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Bad Doberan Der Kümmerer und Zuhörer
Mecklenburg Bad Doberan Der Kümmerer und Zuhörer
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00:00 27.09.2018
Bis zu zehn Kinder und Jugendliche besuchen zweimal pro Woche den Jugendtreff in Alt Karin, für den Jugendsozialarbeiter Christian Heldt (r.) zuständig ist. Quelle: Fotos: Sabine Hügelland
Alt Karin

Die frisch gebackenen Waffeln schmecken den Kindern im Jugendtreff von Alt Karin besonders gut. Denn sie haben sich zuvor draußen ordentlich ausgetobt und nun ordentlich Appetit. Der Jugendsozialarbeiter Christian Heldt hat ein wachsames Auge auf seine Schützlinge, spielt mit und agiert vor allem als Berater für ihre Belange. Ihm zur Seite stehen seit drei Jahren die Ehrenamtlerinnen Meike Michael und Charlene Francke. „Die Kinder brauchen doch eine Anlaufstelle, zu der sie gehen können“, sagt Charlene Francke. „So hocken sie nicht allein zu Hause und können mit anderen Kindern spielen“, erklärt sie. „Christian unterstützt uns, wenn wir Bastelmaterial brauchen und anderes“, ergänzt Meike Michael.

Sozialarbeiter Christian Heldt leitet mehrere Jugendtreffs im Amtsbereich Neubukow-Salzhaff

Der elfjährige Tynn fühlt sich dort wohl: „Dass wir wegfahren und hier gemeinsam Hausaufgaben machen, finde ich toll.“ Frieda (13) sagt: „Basteln gefällt mir am Besten, und dass wir zusammen spielen.“ Christian Heldt ist weitaus mehr als nur ein guter Freund für die Kinder: „Meine Aufgabe ist es, ihre soziale Kompetenz und das Selbstbewusstsein zu fördern. Auch der Umgang mit Kritik sollte erlernt werden.“ Sein Arbeitsschwerpunkt liegt jedoch auf der Berufsfrühorientierung. „Ich kümmere mich um Jugendliche, die Schwierigkeiten in ihrer Ausbildung haben, sie womöglich abbrachen oder gar keine erhielten“, so Heldt. „Viele sind auch enttäuscht, weil der Beruf nicht ihren Vorstellungen entsprach oder sie mit den Lehrmeistern nicht auskommen.“

Der Jugendsozialarbeiter ist ebenfalls ein guter Zuhörer, wenn es um private Probleme der Jugendlichen geht. Nicht immer kann er so helfen, wie es ihnen zuträglich wäre. Das stimmt ihn bedenklich, doch der 54-Jährige weiß auch, dass jeder seinen Lebensweg allein gehen muss. „Solche Kinder und Jugendliche brauchen mehr Aufmerksamkeit. Sie haben alle meine Telefonnummer und können mich im Notfall auch am Wochenende erreichen.“ Es geht darum, den Teufelskreis zu durchbrechen, in denen sich einige befinden. Auslöser kann zum Beispiel Suchtverhalten sein. „Wir müssen sie auch weg vom Computer bekommen“, sagt der Sozialarbeiter. „Dafür bieten wir schon mal Alternativen, wie einen gemeinsamen Playstation- Abend, an.“

Christian Heldt arbeitet im Amt Neubukow-Salzhaff. Sein Arbeitgeber ist jedoch seit 2009 der Arbeiter Samariter-Bund Kinder- und Jugendhilfe (ASB KJH) in Rostock. „Leider kommen kaum Kinder aus der Umgebung in die Treffs“, sagt Heldt, der die fehlende Mobilität in den Dörfern bedauert. Immer dienstags und donnerstags von 15.30 bis 18 Uhr ist das Jugendzentrum in Alt Karin geöffnet, das bis zu zehn Kinder im Alter von sechs bis 19 Jahren besuchen. Ähnlich ist es in Krempin, wo Heldt den Treff allein alle 14 Tage donnerstags betreut. Im Jugendtreff Rerik ist er an drei Tagen pro Woche vor Ort. Dafür arbeitet er mit der Freien Schule zusammen. Höhepunkte für alle Treff-Besucher sind die Ausflüge, beispielsweise ins Kino Kühlungsborn oder in den Tierpark Wismar. Seit neuestem arbeitet er einmal die Woche in der Neubukower Grundschule, wo er Erlebnispädagogik anbietet. „Wir unternehmen viel, gehen zum Beispiel zum Bogenschießen, bei dem es um Konzentration, Ausdauer und Regeln geht“, sagt er.

Viel Unterstützung für seine Arbeit erhält er von der Bürgermeisterin der Gemeinde Cariner Land Heike Chrzan-Schmidt. „Auch im Sozialausschuss Rerik stoße ich auf offene Ohren“, sagt er. Mit den Kindern und Jugendlichen ist er dafür auf Gemeindefesten dabei, um zu unterstützen, jedoch auch um Präsenz zu zeigen.

Christian Heldt lebt in Kröpelin, ist zweifacher Vater und hat zwei Enkel. Ursprünglich kommt er aus einem Handwerksberuf und baute Möbel. Aus gesundheitlichen Gründen schulte er um und absolvierte in Schwerin eine viereinhalbjährige Ausbildung zum Sozialarbeiter. Seit 2006 ist er in der Kinder- und Jugendhilfe tätig. „Ich hatte erst Bedenken, denn zuvor arbeitete ich ja mehr allein.“ Er scheint jedoch für die Position wie geschaffen zu sein. Christian Heldt ist Harley-Davidson-Fan und tourt in seiner Freizeit mit dem Motorrad durch Deutschland und Europa. So holt er sich die Kraft, um sie an seine Schützlinge weiterzugeben.

Sabine Hügelland

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