Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Bürgerversammlung in Carinerland: Kritik an Zeitdruck
Mecklenburg Bad Doberan Bürgerversammlung in Carinerland: Kritik an Zeitdruck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:25 08.02.2019
Im Carinerland, zu dem zehn Dörfer zählen, darunter Alt Karin, ist die Gemeindefusion mit Kirch Mulsow ein großes Thema. Quelle: Manfred Sander, Montage: Arno Zill
Krempin

Der Zeitplan ist eng gestrickt. In zweieinhalb Wochen soll der Fusionsvertrag zwischen der Gemeinde Kirch Mulsow und Carinerland stehen, damit der Kreistag einem Zusammenschluss zustimmen kann. 400 000 Euro erhält die neue Gemeinde vom Land, wenn der Vertrag bis 26. März unterzeichnet ist. Der Zeitdruck war ein Kritikpunkt der Carinerländer auf der Bürgerversammlung in Krempin am Donnerstagabend. Doch auch nach Schulden und der finanziellen Ausstattung Kirch Mulsows wurde immer wieder gefragt.

Jörg Lipinski hält die Fusion für eine gute Sache. „Sie wird so oder so kommen. So können wir das Geld noch mitnehmen“, sagt der Krempiner vor der Versammlung. Auch Martin Tründelberg steht einem Zusammenschluss nicht ablehnend gegenüber. „Erst mal finde ich das nicht schlecht. Mal gucken, was die Vor- und Nachteile sind. Wir würden eine größere Gemeinschaft werden“, sagt der 36-Jährige. Für Holger Schwat mache die Fusion keinen Sinn. „Durch die große Struktur geht die Gemeinschaft verloren“, sagt der 58 Jahre alte Krempiner.

„Die Fusion wird so oder so kommen. So können wir das Geld noch mitnehmen.“ Jörg Lipinski, Krempin Quelle: Anja Levien

Hauptgrund, aus dem Kirch Mulsow mit der Nachbargemeinde fusionieren möchte, sind Nachwuchsprobleme in der Feuerwehr und in der Gemeindevertretung sowie beim Amt des Bürgermeisters – Thomas Jenjahn tritt nicht mehr an. Die 300-Einwohner-Gemeinde, zu der vier Dörfer zählen, würde dann eingemeindet werden. Die Gemeindevertreter von Kirch Mulsow sowie Carinerland haben der Aufnahme von Fusionsgesprächen bereits zugestimmt.

„Wir haben gefühlt die letzten 15 Jahre immer mal wieder verhandelt. Aus meiner Sicht ist das bisher an den Befindlichkeiten der Kirch Mulsower gescheitert“, sagt Manfred Meyer, der als Stellvertreter für die krankheitsbedingt entschuldigte Bürgermeisterin Heike Chrzan-Schmidt die Versammlung leitete, zu Beginn und spricht sich für eine Fusion aus. „Ich bin dafür, das zu machen“, sagt auch Gemeindevertreter Dr. Andreas Gundlach. Auch Carinerland habe personelle Probleme. „Wir haben zu wenig Leute, die sich engagieren und was auf die Beine stellen. Wir haben das Personalproblem auch, wenn wir ehrlich sind.“

Erhalt aller Gemeindehäuser notwendig?

Vor allem die finanziellen Konsequenzen interessieren die etwa 80 Anwesenden. „Wie viele Schulden werden übernommen? Welche Kosten kommen auf die Gemeinde zu, was Straßen und öffentliche Gebäude angeht? „Kirch Mulsow hat einen ausgeglichenen Haushalt und keine Schulden“, antwortet Gemeindevertreterin Heike Dassow. „Bei einem Zusammenschluss wird es einen Vertrag geben.“ In diesem werde geregelt, was an Gebäuden hinzukomme oder welche maroden Objekte veräußert werden. Daraufhin kam die Sprache auch auf die vielen Gemeindehäuser.

Die Clausdorfer hatten in der Gemeindevertretung Kirch Mulsow bereits auf ihr Kulturhaus aufmerksam gemacht und darum gebeten, dass es erhalten bleibe. In Carinerland würden nicht alle Gemeindehäuser effektiv genutzt, so eine Bürgerin. „Müssen wir die alle erhalten?“ „Das wird im Vertrag ausgehandelt“, sagt Gudrun Nebauer. „Das Pendlereck zum Beispiel, das muss weg“, sagt die Gemeindevertreterin zum Haus in Kirch Mulsow. „Unsere fünf Gemeindehäuser sind alle Luxus, ein Zuschussgeschäft. Wir müssen gucken, wo ist es Treffpunkt, wo macht es noch Sinn. Das muss man nüchtern betrachten“, sagt Carinerlands Gemeindevertreter Eckhard Meyer.

Bedenken: Ohne Bürgermeister droht Zwangsfusion

„Der Zeitpunkt für eine Entscheidung ist als Bürger sehr eng, man steht unter Druck“, sagt Bärbel Schenke. „Jeder Ort ist sehr unter sich, wir sind nicht so verzahnt, wie wir uns das alle gewünscht haben, das liegt an uns allen“, sagt die 70-Jährige. „Wie wird das mit 300 mehr werden, wie können wir die Synergien der Orte zusammenführen?“, fragt sie und ob die Entscheidung jetzt so schnell fallen müsse. Antwort: Falle sie jetzt nicht, gehe das Geld verloren. Und: Könne Kirch Mulsow keinen Bürgermeister stellen, werde die Gemeinde zwangsverwaltet, es drohe eine Zwangsfusion – ohne Prämie.

Der Zeitplan

27. Februar – an diesem Tag kommt der Kreistag des Landkreises Rostock zusammen. Er muss sein Okay für eine Fusion geben.

26. März – bis zu diesem Tag muss der Fusionsvertrag zwischen der Gemeinde Kirch Mulsow und Carinerland unterzeichnet sein. Dann gibt es eine Prämie in Höhe von 400000 Euro vom Land.

26. Mai – an diesem Tag ist Kommunalwahl. Kommt es zu einer Fusion, wird die Wahl in Kirch Mulsow abgebrochen, in der Gemeinde Carinerland wird gewählt. Wenige Wochen darauf wählen dann die Kirch Mulsower zwei Vertreter für die neue Gemeindevertretung, die dann von acht auf zehn Mitglieder wächst. Zudem wird dann der Bürgermeister für die neue Gemeinde gewählt.

Was das Kulturelle und Sportliche betreffe, seien die Dörfer bereits vernetzt, merkt Eckhard Meyer an. Und es gebe bereits ein gemeinsames Amt, ergänzt Gundlach. Auch die Ravensbergerin Maria Schatz sieht Potenzial in einer Fusion. „Wir sollten schauen, was es da für ein Engagement gibt. Auf kultureller und sozialer Ebene können die Bürger aus Kirch Mulsow für die Gemeinde etwas einbringen“, sagt die 28-Jährige.

„Wir sollten schauen, was es da für ein Engagegement gibt. Auf kultureller und sozialer Ebene können die Bürger aus Kirch Mulsow für die Gemeinde etwas einbringen.“ Maria Schatz (28), Ravensberg Quelle: Anja Levien

Am Ende der Versammlung hoben drei Bürger ihre Hand gegen eine Fusion, mehr als 20 zeigten dafür auf, viele ließen ihr Hände aber auch unten. Am 13. Februar ist um 19 Uhr im Pendlereck in Kirch Mulsow die Bürgerversammlung für die Gemeinde Kirch Mulsow.

Mehr zum Thema

Clausdorfer wollen Kulturhaus erhalten

Kirch Mulsow und Carinerland planen Fusion

Im Westen Rostock möchten weitere Gemeinden fusionieren

Anja Levien

Das Restaurant Vielmeer am Kühlungsborner Yachthafen braucht eine neue Leitung. Im Zuge der Reparaturarbeiten wurde auch der hauseigene Weinberg abgetragen.

08.02.2019

Mehr als 60 Gewerbetreibende zählt Heiligenhagen. Der Ort profitiert von der guten Anbindung an die B 105 und die Autobahn.

08.02.2019

Für Sport, Feste und Preisskat wird das 2002 erbaute Haus genutzt.

08.02.2019