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Bad Doberan Der Nordosten lebt gefährlich: Feuerwehr hält Fristen nicht ein
Mecklenburg Bad Doberan Der Nordosten lebt gefährlich: Feuerwehr hält Fristen nicht ein
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00:05 19.05.2017
Frederik Perner (21) denkt schon über die Anschaffung eines Feuerlöschers für seine Wohngemeinschaft in Toitenwinkel nach: „Man kann zwar selbst vorsichtig sein, aber es gibt hier jede Menge Nachbarn. Ein Feuer kann auch dort ausbrechen.“ Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Rostock. Über den Brandschutz in seinem Stadtteil hat sich Frederik Perner bisher kaum Gedanken gemacht: „Bei mir und meinen Freunden ist zum Glück noch nie was passiert.“ Doch spätestens seit der Brandserie in der Nacht zum Donnerstag kommt auch der 21-Jährige ins Grübeln: Perner lebt nämlich in Toitenwinkel, und dort hat die Feuerwehr nach wie vor riesige Probleme. Die Retter sind schlicht und ergreifend zu langsam. Das geht aus dem neuen Brandschutz-Bericht der Stadt hervor. Schon seit Jahren können Berufswehr und auch freiwillige Kräfte die vorgeschriebenen Hilfsfristen nicht einhalten. Und besser wird es in den nächsten Jahren nicht – denn dafür muss eine neue, weitere Feuerwache her.

„Bis jetzt hatte ich zum Glück noch keinen solchen Notfall, aber dann wäre es ja auch zu spät. Eine Feuerwache direkt im Wohngebiet wäre auf jeden Fall besser. “ Philipp Birkner (28), Dierkow
„Wie soll die Feuerwehr auch durchkommen? Selbst die Anwohner sind zu bequem, auf ihren Auffahrten zu parken, und blockieren die engen Kurven im Wohngebiet.“ Andrea Voth (56), Brinckmansdorf
„Solange es nicht brennt, macht man sich keine Gedanken. Aber die neue Wache muss her. Es ist wünschenswert, dass alle Stadtteile gleichermaßen versorgt werden.“ Detlef Zwick (51), Brinckmansdorf
„Die Leute haben es auch selbst in der Hand, ob die Feuerwehr schnell kommen kann. Wie oft sind die Straßen so zugeparkt, dass kein Rettungsfahrzeug durchpasst.“ Antje Nepars (36), Toitenwinkel

Hilfe in der Not

413

Brände musste die Feuerwehr in Rostock im vergangenen Jahr löschen. 58 Menschen wurden dabei gerettet. Tote gab es dabei zum Glück nicht.

2114

Einsätze zur sogenannten Hilfeleistung hatten die Retter zu leisten. Dazu zählten unter anderem Unfälle und Türöffnungen.

Probleme in sechs Stadtteilen

Betroffen ist nicht nur Toitenwinkel: In allen Stadtteilen, die zur sogenannten „Risikogruppe B“ gehören, haben die Retter zeitliche Probleme – in Gehlsdorf und in Dierkow, in der Gartenstadt und in Warnemünde, in Peez und Brinckmansdorf. Laut Vorgabe müssen dort bei einem Brand innerhalb von acht Minuten sechs Retter bei einem Feuer am Brandort sein. Immerhin leben fast 50000 Menschen in diesen Vierteln. Doch gerade mal bei einem Viertel der Einsätze halten die Wehren diese Frist ein. Eine Ursache für dieses Manko sei der starke Verkehr in der Hansestadt, sagt der zuständige Ordnungssenator Chris Müller (SPD). „Durch die Ampelschaltungen kommt es häufig zu Situationen, die unsere Retter ausbremsen. Das wird sich noch verschlimmern – weil wichtige Verbindungswege wie die Ulmenstraße zu verkehrsberuhigten Zonen werden“, übt Müller zwischen den Zeilen auch Kritik an den Planungen seines Kollegen Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne).

Rostock fehlt eine Wache

Der Hauptgrund für die zeitlichen Probleme ist aber ein anderer – und der ist seit Jahren bekannt: „Im Nordosten fehlt eine Feuerwache“, sagt Uwe Friesecke (CDU), Ortsbeiratschef in Alt-Dierkow. „Wenn bei uns was passiert, muss die Feuerwehr aus der Südstadt oder dem Seehafen anrücken. Natürlich dauert das zu lange. Wenn es brennt, sind Menschenleben in Gefahr. Dann zählt jede Minute.“ Friesecke und seine Ortsbeiratskollegen im Nordosten drängen weiter auf eine Lösung. „Die neue Wache sollte ursprünglich mal bis 2012 fertig sein. Mit jeder Woche, die vergeht, gefährden wir Leib und Leben der Rostocker. Vom Senator höre er bisher nur „Worthülsen“: „Erst wenn wir den ersten Spatenstich für die neue Wache setzen, werden wir im Nordosten aufatmen können.“ Das sieht Anke Knitter (SPD), Chefin des Ortsbeirates Toitenwinkel, ähnlich: „Manche Dinge ändern sich in Rostock leider viel zu langsam. Wir sind unzufrieden, wie das Rathaus mit dem Thema Brandschutz im Nordosten umgeht.“ Senator Müller habe zugesagt, dass die neue Wache im Idealfall ab 2018 gebaut werden könne: „Das ist wieder eine Verzögerung. Sehr unerfreulich.“ Knitter wolle die Stadt auf einen Baustart 2018 „festnageln“.

Müller: Planungen laufen

Gegenüber der OZ versichert der Senator, dass die Planungen intensiv vorangetrieben werden: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, einen Bebauungsplan aufzustellen.“ Müller sagt, der Neubau sei das aktuell wichtigste Vorhaben für den Brandschutz in der gesamten Stadt: „Wir werden mit der neuen Feuer- und Rettungswache die Ausrückzeiten im Nordosten deutlich verbessern.“

Als neuen Standort für die Wache hat die Verwaltung eine Fläche im Dreieck zwischen Hinrichsdorfer Straße und Dierkower Damm im Auge. Das Grundstück soll der Stadt selbst gehören, die Autobahn A

19 und somit auch der Seehafen wären binnen weniger Minuten zu erreichen. Unklar ist jedoch, ob auch die freiwillige Feuerwehr an diesen Standort ziehen wird.

Anwohner in Sorge

„Eine Feuerwache im Wohngebiet ist natürlich immer besser als außerhalb“, sagt auch der Dierkower Philipp Birkner. Zum Glück sei in seinem Umfeld bisher nichts Ernstes passiert. Antje Nerpas aus Toitenwinkel appelliert aber auch an alle Anwohner der Stadtteile, die Rettungswege frei zu halten. „In einigen Wohngegenden muss die Feuerwehr auch Zeit verlieren, da sie gar nicht durch kommt, weil alles widerrechtlich zugeparkt ist.“ Frederik Perner denkt inzwischen über einen privaten Feuerlöscher nach. „Gerade in Mehrfamilienhäusern ist die Gefahr für ein Feuer ja besonders gegeben.“ Dann will zumindest er vorbereitet sein.

Ove Arscholl und Andreas Meyer

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