Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Dem Himmel ganz nah sein
Mecklenburg Bad Doberan Dem Himmel ganz nah sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 11.08.2018
Rerik mit Blick auf Salzhaff und Ostsee – diese Aufnahme gelang Manfred Sander bei einem seiner Rundflüge. Quelle: Foto: Manfred Sander
Einhusen

So nah wie er kommen nicht viele Menschen dem Himmel – das geht nur in einem Motorschirmtrike. Viel ist nicht dran an dem Gerät: ein Liegesitz, Antrieb, Propeller und ein Schirm, mehr braucht es nicht, um abzuheben.

Manfred Sander aus Einhusen dokumentiert in seiner Freizeit das Baugeschehen rund um Rostock und Bad Doberan.

Mit so einem Leichtgewicht die Welt von oben in 300 Metern Höhe zu betrachten, ist die große Leidenschaft von Manfred Sander und seit der Jugend sein Hobby. Mit seinem Ultraleichtflugzeug vom Typ BulliX, mit Monster Motor von fresh breezse, geht es für den Motorschirmpiloten in die Luft.

Mit an Bord hat der 68-Jährige seine Nikon-Kamera mit Teleobjektiv. „In der Luft sieht alles viel schöner aus, als von der Wasserseite“, sagt der Schiffsingenieur. Bis zur Wende war er als technischer Offizier auf Schiffen des Fischkombinats Rostock unterwegs. „Ich habe Rundumblick. Mich stört keine Kanzel, keine Tragfläche beim Fotografieren, wie es beim Hubschrauber oder Flugzeug der Fall wäre“, sagt er. 2,4 Meter lang, 1,5 Meter breit und 1,4 Meter hoch ist das Trike, das mit Benzin fliegt – das Sander noch mit einem vollsynthetischen Hochleistungs-Zweitakt-Öl anreichert. Es passt in einen Kofferanhänger.

Mit einer Tankfüllung im 28 PS starken Zweitaktmotor kommt er mit Gegenwind zwei Stunden aus. Kommt der Wind von hinten, erreicht Manfred Sander Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern. „Es kommt auch immer auf das Gewicht des Fliegers an“, erklärt der Pilot. Ein kleiner Spiegel dient ihm zur Sichtkontrolle für den Blick nach hinten, wo der in Kopfhöhe durchsichtige Tank befestigt ist.

Wenn Sander abhebt, bläht sich sein Schirm hinter ihm auf. Ein Rettungsschirm hängt verpackt als Absicherung hinter ihm. Angst vor einem Absturz habe er nicht, sagt Sander.

Ihn interessieren vor allem die Ergebnisse seiner Touren: Bauliche Veränderungen. „Ich verfolge das Baugeschehen in der Region Rostock.“ So dokumentierte Sander unter anderem den Neubau der OSPA in Bad Doberan, das Petriviertel, das Dünenquartier und die Villenkette in Heiligendamm. Seine Frau, mit der Manfred Sander seit seinem 21. Lebensjahr zusammen ist, bleibt stets mit einem mulmigen Gefühl zurück, wenn ihr Mann zum nächsten Flug aufbricht. „Mutti, sei doch froh, dass er so ein schönes Hobby hat“, sagt dann Tochter Dana Sander. Mit 18 lernte sich das Paar kennen. Beide arbeiteten damals auf dem Fischfang- und -verarbeitungsschiff Erich Weinert ROS 304. Vor 13 Jahren zogen sie aus Rostock-Lichtenhagen in ihren neu gebauten Bungalow in Einhusen bei Kröpelin. „Meine Frau wusste nicht, was ich für eine große Garage geplant hatte“, sagt ihr Mann. Denn darin musste auch das Motorschirmtrike untergebracht werden.

Bei der Finanzierung seines Hobbys, das durch die Fotografie vielen Bauherren dienen konnte, helfen ihm andere: „Ich habe zum Glück Geldgeber, die mich unterstützen. So hat mir Axel Heidebrecht vom Getränkeland den Kofferanhänger zur Verfügung gestellt. Die Nikon-Kamera erhielt ich von Karsten Porm von Eno Energy und von Malermeister Bergknecht bekam ich einen Gleitschirm geschenkt. Mich bitten öfter auch Ortschronisten um Fotos“, sagt Manfred Sander, der ein gutes Auge für Motive besitzt. Neben den Baumaßnahmen und allgemeinen Veränderungen in Rostock und Umgebung fängt er gelegentlich auch interessante Landschaftsmotive ein.

Manfred Sander absolvierte das Abitur mit Berufsausbildung als Maschinist für Turbinenaggregate in seiner Heimat Hoyerswerda. Danach besuchte er von 1973 bis 1976 die Seefahrtsschule in Wustrow. 1974 zog das Paar mit ihrer zweijährigen Tochter in einen Rostocker Plattenbau. „Mit 14 Jahren begann ich mit dem Segelfliegen. Mit 18 wurde ich Motorflieger auf einer JAK 18“, sagt Sander. „Während der Seefahrt gab es keine Möglichkeit für die Fliegerei. Nach der Wende wechselte ich zur Reederei NSB Niederelbe Schifffahrtsgesellschaft in Buxtehude, Containerschifffahrt weltweit.“

Dann dachte er sich, „ich müsste mal wieder fliegen“ und machte 2009 seine Lizenz als Ultraleicht-Pilot. Bis zu 20 Mitstreiter aus MV treffen sich jährlich zum Motorschirmflieger-Treffen, das Manfred organisiert. Zehn Mann gehören zu der Flieger-Clique im Raum Rostock.

Sabine Hügelland

Attraktiver Stadt-Kalender für das Jahr 2019 erschienen

11.08.2018

Windmühle in Kröpelin und Gut Westenbrügge beteiligen sich

11.08.2018

Die Veranstaltungsreihe startet am 1. September

11.08.2018
Anzeige