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Bad Doberan Das Boden-Museum von Klein Siemen
Mecklenburg Bad Doberan Das Boden-Museum von Klein Siemen
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00:00 28.08.2018
Karl-Heinz Troczynski in seinem Boden-Museum. Vor ihm liegen Betonreste der Berliner Mauer (zur Grünen Woche selbst abgeschlagen), rechts steht auf der Couch eine riesige Zeitungsanzeige zur Jugendweihe von Kröpeliner Jugendlichen aus dem Jahr 1959. FOTOS (3): THOMASS HOPPE
Klein Siemen

Hier teilt die Zeitung für damalige Zeiten aber ordentlich aus: „Die Kühlungsborner Einwohner brauchen sich nicht zu verstecken, wenn es heißt ,Mit voller Kraft und voller Fracht zum 10. Geburtstag unserer Republik’. Im nationalen Aufbauwerk leisteten sie im ersten Halbjahr 1959 27926 Aufbaustunden im Wert von 61763 DM. Aber auch für die Kollegen der Fischereiproduktionsgenossenschaft ,3 Möwen’ wäre es an der Zeit, sich zu überlegen, welche Taten sie auf den Geburtstagstisch unserer Republik legen wollen ...“ So stand es 1959 in der damaligen Ostsee-Zeitung, wie man im Boden-Museum von Karl-Heinz Troczynski nachlesen kann. Und der Klein Siemener hat einen ganzen Stapel dieser alten Blätter auf seiner Dachbodencouch liegen. Daneben kann der Besucher auch Zeitschriften wie „KFT“ (Kraftfahrzeugtechnik), „Zeit im Bild“, „Zeitschrift für Agrarökonomik“, „neues leben“ oder „Das Magazin“ (allerdings ohne die traditionellen Aktfotos) betrachten. „Nackedeis zeigen sich in letzter Zeit wiederholt an der Steilküste von Wittenbeck. Deshalb sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Freikörperkultur an der gesamten Küste unseres Kreises verboten ist und streng bestraft wird“, hieß es noch am 25. Juli 1959 in der OZ.

Bei Troczynskis unterm Dach kann man auf Zeitreise gehen, ob in die Kaiserzeit, die Kollektiv-Epoche oder an den Start der Konsum-Ära.

Troczynski , der einstige Torwart bei der Kröpeliner Elf, war später beim internationalen Fußballcup-Spiel 1985 zwischen Werder Bremen und dem FC Carl Zeiss Jena dabei – eine begehrte Stehplatz-Karte kostete offiziell 6,10 Mark: „Ich bezahlte dafür vorm Stadion 12 oder 15 Mark, obwohl es laut Rundfunk und Presse keinen Sinn mehr machen sollte, da überhaupt hinzufahren“. Nun steckt diese Eintrittskarte in einem dicken „Sport- und Kulturgeschichte“-Album. Gegenüber hängen Fußballschuhe aus den 50ern, deren Stollen an die Sohle genagelt wurden. Sie spiegeln sich fast in der Bildröhren-Schutzscheibe eines DDR-Fernsehgeräts aus dieser Zeit vom Typ „Nordlicht“.

„Ich habe im Winter immer die Exponate vervollständigt und teilweise geordnet – seit dem 1. April 2017 gibt es dieses Boden-Museum, wie ich es genannt habe. Aus dem Dorf waren schon alle hier“, sagt der Leiter des Hauses stolz.

Wer sich darauf einlässt, kann auf diesem Boden quasi mehrere Epochen bereisen: In der „Preußischen Zeitung“ von 1922 lässt sich der Bericht über die Verhaftung eines der Mörder von Walther Rathenau nachlesen. Das war der deutsche Außenminister, der zum Beispiel im Jahr 1922 in Rapallo einen bilateralen Sondervertrag mit Sowjetrussland abschloss, um Deutschland außenpolitisch mehr Handlungsfreiheit zu verschaffen. Doch eine rechtsradikale Organisation soll später besagtes Attentat verübt haben.

Im Dokumente-Ordner findet sich ein DDR-„Wunschanbauplan zur Ernte 1954 für Bauern und Gärtner“, aber auch „Pflichtabgabenbescheide“ aus dieser Zeit. Wer dieser Pflicht nicht nachkam, dem drohte das Gefängnis: „Deshalb ist damals der Bruder meines Onkels in den Westen abgehauen, weil er nicht alles abliefern konnte“, erzählt der 1950 in Wismar geborene Karl- Heinz Troczynski. Er bedauert heute, dass er zum Beispiel seinen Opa Paul, geboren 1900, nicht mehr zu dessen Leben und dessen Zeit befragt hat: „Aber als junger Bengel habe ich mich doch gar nicht interessiert dafür. Heute bin ich darüber traurig.“

Seinem ersten Schulranzen, möchte Karl-Heinz Troczynski die Rückentrageriemen wieder annähen. Er hatte das kleine Lederteil in seiner Zeit als Landmaschinenschlosser als Frühstückstasche genutzt. Für seine Frau steht allerdings fest: „Nun reicht es, es ist voll genug, man kann ja gar nicht mehr treten.“

Thomas Hoppe

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