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Bad Doberan Der Erinnerungskultur auf der Spur
Mecklenburg Bad Doberan Der Erinnerungskultur auf der Spur
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09:28 08.03.2018
Frau Professor Dr. Tomoko Takaoka im Ostrockmuseum in Kröpelin Quelle: Rolf Barkhorn
Kröpelin

Anfrage aus Japan an Ostrockmuseum in Kröpelin

Was hat Ostrock mit deutscher Erinnerungskultur zu tun. Dieser Frage geht die japanische Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Tomoko Takaoka nach. Deshalb besuchte die das Ostrockmuseum in Kröpelin und hatte viele Fragen.

Das Ostrockmuseum in Kröpelin wurde vor zweieinhalb Jahren eröffnet und hat bis heute schon einen großen Bekanntheitsgrad erlangt. Das zeigen Einträge aus aller Welt im Gästebuch des Museums. Aber als jetzt eine Anfrage aus Japan in Kröpelin eintraf, war dies doch eine Überraschung für die Gründer des Museums.Professor Dr. Tomoko Takaoka, Musikwisschenschaftlerin und Deutsch-Dozentin an der Universität Ryukoku in Kyoto, teilte mit, dass sie im Rahmen ihrer Foschung zur „deutschen Erinnerungskultur“ eine Arbeit über den Ostrock, seine Geschichte und den aktuellen Stand schreiben wolle. Dafür wolle sie das Museum in Kröpelin besuchen und Interviews führen.

Im Internet auf Museum in Kröpelin aufmerksam geworden

Zu diesem außergewöhnlichen Besuch kam es am Dienstag im Ostrockmuseum. Dort traf die Professorin aus Japan die Mitglieder des Kuratoriums, Reinhard Dankert, Rüdiger Kropp und Thomas Lehner. Mit ihnen kam schnell eine lebhafte Gesprächsrunde rund um das Thema Ostrock und über die Entstehung des einzigen Ostrockmuseums zustande. Dabei sprach die 39-Jährige fließend Deutsch. Tomoko Takaoka hatte von 2005 bis 2007 Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin studiert.Doch bevor die Gründer des Ostrockmuseums auf die vielfältigen Fragen ihres Gastes eingingen, wollte Thomas Lehner wissen. „Wie sind Sie auf unser Museum gestoßen?“ Professor Takaoka berichtete, dass sie in Japan im Internet recherchiert hätte und dabei auf das Museum in Kröpelin und viele Beiträge darüber in Zeitungen gestoßen sei. Und so plante sie für ihren nächsten Forschungsaufenthalt in Deutschland eine Museumsvisite in Kröpelin mit ein.

Takaoka: Ostrock völlig anders als Westmusik

Im Gespräch zeigte sich, dass Professor Takaoka viele Bands, aber auch markante Titel von Vertretern des Ostrocks kennt. Auch hatte sie festgestellt: „Die ostdeutsche Rockmusik unterscheidet sich völlig von dem, was parallel in Westdeutschland an Musik produziert wurde. Und sie ist meistens hoch professionell gemacht.“Thomas Lehner erklärte dem Gast, dass zu DDR-Zeiten in den Profibands fast ausnahmslos studierte Musiker wirkten, die alle eine Prüfung abzulegen hatten und dass auch Amateurbands von einer Fachjury eingestuft werden mussten, um überhaupt auftreten zu dürfen. „Heute darf sich jeder Musiker nennen und auftreten, unabhängig von seinen Fähigkeiten“, so Lehner. Die fachliche Schwelle einerseits und die politische Situation mit einer geschlossenen Grenze und geringen Kontaktmöglichkeiten nach außen andererseits hätten zu DDR-Zeiten für alle Künstler eine Art Käseglocke geschaffen, unter der sich dann etwas Eigenständiges entwickelt habe.Reinhard Dankert, der Ideengeber für das Ostrockmuseum, meinte: „Dass unter dieser Käseglocke der Ostrock entstehen konnte, ist vielleicht der einzige positive Nebeneffekt dieser Politik. Wer weiß, ob die Bands im Osten in einem direkten Wettbewerb mit dem Westen hätten bestehen können.“ Rüdiger Kropp, der seit über zwei Jahrzehnten den Dorfrock in Schmadebeck organisiert, bei dem sich stets Vertreter des Ostrocks präsentieren, wies darauf hin, dass in vielen Liedern der ostdeutschen Bands die Texte einen hohen Stellwert hatten. Auch diese Beobachtung teilte die Musikwissenschaftlerin aus Kyoto.

Rundgang mit Ostrock-Erlebnis

Mit großem Interesse ließ sie sich dann von den drei Kuratoren durch das Ostrockmuseum führen. So ließ sie sich Instrumente und Tontechnik zeigen, mit denen Musiker in der DDR ihren Bühnenalltag bestreiten mussten. Neugierig versuchte sie sich am Schlagzeug und mit ebenso viel Begeisterung lauschte sie einer Puhdys-LP am nachgebauten Plattenstand.Über ihre Forschungen und Begegnungen will Professor Tomoko Takaoka zunächst ihren Studenten in Japan berichten. Aber vielleicht werde sie auch ein Buch über den Ostrock schreiben, erklärte sie.

 Barkhorn Rolf