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Bad Doberan Brandenburgerin findet hier Heimat
Mecklenburg Bad Doberan Brandenburgerin findet hier Heimat
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00:00 27.07.2018
Thorge und Ulrike Endrulat (v.l.) leben gern auf dem Land. Laurin Kray aus Rerik und Magnus Irrgang aus Neubukow – Mitschüler von Thorge – kommen oft zu Besuch. FOTOS (5): SABINE HÜGELLAND
Uhlenbrook

Dicht bei Westenbrügge gelegen befindet sich das Vorwerk Uhlenbrook mit gerade einmal fünf Häusern. 2005 wurde dort 760-jähriges Bestehen gefeiert. Es liegt so mittendrin zwischen Feldern, auf die um die 20 Einwohner blicken können. Doch wer zieht in so ein kleines Dorf, wo es sonst nichts gibt außer vielen Hunden und eine Durchgangsstraße?

„Mein Mann wollte hier nicht weg, also bin ich hergezogen“, sagt Ulrike Endrulat. Sie stammt ursprünglich aus Brandenburg und lebt mit ihren Söhnen Thorge und John, zwei Hunden, einer Katze und Hühnern in Uhlenbrook. Ihre Nichte und die Schwägerin wohnen nebenan.

Eine Stunde hin und zurück zur Schule nach Kühlungsborn dauert die Busfahrt, denn er hält in allen Dörfern, um die Schüler einzusammeln. Thorge macht das nichts aus, er kennt es nicht anders. Sein Bruder ist aus dem Schulalter bereits raus. Eines ärgert Ulrike Endrulat an Uhlenbrook doch sehr: „Wir haben schon das 50er Geschwindigkeits-Schild wegen der Kinder im Dorf angebracht, aber niemanden kümmert das.“ Früher bestand die Straße aus Kopfsteinpflaster, „da sind alle etwas langsamer gefahren. Doch jetzt wird hier durchgerast, das ist schon sehr extrem.“ Die Hoffnung geben die Einwohner jedenfalls nicht auf, dass eine Möglichkeit zur Geschwindigkeitsbegrenzung geschaffen wird.

„Am Anfang war das komisch für mich, hier zu leben. Ich komme zwar auch aus einem Dorf, aber da gab es eine Schule, es war eben größer“, sagt Ulrike Endrulat. „Man fängt dann aber an, die Ruhe zu genießen.“ Den Kontakt zu ihrer alten Heimat hat sie nie abgebrochen, und gerade erst feierte sie ihren 47. Geburtstag, zu dem auch Freunde von dort nach Uhlenbrook kamen. „Ich bin viel in Brandenburg unterwegs. Die Kinder werden groß und selbstständig, da geht das.“

Ulrike Endrulat arbeitet in der AWO Sano Rerik. „Mir gefällt es dort. Die Arbeit macht Spaß. Ich habe jetzt mehr Zeit für Haus und Hof als früher“, sagt sie. Eigentlich ist sie studierte Agraringenieurin, doch nach der Wende war auch für sie Schluss, wie für viele die in den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) oder anderen Landbetrieben tätig waren.

Gegenüber des Grundstücks und ringsherum liegen Felder. Leider pfeift der Wind von dort oft durch ihr Anwesen, da hilft auch das geschlossene Tor nicht, das als Schutz angebracht wurde. Vielleicht könnte ein dichterer, immergrüner Zaun Gegenhilfe leisten, hofft sie. Noch gibt es viele Lücken, die das Sitzen im Garten manchmal ungemütlich machen. Deshalb wurde eine windstille Ecke direkt am Wohngebäude – einem alten Siedlerhaus – eingerichtet.

Beim Ausmisten des Grabens am Grundstück fand die Familie „einen Haufen“ DDR-Müll wie Butterdosen. Unrat wurde damals oft achtlos in den Graben geworfen und mit Erde bedeckt. Den Rasen mäht sie selbst, denn Ulrike Endrulat ist kritisch, was die Qualität des Grüns betrifft, das nimmt sie lieber selbst in die Hand. Nur Thorge darf ein paar Stelle mähen, aber nicht alles. Auch ihr verstorbener Mann durfte nicht an den Rasenmäher. „Mein Mann hat dafür gern gekocht“, sagt Ulrike Endrulat und wird für einen Moment still.

Ihr Mann Thomas Endrulat, das war der Wehrführer von Westenbrügge, der Freiwilligen Feuerwehr Biendorf. Er verstarb plötzlich und unerwartet im Januar 2018. Nicht nur für die Familie war das ein Schock. Dennoch geht das Leben weiter, auch in Uhlenbrook. Jetzt ist sie Feuerwehrmitglied geworden, denn auch, wenn ihr Mann nicht mehr ist, so wollte sie doch den Kontakt nicht abbrechen lassen.

14 Jahre lang hatte sie Pferde auf dem Hof. Nur noch eines blieb übrig und das stellte sie in Krempin unter. „Eine Zeit lang gab es hier gefühlt mehr Pferde als Einwohner“, erinnert sie sich. Wenn die trüben Wintertage beginnen, kommt für Ulrike Endrulat die Zeit der Handarbeiten. „Im Winter stricke ich, im Sommer bringt der Garten genügend Ausgleich“, sagt sie. Außerdem haben bei ihr Bücher immer Hochkonjunktur.

Sabine Hügelland

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