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Bad Doberan Der mühsame Weg zur Arbeit
Mecklenburg Bad Doberan Der mühsame Weg zur Arbeit
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00:00 25.01.2018
Letzte Woche kam der Bus 20 Minuten später. Als Pendler plant man so was mit ein. Heiko Protopopow (39), Schwerin
Hohenfelde

Rostock/Schwerin. Pendlerland MV: Im Nordosten fährt jeder dritte Berufstätige regelmäßig zwischen Arbeitsplatz und Wohnort hin und her. Etwa 70 Prozent nutzen für diesen Weg das Auto, rund sieben Prozent Bus und Bahn, mit dem Rad sind knapp 13 Prozent unterwegs, zu Fuß immerhin neun Prozent.

Jeder dritte Beschäftigte im Nordosten pendelt

Besonders starken Pendelverkehr gibt es in den beiden großen Städten Schwerin und Rostock. In der Hansestadt wohnen 76243 Beschäftigte. 29 Prozent von ihnen pendeln zur Arbeit in einen anderen Kreis. Auf der anderen Seite pendeln 32908 Menschen aus den umliegenden Landkreisen zur Arbeit nach Rostock. Damit sind mehr als ein Drittel der in Rostock arbeitenden Menschen Pendler und wohnen außerhalb. Einer von ihnen ist Heiko Protopopow. Seit 16 Jahren fährt er täglich mit Auto, Bahn und Fahrrad zur Arbeit nach Rostock. Der 39-Jährige wohnt am Stadtrand von Schwerin und fährt mit seinem Auto jeden Morgen nach Bad Kleinen, dort steigt er dann in den Zug. „Da ich am Stadtrand wohne, lohnt es eher nach Bad Kleinen zu fahren, denn am Bahnhof in Schwerin ist die Parkplatzsuche schwierig“, sagt er. Die Entscheidung die Bahn von Bad Kleinen nach Rostock zu nutzen, hat nicht nur finanzielle Gründe. „Wenn ich will, kann ich während der Zugfahrt auch mal die Augen zumachen“. Am Bahnhof in Rostock hat Protopopow ein Fahrrad stehen, mit dem er dann die letzten Kilometer bis zur Arbeit zurücklegt. Verspätungen sind selten. „Letzte Woche war das mit dem Wetter schwierig, da kam der Bus mal 20 Minuten später“, sagt er und ergänzt, „aber als Pendler plant man so was ja mit ein“.

So entspannt wie Heiko Protopopow sehen andere das Thema nicht. Für viele kommt das Pendeln mit der Bahn gar nicht erst infrage. Christin Prochnow (36) wohnt in Grevesmühlen und fährt täglich nach Rostock zur Arbeit. „Ich würde eigentlich gern mit dem Zug fahren“, sagt sie. „Im Auto muss man die ganze Zeit hellwach sein, da wäre das Bahnfahren schon entspannter.“ Doch der Aufwand sei ihr zu groß. Sie empfinde die Abfahrtszeiten als zu unflexibel und den Takt als zu gering.

Wieder andere wollen gar nicht pendeln – weder mit Bahn noch mit Auto. Jolika Voß arbeitet und wohnt derzeit in Schwerin. Seit kurzem hat die 42-Jährige einen Freund in Bützow. „Zurzeit fahre ich meist am Wochenende mit der Bahn zu ihm“, sagt sie. Doch auf Dauer sei ihr das zu teuer und auch zu anstrengend. „Es geht so viel Zeit für das Fahren dabei drauf. Und wenn die Züge dann mal ausfallen, hängt man fest und kommt gar nicht weg“. Daher will Jolika Voß demnächst nicht nur umziehen, sondern sich auch einen neuen Arbeitsplatz suchen – in der Nähe ihres Freundes.

Volle Straßen und rote Ampeln nerven in Wismar

Kurz vor sieben steigt Thomas Hansen jeden Morgen ins Auto. „Dann überlege ich, ob ich die Autobahn nehme oder doch die Landstraße“, erzählt der 31-Jährige. Seit Ende 2015 pendelt Hansen von Neukloster nach Wismar. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das in einer Großstadt ist – mir reicht schon der Verkehr in Wismar.“

Nervige Autofahrer, volle Straßen im Sommer, eine fehlende grüne Welle: „Eigentlich will ich mich von all diesen Dingen nicht mehr stressen lassen. Es ändert ja nichts.“ Eine Dreiviertelstunde ist er morgens und abends unterwegs. Nach Wismar ziehen will Hansen trotzdem nicht. „In Neukloster fühlen wir uns wohl. Und wenn ich in ein paar Jahren die Firma von meinem Vater übernehme, ist das Pendeln hoffentlich vorbei.“

Dass das Pendeln ein Ende hat, war auch Ramona Schönings einziger Lichtblick. Jahrelang ist die 37-Jährige täglich von Wismar nach Hamburg gefahren. Ein 14-Stunden-Tag. „Ich habe die Bahn genommen – das war angenehmer als mit dem Auto.“ Doch der Alltag war straff durchorganisiert, um pünktlich am Zug zu sein. Streikte die Bahn, blieb Schöning in Hamburg bei Freunden. „Da war ich jünger. Heute möchte ich das nicht mehr machen.“ Sie hat jetzt zwei Kinder. „Da verpasst man ja so viel, wenn der Tag so lang und man kaum zu Hause ist.“

Inzwischen haben sowohl die Informatikerin als auch ihr Mann in Rostock einen Job gefunden und dafür den Wohnort gewechselt. „Die Aussicht darauf, dass sich dieses Hamsterrad ohne Ende dreht, hätte mich nicht glücklich gemacht.“ Auch wenn sie Wismar sehr vermisse, könne sie nicht klagen. Heute fährt Ramona Schöning mit der Straßenbahn zur Arbeit. te

Hohenfelder fährt täglich mit dem Rad zur Arbeit

Ob Regen, Sonne oder Wind – seit sechs Jahren fährt Stefan Scherff jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Von Hohenfelde radelt der 47-Jährige nach Rostock. Ausnahme: „Wenn Sturm ist, dann wird es Quälerei, und es soll ja auch Spaß machen“, sagt er.

Nach einer Knie-OP hatte der Hohenfelder entschieden, für den Arbeitsweg das Rad zu nehmen. „Der Arzt sagte zu mir, wenn ich was machen will, soll ich schwimmen oder Rad fahren.“ Denn Stefan Scherff leidet unter Arthrose. „Seitdem ich Rad fahre, habe ich keine Probleme mehr“, sagt er. Und das treffe nicht nur auf das Knie zu. „Erkältung und Rückenschmerzen sind Fremdwörter für mich.“ Für den täglichen Weg zur Arbeit – Scherff ist Leiter der C&A-Filiale in Rostock – hat er sich extra Wetterkleidung gekauft. Täglich geht es von Hohenfelde über Althof, den Parkentiner Landweg über Klein Schwaß und den Barnstorfer Wald ins Stadtzentrum. 22 Kilometer pro Strecke. Dafür brauche er zwischen 40 und 45 Minuten – je nach Wind. Der Ehrgeiz, den Weg schneller zurückzulegen, komme mit der Zeit. „Mittlerweile bin ich auch schon Marathon gefahren. 300 Kilometer von Duisburg an die Nordsee“, erzählt der Filialleiter stolz. Sein Arbeitsweg sei gut ausgebaut. „Der Radweg von Parkentin nach Klein Schwaß wurde gerade gemacht“, sagt der ehemalige Fußballspieler.

Einen Rat für diejenigen, die überlegen, auch öfter mal auf das Rad zu steigen: „Einfach anfangen. Mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, nimmt nicht wesentlich mehr Zeit in Anspruch“, sagt Stefan Scherff. Er sei mit dem Auto im morgendlichen Berufsverkehr gerade mal zehn Minuten schneller. al

Dana Frohbös

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