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Bad Doberan Ein Mann sieht blau
Mecklenburg Bad Doberan Ein Mann sieht blau
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18:15 24.10.2018
Der Doberaner Fred Schulz sammelte in 18 Jahren 1700 Blauglas-Objekte. Quelle: Sabine Hügelland
Bad Doberan

Ein fast schon exzentrisches Hobby ist das von Fred Schulz, dessen Slogan ist: Ein Mann sieht Blau. In seiner Ausstellung leuchten Kobaldblau und Lightblue, wenn die Sonne das Glas küsst. Wie ein Wunderland wirkt der Raum, so als sei er aus einer anderen Welt. Blau, überall Blau. 1700 Glasobjekte, vor allem Flaschen, sammelte Schulz seit der Jahrtausendwende. 50 bis 60 Farbvariationen von Blau sind zu sehen. „Meine Lieblingsstücke sind zwei TBC-Flaschen ‚Blauer Heinrich’. Normalerweise warf man solche Flaschen weg, deshalb sind sie sehr selten.“ Das für ihn wertvollste Stück ist eine Flasche mit dem eingravierten Kopf des ehemaligen Präsidenten der USA, John F. Kennedy (1917-1963), die aus einem Soldatenfundus stammt. „Entdeckt hat sie meine Frau Jana. Es ist für mich jedoch der ideelle Wert, der im Vordergrund steht“, sagt Fred Schulz.

Das Sammelvirus fing sich der 53-Jährige, der am 27. Oktober Geburtstag hat, in Dänemark ein, als er in einem Fenster Flaschendekorationen sah. Für ihn ist es die Farbe Blau, die Magische, die Ruhe verströmt, Klarheit bringt, Treue symbolisiert. Mit Fantasie, Sympathie und Harmonie in Verbindung gebracht wird. Blau bedeutet auch Entspannung, Stille.

Blau als Therapie

Es mag mit seiner Krankheit zusammenhängen, dass er sich intuitiv zu dieser Farbe hingezogen fühlt. „Ich wusste nicht, wohin die Reise geht. Ich war ausgebrannt, hatte Burnout.“ Das Sammeln brachte ihn auf andere Gedanken und auch seine schöpferische Seite kam zum Ausdruck: „Meine Therapeutin sagte: Mach was Kreatives.“ Mandalas zeichnen, das war nichts für ihn. Glas schmelzen, das wollte er schon als kleiner Junge. „Im Kinderferienlager warf ich Glas ins Lagerfeuer, war aber mit dem durch Asche verunreinigten Ergebnis nicht zufrieden.“ So erwarb er nach der Therapie einen gebrauchten Schmelzofen, in dem er seine Ideen bei 800 bis 900 Grad Celsius Schmelztemperatur umsetzt und sich dabei ausprobiert.

Solche geschmolzenen Objekte fertig Fred Schulz selbst. Sie geben ihm Kraft. Quelle: Sabine Hügelland

Seine kleine Werkstatt liegt neben dem Ausstellungsraum, der einst eine Garage war. Geht es ihm einmal nicht so gut, entstehen Kreuze aus geschmolzenen weißen Flaschen mit Stacheldraht. Sehr emotionale Objekte, die er auf Märkten verkauft, wie auch anderes aus Glas. Darauf brachte ihn seine 24-jährige Tochter Emily, die das Management in die Hand nahm. „So refinanziere ich das Sammeln.“

Nicht eine Flasche doppelt

Dennoch geht es ihm nicht ums Geld. Er braucht diese Arbeit, um sich wieder zu erden. „Ich kann Glas so verformen, wie ich es will und habe wieder Freude am Leben“, sagt er. „Und gehe aus einer schlechten Situation gestärkt hervor.“ Das symbolisieren auch seine Glaskreuze. „Außerdem lebe ich in einem starken Familienverband. Das ist das A und O. Und ich habe tolle Freunde.“

Stolz sei er, keine blaue Flasche zweimal zu haben. Von Bombay Sapphire hätte er alle Flaschen, die es gibt, in seiner Dekorations-Bar. In einer Vitrine stehen Bols-Ballerinas. Flaschen, in denen sich eine hübsche kleine Ballerina zur Musik dreht, sobald die Spieluhr aufgezogen wird.

Glasmekkas Schweden und Dänemark

Unter seinen Sammelstücken befinden sich gravierte Flaschen. Quelle: Sabine Hügelland

Fred Schulz sammelt unter anderem im Internet und fährt mit seiner Familie gern zu den Glasmekkas nach Dänemark oder Schweden. „Ich nehme nie irgendwas mit. Es muss mich ansprechen“, sagt er. Das Blau an sich reizt ihn. Jedes Jahr kommen viele Teile hinzu. Nicht nur Flaschen, sondern auch Schalen, Nippes, Figuren, wie ein Buddhakopf. Seine kleinste blaue Flasche ist an die zwei Zentimeter groß. Die größte ist ein um die 50 Zentimeter großer Flacon. Nur ein rosa Schwan schaut etwas betreten zwischen dem übermächtigen Blau hervor. Er passt sozusagen auf.

Obwohl, gut gesichert ist die Ausstellung, betont der Sammler. Der ausgebildete Elektro- und Entsorgungsmonteur absolviert gerade eine Ausbildung zum Orthopädischen Schuhmacher. Seine Tochter gründete die Manufaktur „Von Grau zu Blau“, kümmert sich um alles und entlastet damit ihren Vater. „Anfangs sammelten meine Frau und ich nur Steine, ich von Kindheit an, und wechselte dann zu blauem Glas. Daher der Titel.“

Neue Flaschen gern gesehen

Dank des Freundes Heinz Zolldann stellte Fred Schulz bereits in Schwaan aus. Ein Aufruf in der OSTSEE-ZEITUNG brachte ihm dabei auch Zuwachs an blauem Glas. Dennoch, die Steine hat er nicht vergessen und wird 2019 erstmals zu „Kunst offen“ seine Fossiliensammlung zeigen. Darunter sind museumsreife Ausstellungsstücke, wie seltene Beutelstrahler. Vieles fand er selbst wie in Kreide eingefasste Donnerkeile, anderes erwarb er.

Drei Tipps vom Sammel-Experten

Fred Schulz möchte zukünftigen Sammlern wertvolle Tipps mit auf den Weg geben: „Sammeln sollte eine Leidenschaft sein. Egal ist was man sammelt, Hauptsache man tut es aus Leidenschaft. Auch mit Kleinigkeiten beginnen. Es muss nichts Bedeutendes sein. Die Hauptsache ist, überhaupt anzufangen.“

Tipp 1: Immer auch auf eBay und anderen Sammelportalen schauen. Alle 20 Jahre wechselt der Wert bestimmter Gegenstände. Was heute hoch bezahlt werden muss, kann plötzlich an Attraktivität verlieren und günstig werden und dann sollte man zuschlagen. Langfristig muss man denken und Geduld haben.

Tipp 2: Es geht um die Geschichte des Objektes, nicht um den Wert. „Als mir in Schwaan ein älterer Herr ein blaues Pressglas schenkte, welches zwar eigentlich war, empfand ich gerade das als besonders. Allein die Geste war es. Meist landet so etwas auf dem Müll, ist also rar und wird so wieder wertvoll. Ich war gerührt“, erzählt Schulz.

Tipp 3: Klein anfangen, bescheiden bleiben und niemals aufgeben. Außerdem sollten Anfänger Möglichkeiten zur Präsentation suchen. Das spornt an, weiterzumachen und man findet den Austausch mit anderen Sammlern.

Doch auch blaues Glas wird er weiter sammeln und vielleicht kommt er eines Tages ins Guinness-Buch der Rekorde kommt mit der größten Blauglas-Sammlung der Welt. Wer Blauglas zu Hause hat und es loswerden möchte, kann es bei ihm abliefern. „Viele haben blaue Weinflaschen und wissen nicht, wie sie entsorgt werden können, weil es nur Braun-, Weiß- und Grünglascontainer gibt“, sagt Fred Schulz. „Ich kann sie dafür gut gebrauchen.“

Sabine Hügelland

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