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Bad Doberan Bienchen für junge Imker
Mecklenburg Bad Doberan Bienchen für junge Imker
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00:13 11.05.2018
Ich bin bei meinem Großvater bereits mit Bienen und Honig groß geworden. Hans-Erik Westendorf Schüler
Bad Doberan

Das gibt Bienchen in der Schule: Am Gymnasium Friderico-Francisceum in Bad Doberan wird in einem Wahlpflichtfach die Arbeit mit den Bienen in der Theorie und Praxis gelehrt. Die Entstehung und auch das Ernten des Honigs wird durch die Schüler durchgeführt.

Gymnasium Bad Doberan bietet Imkerkurs als Wahlpflichtfach an

Förderung vom Land

Der Wahlpflichtkurs Imkern wird zu 90 Prozent vom Land gefördert. Nur zehn Prozent müssen von der Schule getragen werden. Eine Standardausrüstung zum Imkern kostet etwa 1000 Euro. „Wir haben das Ziel, uns durch die Produktion des eigenen Schulhonigs zu refinanzieren. Wir möchten erreichen, unsere eigenen Imker hervorzubringen“, so Daniela Weihs.

Die Produktion des Honigs, aber auch die Bedeutung der Bienen für die Umwelt und vieles mehr gehört zum Lehrstoff des Wahlpflichtfachs, welches ein Mal pro Woche am Gymnasium stattfindet. Zehn Schüler haben sich teils aus persönlichem Interesse, teils aus der „Pflicht heraus“ für dieses Fach entschieden. Demzufolge sind die Interessenslagen sehr unterschiedlich. Einige imkern Zuhause oder sind damit bereits aufgewachsen, andere eignen sich in der Schule das Wissen durch Theorie und Praxis gerne an.

Die Neun- beziehungsweise Zehntklässler lernen in dem Kurs, was alles zur Honigherstellung gehört. Besonders Interessierte haben sogar das Ziel, ihren eigenen Honig zu produzieren und anschließend selbst zu verkaufen.

Daniela Weihs, seit 3 Jahren die Kursleiterin, unterrichtet am Gymnasium Latein und Englisch. Das Imkern betreibt sie nach 20-jähriger Pause nun wieder mit viel Leidenschaft. Sie kommt aus einer Imkerfamilie und ist mit Bienen groß geworden, also die passende Kursleiterin zu diesem Thema.

„Die Schüler arbeiten praxisnah. Sie lernen etwas über die Natur, die Blüten, die Nahrung und Lebensweise der Bienen sowie den Honig. Man betrachtet einmal aus Bienensicht, wie es in unserem Land und unserer Natur aussieht“, sagt Daniela Weihs. „Sehr wichtig dabei ist es auch, zu lernen, wie wichtig auch ökologisch die Bienen und deren Überleben für die Natur und die Menschheit sind. Das und die Kombination zwischen Theorie und Praxis sind das Hauptziel des Wahlpflichtkurses“, so Daniela Weihs weiter. „Wir brauchen mehr Gärten, die „insektenfreundlich“ eingerichtet sind als japanische Kunstgärten“, fügt die Kursleiterin hinzu.

Auf dem Dach des Gymnasiums in Bad Doberan wurde im Juni 2017 auf einem Areal von etwa 200 Quadratmetern zunächst Bauschutt abgetragen. Danach grub man die Fläche um. Eine Bienenweide wurde angepflanzt und die gesamte Bepflanzung diente als Nahrung, unter anderem auch fürs Auge der Bienen, um diese anzulocken.

„Das erste Bienenvolk stammte von einem befreundeten Imker. Wenn neue Brutzellen gebildet werden, geht eine neue Königin hervor, die Bienen schwärmen aus und gründen ein eigenes Volk. Das soll zunächst vermieden werden“, mahnt die Lehrerin.

„Als Nahrung erhalten die Bienen ab Herbst regelmäßig Zuckersirup“, wie Hans-Erik Westendorf, Teilnehmer des Wahlpflichtkurses, berichtet, „fertigen Zuckerteig, wie die Bienen bei uns Zuhause.“

Im vergangenen Jahr gab es am Gymnasium 31 Prozent Verlust der Bienen durch Milbenbefall. Besonders zu nennen ist die Varroa Milbe. Sie hat einen Durchmesser von circa einem Millimeter, sitzt auf den Bienen und saugt sich fest. „Der Befall muss im Auge behalten werden“, klärt uns Daniela Weihs auf, „damit diese Virenüberträger keine Chance haben, die Völker zu zerstören.“

Auch die Beobachtung dieses Prozesses zählt zum Aufgabenbereich der Schüler des Wahlpflichtkurses. Im Winter werden durch die Schüler verstärkt die Kisten, in denen die Bienen sich aufhalten, kontrolliert. Die Theorie steht im Vordergrund, bevor jetzt im Mai die aktive Saison beginnt. Sie geht bis zum August. Danach beruhigt sich alles wieder in Vorbereitung auf den Herbst. Zu den vielen Aufgaben der Schüler zählt auch das Zählen der Bienen. „Sie werden zunächst durch Rauch und Honig beruhigt, um sie überhaupt zählen zu können. Die benötigten Imkerkostüme stehen am Gymnasium zur Verfügung. Die Waben werden angeschaut und kontrolliert, wie viele Eier, Maden und Futter vorhanden sind“, so Hans-Erik Westendorf. „Ein Sommervolk besteht aus etwa 40000 Bienen. Die Volksgröße ist dem Nahrungsangebot angepasst. Um ein neues Volk zu gründen, lässt man „Ableger“ bilden. Der Ablegen hat eine neue Königin. Die Brutzeit richtet sich nach dem Sonnenstand. Die Hochsaison ist von Mai bis Juli/August.

Die beiden Schüler Rayk Johann, 16 Jahre alt, und Hans-Erik Westendorf haben so großes Interesse am Imkern, dass sie eigenständig nach Beendigung des Kurses „Ableger“ züchten und mit dem Imkern fortfahren wollen. Ziel ist es, selbst Honig zu ernten und zu verkaufen. Aus dem Erlös sollen irgendwann einmal die Gelder, die zum Imkern benötigt werden, refinanziert werden.

Anke Kisters

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