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Bad Doberan Die Tapeten im Gutshaus hüteten ein Geheimnis
Mecklenburg Bad Doberan Die Tapeten im Gutshaus hüteten ein Geheimnis
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00:45 24.04.2018
Klaus und Theresia Schaff im Gartensaal des Gutshauses. Sie leben und arbeiten dort. Quelle: Fotos: Sabine Hügelland
Gersdorf

Es barg ein Geheimnis, das jahrzehntelang nicht entdeckt wurde: das Gutshaus von Gersdorf. Friedrich Wilhelm Pauly ließ es zwischen 1864 und 1868 im neogotischen Stil errichten. 1998 erwarben es Klaus und Theresia Schaff von der Gemeinde. „Als wir es damals suchten, haben wir es vor Unkraut nicht sehen können“, erinnert sich Klaus Schaff. „Unsere Bekannten fragten damals nur, was wollt ihr damit?“ Denn Fenster und Türen waren zugenagelt, die Fassade bröckelte, der Garten zugewachsen. Innen war nichts mehr von der einstigen Pracht zu sehen. Das Haus besaß den Charme der verwelkten Vergangenheit.

Klaus und Theresia Schaff sanierten das Herrenhaus in Gersdorf

„Die damalige Leiterin des Amtes Neubukow-Salzhaff, Iris Mazewitsch, machte uns auf das Gutshaus aufmerksam und verwies uns an Bürgermeister Dieter Schulz. Die Zusammenarbeit in Bezug auf die Restaurierung war mit ihm und der Gemeinde Biendorf sehr angenehm“ erinnert sich Klaus Schaff. Der Architekt baute das Gutshaus wieder auf und integrierte darin neben Wohnraum auch Räumlichkeiten für seine Firma IBS Ingenieurbüro Schaff, Projektentwicklung im Bauwesen GmbH.

Viele Eigenheime bauten das Ehepaar schon in Tessmannsdorf, Wischuer, Rerik, Steffenshagen und der weiteren Umgebung. Ihre beiden Söhne sind ebenfalls Architekten und übernehmen viele Aufgaben im Architekturbüro in Stuttgart. „Ich bin immer mit schlechtem Gewissen nach MV geflogen, so gründeten wir auch hier eine Firma, um zu arbeiten“, sagt Schaff.

Seit eineinhalb Jahren fliegt der 65-Jährige nur noch selten nach Stuttgart. „Ich habe keinen Tag hier bereut. In Mecklenburg lebt es sich gelassener als in Baden- Württemberg.“ Außerdem ist das Paar von Anfang an in Gersdorf sehr herzlich aufgenommen worden. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir bei Monika und Fritz Bruhn in der Küche saßen. Sie haben uns über das Gutshaus und den Ort einiges erzählen können“, erinnert sich Klaus Schaff.

Doch warum zog es das Ehepaar Schaff nach MV? „Meine Frau sagte nach der Wende, jetzt kann ich dir meine Verwandtschaft zeigen, die nach dem Krieg aus Ungarn vertrieben wurde und hier eine neue Heimat fand.“ Doch auch die Jagdgebiete lockten den passionierten Jäger her. Beide entdeckten bei Besuchen ihre Liebe zur mecklenburgischen Landschaft und beschlossen, sich einen Bungalow in Tessmannsdorf auszubauen, bevor sie das Gutshaus erwarben.

Nur zwei Jahre dauerte die Sanierung des Gutshauses, die Kostbares zum Vorschein brachte. „Du musst unbedingt herkommen, ich habe Bilder entdeckt“, informierte mich unser Bauleiter und Architekt Eckart Nagel. „Hinter mehr als fünf Lagen Tapete versteckten sich wertvolle Malereien im Gartensaal“, so Klaus Schaff. „Das Landesdenkmalamt war begeistert. Mir war es als Architekt wichtig, dass die Restauration fachgerecht ausgeführt wird. Deshalb haben wir den bekannten Restaurator Heiko Brandner damit beauftragt.“ Auch die prachtvolle Stuck-Decke mit zarten Goldornamenten im Gartensaal wurde wieder hergestellt.

Acht Monate dauerte die Restaurierung des Saales, der eine besondere Geschichte hat: „Der Sohn der Gutsherrin Madame Pauly wollte heiraten und machte zuvor eine sogenannte Kavaliersreise. Die Bilder, vor allem das mit der Ansicht von Neapel, die es wirklich so gibt, brachte er als Inspiration mit“, weiß Klaus Schaff. Die Urenkelin von Madame Pauly, Dorle von Estorff, zeigte sich glücklich, dass Familie Schaff das Gutshaus wieder mit Leben füllte. Sie kommt meist einmal im Jahr zu Besuch und hat immer Interessantes aus ihrer Kindheit in Gersdorf zu berichten. Früher gastierten der Adel und Künstler im Haus. Davon zeugt noch ein Gästebuch.

Sabine Hügelland

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