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Bad Doberan „Die Geschichte meiner Familie im Dorf reicht 150 Jahre zurück“
Mecklenburg Bad Doberan „Die Geschichte meiner Familie im Dorf reicht 150 Jahre zurück“
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00:00 13.07.2018
Parkentin

„Diese Buche hat mein Vater 1923 gepflanzt, als er 14 Jahre alt war“, sagt lächelnd Hans Freudenreich (65) und zeigt mit etwas Stolz auf den großen, ehrwürdigen Baum hinter seinem Haus, der in diesem heißen Sommer durch seine breit ausladenden Äste angenehmen Schatten spendet. „Alle Jungen in der Familie mussten einen Baum pflanzen, das war Tradition. Ich habe zwei Fichten in die Erde gebracht – aber die musste ich schon fällen.“ So stehen auf dem 4000 Quadratmeter großen, etwa 150 Jahre alten Familienanwesen zahlreiche Obstbäume und Sträucher. „Ja, hier ist viel Arbeit. Aber noch schaffe ich die Pflege des Gartens allein, und mit meinem kleinen Rasentrecker geht’s leichter. Die Kinder sind schon lange aus dem Haus, sind gut versorgt“, sagt der 65-Jährige, der von Geburt an hier in seinem Elternhaus lebt. „Parkentin ist meine Heimat, tief bin ich hier verwurzelt. Nichts bringt mich von hier weg.“

Hans Freudenreich hat viel über seinen Heimatort Parkentin zu erzählen

Seine Familie gehört zu den Alteingesessenen im Ort. Deshalb kann Hans Freudenreich viel erzählen über das Dorf und seine Familiengeschichte. Viele alte Fotos und Aufzeichnungen lassen sie lebendig werden. Sein Urgroßvater Adolf Freudenreich gründete 1870 in Parkentin die Schmiede, die dann Großvater Fritz als Schmiedemeister übernahm. Ostern 1926 jedoch brannte das reetgedeckte Wohnhaus der Familie völlig ab: „Also wurde ein neues Haus gebaut, und bereits zu Weihnachten des gleichen Jahres hatte die Familie wieder ein Dach über dem Kopf.“ Nach dem Tode des Großvaters Fritz 1953 übernahmen dann die Eltern das Familienanwesen. „Mein Vater jedoch brach mit der Schmiedemeister-Familientradition und wurde Lehrer“, erzählt der Senior. „Also wurde das Gewerbe von Schmiedemeister Leverenz bis in die 1960er Jahre weitergeführt.“

An Kindheit und Jugend im Dorf denkt Hans Freudenreich gern zurück: „Damals spielte sich das Leben vorwiegend auf der Straße ab, es fuhr ja kaum ein Auto. Wir Kinder hatten immer Ideen, waren gemeinsam unterwegs – im Dorf, im Hütter Wohld, gebadet haben wir im dortigen Badeteich. Und was haben wir Völkerball gespielt!“

Im heutigen Gemeindebüro befand sich die alte Dorfschule, in der die Klassen 5 bis 8 unterrichtet wurden – für die Grundschulklassen eins bis vier fand der Unterricht in einer vor Jahren bereits abgerissenen Baracke statt. Auf diesem Platz steht heute das 1996 erbaute Feuerwehrgebäude. „Ja, ich habe mich tapfer durch die Schulzeit geschlagen“, meint der Parkentiner augenzwinkernd.

„Wir hatten einen sehr strengen Mathematiklehrer, dem so manches Mal die Hand ausrutschte, wenn wir nicht aufmerksam waren. Heute unvorstellbar! Aber er war ein wunderbarer und kluger Lehrer, der uns viel beibrachte.“ Überhaupt sei das Leben damals viel ruhiger, beschaulicher und gemütlicher gewesen, so der Parkentiner nachdenklich: „Und viele Feste wurden gefeiert.“

Heute lebt Hans Freudenreich nach 46 Berufsjahren bei der Deutschen Bahn zufrieden in seinem Heimatdorf, lobt die hohe Lebensqualität. So gebe es vier Neubaugebiete, zwei Kitas, einen Reitverein, den Sportverein mit etwa 200 Mitgliedern, den Skatverein, die Heimatstube, die Feuerwehr, den Dorfkonsum, eine Zahnarztpraxis, den Bund der Rentner und Hinterbliebenen, die Gaststätte „Zum Kutscher“, die Grundschule, zählt der Senior auf: „Und natürlich unsere Kirche mit Pastor Krause. Sie bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein vielseitiges, interessantes Programm. Ja, und nicht zu vergessen die zahlreichen Firmen, die Einwohnern Arbeit geben und die Vereine großzügig unterstützen.“

Wilma Welzel

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