich jeder Mensch ist, wenn man sich gründlich auseinandersetzt mit ihm, interessant. Walter Kempowski erklärte mir das mal so: Der Sand am Strand von Warnemünde ist im Ganzen wahnwitzig langweilig, wenn man aber ein beliebiges Sandkorn mit dem Mikroskop einzeln betrachtet, dann sieht man das Individuelle, Besondere, Spektakuläre. Das kann man gut auf Menschen übertragen.

Und wie gehen Sie da vor, treffen Sie sich einfach mit den Leuten oder steuern Sie das auch ein bisschen?

Manchmal beobachte ich nur, halte mich möglichst unauffällig im Hintergrund. Hin und wieder aber inszeniere ich auch Situationen: Bei Boris Becker zum Beispiel habe ich darum gebeten, bei ihm zu Hause mit ihm und seiner Familie, seinen legendären ersten Wimbledon-Sieg vom 7. Juli 1985 anzuschauen. 25 Jahre danach war meine Idee, ihn darüber zu erklären, wie dieses Spiel auf ihn und die Seinen wirkt, was da so interfamiliär passiert.

Und wie war’s?

Ich war doch sehr überrascht, dass Beckers Frau und Kinder dieses legendäre Spiel, das für Beckers weiteres Leben, so immens wichtig, so weichenstellend war, offenbar noch nie gesehen hatten. Zwischendurch fragte dann sein Sohn Gabriel: Papa, gewinnst du oder verlierst du das?

Gibt es manchmal auch Enttäuschungen, wenn Sie Leute treffen und merken, das funktioniert jetzt nicht?

Ja, aber dann liegt das immer an mir. Enttäuscht bin ich immer nur von mir selbst – und von der Realität natürlich.

Eine Enttäuschung ist ja auch etwas Positives. Die Täuschung ist weg.

Stimmt auch wieder.

Aber Ihre Perspektive, Ihr besonderer Blick bleibt ja bestehen. Wenn wir dieses Buch zur Hand nehmen, sehen wir die Personen durch die Augen von Benjamin von Stuckrad-Barre.

Ja schon, aber jeder Leser liest es anders. Der eine findet diesen Text interessant und einen anderen langweilig, bei jemand anderem mag es umgekehrt sein. Bestimmte Passagen funktionieren bei Lesungen wider Erwarten gut, andere, die ich als eher unauffällig empfinde, können sich als Hits erweisen. Das ist ja das Schöne an Literatur und an Lesungen. Es sind vollständig demokratische Vorgänge.

Nun kommen Sie zur Lesung wieder ins Grand Hotel nach Heiligendamm. Sie waren ja schon öfter dort.

Ja, dort hatte ich im letzten Sommer ein interessantes Erlebnis. Kennen Sie Jörn Schlönvoigt?

Nein.

Ich kannte ihn bis dahin auch nicht. Jörn Schlönvoigt ist einer der tapferen Mimen des RTL-Unfugs „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und hat im vergangenen Juli in Heiligendamm geheiratet. Für jenes Wochenende war auf dem gesamten Hotelgelände das Fotografieren untersagt worden, weil die Eheleute Schlonvoigt die Rechte an der Hochzeitsberichterstattung exklusiv an die Zeitschrift „Bunte“ verscherbelt hatten. Der große Schriftsteller Martin Suter war zu diesem Zeitpunkt auch in Heiligendamm zu Gast und hat sich mit einem gigantischen Teleskopobjektiv an der Kamera gut sichtbar an seinem Zimmerfenster postiert, mit Blick auf diesen Heiratsvorgang. Suter ersehnte es, entdeckt zu werden, um folgenden Satz abzufeuern: „Ich bin für die ,Gala’ hier!“ Das ist dann aber leider nicht passiert.

Dann viel Erfolg bei der Lesung in Heiligendamm!

Vielen Dank!

Lesung mit Benjamin von Stuckrad-Barre am 9. November um 20 Uhr im Grand Hotel Heiligendamm aus „Remix 3“, Ort der Lesung ist der Musiksalon im Kurhaus, Karten kosten 26,60 Euro.

Thorsten Czarkowski

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