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Retschow Brandschutz gefährdet: Wehren bleiben unterbesetzt

In Retschow kommen nicht genügend Einsatzkräfte zusammen

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Retschows Wehrführer Sven Leist sucht dringend Freiwillige. Die Brandbekämpfung ist sonst in Gefahr.

Quelle: Foto: Katarina Sass

Retschow. Flaute bei den Freiwilligen Feuerwehren auf dem Land: Zählte der Kreisfeuerwehrverband 2012 noch 4253 Aktive, ist die Zahl bis zum vergangenen Jahr auf 4100 gesunken. Diese dramatische Entwicklung gefährdet den Brandschutz in den Gemeinden. In Retschow ist seit vielen Jahren Not am Mann. Wehrführer Sven Leist ist froh, dass bislang noch nichts Größeres in seinem Bereich passiert ist.

OZ-Bild

In Retschow kommen nicht genügend Einsatzkräfte zusammen

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„Wir sind zurzeit 21 Aktive“, sagt der Wehrführer, darunter nur vier Frauen. Doch davon arbeitet der überwiegende Teil weiter weg, sodass sie im Falle einer Alarmierung nicht rechtzeitig am Einsatzort sind. Er rechnet vor: „Die Sirene in Retschow heult eine Minute. Vor sechs Minuten können wir nicht mit dem Fahrzeug rausfahren. Wir müssen aber in zehn Minuten am Einsatzort sein.“ Eine Minute pro Kilometer, bleiben also vier Kilometer, die die Retschower zurücklegen müssen. In der Theorie.

Denn in der Praxis bekommt er nicht einmal das Einsatzfahrtzeug mit neun Leuten voll, um die ersten zehn Minuten abzudecken. „Wir sind höchstens zu viert“, sagt Leist. Den Rest müssen andere Wehren aus der Umgebung stellen, zum Beispiel Hohenfelde. „Rendezvous-Verfahren“, nennen es die Feuerwehrmänner. Hinzu kommt aber, dass je nach Lage eine bestimmte Anzahl an Atemschutzträgern etc. dabei sein müssen. Auch das muss gewährleistet sein. Weil das alles organisatorischer Aufwand ist, braucht Leist mehr Ehrenamtliche. „Wir haben vor Jahren schon jeden Einwohner angeschrieben und um Hilfe gebeten. Auch über die OSTSEE-ZEITUNG“. Eine Resonanz gab es nicht. Über die Jugendfeuerwehr ist in den kommenden Jahren ebenfalls kein Nachrücker in Sicht. Sven Leist hat inzwischen resigniert.

„Wenn die Leute es so wollen, dann ist es so“, sagt der 31-Jährige. Im Moment versuche er jeden Interessenten für die Feuerwehr zu gewinnen, wie es nur möglich ist. Leist ist froh, dass es noch keinen kritischen Wohnungsbrand zum Beispiel in einem bewohnten Mehrfamilienhaus in der Gemeinde gegeben habe. Denn das sei fatal.

Das Personalproblem kennt auch Parkentins Wehrführer Christian Böhmert. „Neun Mann kriegen wir tagsüber nie zusammen“, sagt er, denn die meisten Ehrenamtler könnten nicht rechtzeitig an Ort und Stelle sein. Auch hier fehlt es an Nachwuchs. Er wünscht sich mehr Unterstützung vom Staat. „Er muss Anreize schaffen, zum Beispiel finanzieller Art“, sagt er.

Sven Leist dagegen könnte sich vorstellen, dass Betriebe aus der Region ihre Mitarbeiter zu einer Mitgliedschaft animieren könnten. Vorbildlich sei der Agrarhof Retschow. „Dort haben wir zwei Atemschutzträger aufm Trecker sitzen.“

Kommunen wie Kröpelin und Kühlungsborn sind eigene Wege gegangen. „Die Stadtvertreter haben 2012 schon beschlossen, dass bei Neuanstellungen in der Verwaltung eine Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr wünschenswert ist“, sagt Kröpelins Bürgermeister Thomas Gutteck. Seitdem sind drei Mitarbeiter des Bauhofs sowie drei aus der Verwaltung und ein Hausmeister Mitglied.

Mit Datum vom 21. April dieses Jahres hat das Land eine neue „Verordnung über die Bedarfsermittlung und die Organisation der Feuerwehren in MV“ veröffentlicht, die als Orientierung für die Feuerwehren gilt.

Ein Punkt, der sich geändert hat, betrifft die „Schutzziele“ und die Eintreffzeit: „Es ist anzustreben, dass die Feuerwehr innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches nach Möglichkeit innerhalb von zehn Minuten nach Alarmierung an der Einsatzstelle eintrifft (Eintreffzeit) und Maßnahmen zur Gefahrenabwehr einleiten kann“, heißt es im Paragraf 7, Absatz 4. Damit ist die Vorgabe – nach zehn Minuten am Einsatzort zu sein – etwas aufgeweicht worden. „Ein Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert Leist. Doch unverändert bleibt die Vorschrift, dass ein Einsatzfahrzeug weiterhin mit mindestens neun Leuten eintreffen muss – das Problem von Leist und Böhmert bleibt damit unverändert. Lediglich die sogenannte Personalausfallreserve ist verringert worden. Das bedeutet, dass nicht mehr weitere 18 aktive Kameraden zur Brandbekämpfung anrücken müssen, sondern nur noch weitere neun.

Katarina Sass

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