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Die EU verlangt einen neuen Plan gegen den Lärm

Die EU verlangt einen neuen Plan gegen den Lärm

Rostocker sollen ihre Ideen einbringen / Einige Brennpunkte seit 2014 entschärft

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Anneke Wallbaum begegnet dem Straßenlärm in Rostock.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl (2), Lena Kunitz (3)

Rostock. Mitte Juli muss Rostock bei der Europäischen Kommission in Brüssel Bericht erstatten. Dann hat die Hansestadt vorzutragen, was sie bisher gegen krankmachenden Lärm unternommen hat und was in den nächsten Jahren passieren soll. Grundlage ist der Lärmaktionsplan von 2014, der jetzt mit Beteiligung der Öffentlichkeit weiterentwickelt wird. Einiges wurde bereits abgearbeitet, neue laute Stellen kamen seitdem dazu.Tausende Rostocker sind immer noch von Krach betroffen, der die Gesundheit schädigen kann.

 

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„„Also ich selbst wohne in einem sehr ruhigen Haus und ich versuche sozusagen, mich dem Lärm zu entziehen.“Katrin Wagner (53) Kröpeliner-Tor-Vorstadt

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„„Ich lebe beim Bahnhof und da ist es leise. Den Lärm bemerke ich nur an den vierspurigen Straßen zum Feierabend.“Sasha Andree (31) Südstadt

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„„Bei Planungen muss wirksamer Schallschutz berücksichtigt werden, damit dort ein gutes Wohnen möglich ist.“Dagmar Koziolek Amt Für Umweltschutz

Mit den inzwischen vorliegenden Lärmkarten könne die Stadt reagieren, erklärt Dagmar Koziolek, Leiterin der Abteilung Immissionsschutz im Rostocker Umweltamt. „Es gibt Lärmbrennpunkte zu beseitigen“, stellt sie fest. Und die Stadt müsse bei Planungen schon im Vorfeld auf wirksamen Schallschutz achten und bestimmte Dinge bei der Wohnbebauung festlegen, damit gar nicht erst neue laute Stellen entstehen. Neue Baugebiete und Verdichtung in der Innenstadt brächten immer auch Konflikte mit sich zwischen Verkehr und Wohnen oder Wirtschaft und Wohnen.

Stadt beauftragt Unternehmen mit der Planung

Bei der Lärmaktionsplanung hat sich die Stadt externen Sachverstand mit ins Boot geholt. Die LK Argus GmbH mit Sitz in Berlin und Kassel arbeitet seit November 2006 bundesweit an einer Vielzahl von Projekten zum Thema Lärm, seit August 2017 auch am „Lärmaktionsplan für den Ballungsraum Rostock, Stufe III“. Mitarbeiter Alexander Reimann berichtete nun im Ausschuss für Stadtentwicklung über den aktuellen Stand. „Wir müssen überlegen, wie wir die Vorhaben effektiver angehen.“

Insgesamt mehr als 60 Bereiche entlang von Straßen, Straßenbahn und Industrieanlagen wurden als zu laut für die Menschen identifiziert. Rund 2900 Rostocker sind vom gesundheitsgefährdenden Lärm durch Straßenverkehr betroffen, rund 2600 durch die Straßenbahnen, so die Zahlen, die 2013 ermittelt wurden. Beim Eisenbahnverkehr gibt es im Stadtgebiet 14 Stellen, an denen gesundheitsrelevante Werte gemessen wurden – am Tag und in der Nacht oberhalb von 65 beziehungsweise 55 Dezibel. Betroffen sind hier über den ganzen Tag 1600 und nachts 2200 Rostocker. An den lautesten Stellen müssen Anwohner sogar mehr als 70 Dezibel ertragen, wem dem Krach entspricht, den ein Staubsauger oder ein in zehn Meter Entfernung vorbeifahrendes Auto machen.

Neue Fahrbahnen senken Lärmpegel

„Rostock orientiert sich mit den Werten am Umweltbundesamt. Betroffen sind vor allem die Innenstadtbereiche“, sagt Alexander Reimann. In den vergangenen zwei Jahren konnte in Sachen Lärmminderung bereits einiges erreicht werden, berichtet er. Beispielsweise sank die Belastung entlang der Hamburger Straße und Am Strande durch den Einbau neuer Asphaltdecken oder durch das Schließen von Schlaglöchern an anderen Stellen. Es kamen allerdings auch neue Brennpunkte dazu. Durch die Zunahme von Verkehr wurden zuletzt Straßen in Gehlsdorf als zu laut identifiziert, berichtet Reimann. Für besonders betroffene Bereiche an der Neubrandenburger, der Herwegh- und der Blücherstraße gebe es Machbarkeitsuntersuchungen, wie das Lärmproblem beseitigt werden kann. Ein Punkt an dem es hakt, sei die Umsetzung von Tempo 30-Zonen, um den Autolärm zu reduzieren, erläutert Alexander Reimann. Sechs Bereiche sind im ersten Plan festgelegt. Dazu gehören zum Beispiel die Park- oder die Rostocker Straße in Warnemünde. Sonja Schweinitz aus der UFR-Fraktionen fordert, dass im Lärmaktionsplan auch Maßnahmen genannt werden, um den Verkehr flüssiger und somit leiser zu machen.

CDU-Bürgerschaftsmitglied Karina Jens setzt auch darauf, dass mit der stärkeren Verbreitung von Elektroautos die Probleme sowieso geringer werden.

Geringere Belastung durch die Straßenbahn

Gute Noten bekommt die Rostocker Straßenbahn AG von Alexander Reimann. „Die Belastung ist geringer als vor fünf Jahren.“ Die RSAG habe alle Maßnahmen des Lärmaktionsplans umgesetzt. Das betrifft insbesondere Arbeiten an den Weichen und den Schienen wie am Werftdreieck oder am Leibnitzplatz, die den Straßenbahnbetrieb deutlich leiser machen. An der Wismarschen Straße gebe es wie an der Doberaner Straße das Problem der Doppelbelastung durch den Nahverkehr und die Autos. Hier prüft die Stadt gegenwärtig den Einsatz eines lärmmindernden Fahrbahnbelags.

Beim Eisenbahnlärm habe sich dagegen bisher kaum etwas verändert, kann Alexander Reimann feststellen. „Die Umsetzung von Lärmschutz lässt zu wünschen übrig.“ Hier müsse die Stadt eine neue Strategie, beispielsweise zum Bau von Lärmschutzwänden, entwickeln. Reimann denkt vor allem an den Bereich zwischen Hauptbahnhof und Parkstraße.

Rostocker sollen aktiv Vorschläge machen

Die Rostocker sind in den kommenden Wochen und Monaten wieder aufgefordert, sich aktiv in die Diskussion einzubringen, sagte Dagmar Koziolek in Ausschuss für Stadtentwicklung. Jetzt gehe es in die aktive Phase der Bürgerbeteiligung. Zu „Stufe 3“ der Lärmaktionsplanung gibt es im Juni ein öffentliches Forum. Regelmäßig können Interessierte sich auch auf der Internetseite www.rostock-wird-leiser.de informieren und Hinweise geben. Bis Mitte Juni soll der Maßnahmenplan stehen, im Juli geht dann der Bericht nach Brüssel. Alle fünf Jahre muss Rostock die Pläne zum Lärmschutz überarbeiten.

46 Stellen entlang von Straßen und Straßenbahnschienen wurden 2014 im Lärmaktionsplan als zu laut ermittelt. Rund 2900 Rostocker sind vom gesundheitsgefährdenden Lärm durch Straßenverkehr betroffen, rund 2600 durch die Straßenbahnen.

Beim Eisenbahnverkehr gibt es im Stadtgebiet 14 Stellen, an denen gesundheitsrelevante Werte gemessen wurden – am Tag und in der Nacht oberhalb von 65 beziehungsweise 55 Dezibel.

Betroffen sind hier über den ganzen Tag 1600 und nachts 2200 Rostocker.

Thomas Niebuhr

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