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Bad Doberan Fördervorgaben führten zu Verdruss
Mecklenburg Bad Doberan Fördervorgaben führten zu Verdruss
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17:31 06.12.2018
Neubukows Gemeindesekretärin Jeanette Petersohn. Quelle: Thomas Hoppe
Neubukow

 „Als die Flüchtlinge kamen, hieß es: Hey, man kann dafür eine Art Koordinatorenstelle gefördert bekommen, man braucht nur einen Träger dafür – kein Problem!“, erzählt Neubukows Pastor Dr. Johannes Pörksen, lacht dann kurz bitter auf und sagt: „Wir hatten das dann auch gemacht und kämpften bis jetzt – nun reicht es“. Der Förderer hätte so viele Auflagen gehabt und so oft die Sachbearbeiterinnen gewechselt.

Es geht um eine Zuwendung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ für lokale Partnerschaften für Demokratie im Kreis Rostock. 7100 Euro hatte dabei Neubukows evangelische Gemeinde im „Förderjahr“ 2016 bekommen und zum Beispiel für Personalkosten, Verwaltungsaufwand (116 Euro), Werbematerial (rund 250 Euro) aber auch für Schminkmaterial (30,29 Euro) bezahlt.

Mitte November 2018 erreichte die Kirchengemeinde – nach einigen „Ausführungen“ und „Nachreichungen“ – von der zentralen Fördermittelstelle im Amt für Kreisentwicklung ein endgültiger Rückforderungsbescheid in Höhe von rund 560 Euro.

Demnach waren bei den Personalkosten 33 Euro nicht förderfähig, wie auch der von der Gemeinde angegebene Verwaltungsaufwand, dessen Zusammensetzung nicht genau erläutert worden war und für den es zudem keinen „Honorarvertrag zwischen dem Verein und Frau Petersohn“ gegeben hatte. Den größten Posten der Rückforderung machen 250 Euro für Textmarker und weitere 158 Euro für nachgewiesene Verwendungen aus, die nicht rechtzeitig im Förderjahr erstattet wurden.

Zu den Textmarkern erklärt die Gemeindesekretärin Jeanette Petersohn, dass sich deren quasi vom Kreis vorgeschlagene Fertigung „irrsinnig lange“ hingezogen hätte. Die damals zuständige, inzwischen woanders tätige Sachbearbeiterin des Kreises hätte beim aufgeklebten Logo immer wieder Änderungen gefordert. Im Zentrum des Logos steht „Demokratie leben!“ Beim Wort „leben“ hat jeder Buchstabe eine andere Farbe.

Schließlich wurden die Textmarker, für deren Bezahlung die „Projektmitarbeiterin“ Doreen Prüter in Vorkasse ging, erst am 27. Dezember 2016 geleifert. „Ich habe ihr das Geld am 19. Januar vom Fördergeld zurücküberwiesen. Doch die Vorgaben verlangen, diese Kosten im Jahr der Förderbewilligung zu erstatten“, gesteht Jeanette Petersohn ein, die sich sonst um Friedhofsangelegenheiten und die Kirchengemeinde zu kümmern hat. „Das steht auch alles irgendwo drin, es gab ja ganz viel Schriftverkehr – aber alles habe ich mir nicht durchgelesen“, sagt die Gemeindesekretärin ehrlich und schaut auf ihren dicken Aktenordner zu diesem Projekt: „Wir wussten beide nicht, wie das geht, Frau Prüter und ich“. Enttäuscht ist sie davon, dass beim Kreis den Neubukowern nicht geglaubt werde, dass sie diese Marker auch noch im Jahr 2016 verschenkt hätten. „Es ist nicht erkennbar, wie die Textmarker zum Ende des Bewilligungszeitraums für die Durchführung der Maßnahme eingesetzt wurden“, heißt es nämlich im Rückforderungsbescheid. Selbst wegen Pfandbons in Höhe von 1,50 Euro sei nach einer Veranstaltung extra nachgefragt worden, wie diese verrechnet wurden. „Man traut den Ehrenamtlern nicht“, ist auch das Fazit von Doreen Prüter, die von Mai bis Dezember 2016, hier als Koordinatorin mitarbeitete, neben ihrer beruflichen Tätigkeit in der Tischlerei Prüter und der ehrenamtlichen Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Sie sagt: „Wenn alles so schwierig gemacht wird und man im Endeffekt noch Geld zurückzahlen muss, werden wir keine solchen Projekte mehr in Angriff nehmen“. Bei einer ähnlichen Sache für 2019 hat sie bereits einen Rückzieher gemacht.

Pastor Dr. Johannes Pörksen sagt: „Die 557,47 Euro überweisen wir, aber so was werden wir nicht mehr ohne Weiteres machen. Der bürokratische Aufwand ist einfach zu hoch“. „Prüfen muss natürlich sein und ich fand gut, dass mir vom Kreis oft eingeräumt wurde, dass ich bestimmte Nachweise erbringen konnte. Doch unterm Strich, sollte man doch die Kirche im Dorf lassen“, meint Jeanette Petersohn noch. „Es geht hier um Mittel aus der öffentlichen Hand, die nicht richtig und zu einem falschen Zeitpunkt verwendet wurden – deshalb haben wir einfach Recht umgesetzt! Die Mittel gehen zurück an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben“, so sagt es der Kreissprecher Michael Fengler.

Thomas Hoppe

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