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Bad Doberan Die böse Seite der digitalen Welt
Mecklenburg Bad Doberan Die böse Seite der digitalen Welt
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00:01 28.10.2017
Symbolbild: Ein sechsjähriges Mädchen sitzt an einem tragbaren Computer. Quelle: Fotos: Ove Arscholl, Cornelius Kettler (3)
Bad Doberan/Wismar/Rostock

Eine 13-jährige aus der Nähe von Wismar chattet im Internet – so wie es die meisten ihrer Freunde auch tun. Sie lernt einen 19-Jährigen aus Lübeck kennen.

Gewalt, Pornografie, sexueller Missbrauch oder Spielsucht – Polizei und Medienexperten klären auf

Kurze Zeit später steht dieser plötzlich mit seinem 31 Jahre alten Onkel persönlich vor der Tür des Mädchens. Die beiden Männer sollen die 13-Jährige sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Sie verschwanden erst, als die Mutter des Mädchens nach Hause kam. Am 18. Oktober hat gegen die beiden Männer nun der Prozess vor dem Landgericht Schwerin begonnen (OZ berichtete). Sie bestreiten die Vorwürfe. Der Prozess wurde jetzt wegen Befangenheitsanträgen ausgesetzt.

Der Fall des jungen Mädchens ist ein Beispiel für die Gefahren im Internet, die auf der Leichgläubigkeit und Unerfahrenheit von Kindern aufbauen. „Dazu gehören auch Betrugsversuche durch Abo-Fallen oder nicht gekennzeichnete kostenpflichtige Dienste“, sagt Steffen Florian von der Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern. „Die Gefahren für Kinder ähneln denen, die für alle Menschen gelten, die sich im Internet bewegen“, sagt er. So sei das Ausspähen und der Missbrauch von persönlichen Daten oder Profilen möglich. Auch könnten durch Online-Spiele Süchte entwickelt werden, oder Kinder und Jugendliche stoßen im Internet auf verstörende Inhalte, wie Gewalt, Pornografie, Hetze, politisch extreme Inhalte und Meinungen.

Bedrohung und Nötigung

Ein weiteres Risiko stellt das sogenannte Cyber-Mobbing dar: „Häufig kommt es im Internet zu Beleidigungen oder sonstigen verbalen Angriffen“, sagt Anna Hermann vom Landeskriminalamt (LKA).

Regelmäßig gingen bei der Polizei auch Anzeigen wegen Bedrohungen ein, die über soziale Medien, wie Facebook oder Whats-App, versandt worden seien. „Zudem sind Fälle im Zusammenhang mit der Thematik ,Sexting’ bekannt geworden“, sagt Hermann. Sexting bedeutet, zum Teil freizügigste Bilder von sich zu verschicken. Doch dann werden die Nackt- und teilbekleideten Fotos plötzlich in Gruppenchats hochgeladen. „Opfer und Täter befinden sich hier oft im selben schulischen Umfeld“, so Hermann. Auch Verstöße gegen das Urheberrechtsgesetz stellten eine Gefahr dar. „Viele Kinder und Jugendliche laden sich im Internet Lieder und Videos herunter und tauschen sie untereinander aus. Dabei wissen sie oft nicht, woher diese Daten ursprünglich stammen.“

So schützen Eltern ihre Kinder

Doch wie können Eltern ihre Kinder am besten schützen? „Durch eine umfassende Aufklärung im Umgang mit dem Medium Internet“, sagt Florian Steffen von der Landesmedienanstalt. Eltern sollten sich gemeinsam mit ihren Kindern über digitale Inhalte und Dienste austauschen, auf potenzielle Gefahren hinweisen und sie für den verantwortungsvollen Umgang mit ihren Daten und dem Medium Internet sensibilisieren, so Steffen.

Hermann betont: „Ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Kindern ist auch bei diesem Thema entscheidend, um stets als erster Ansprechpartner zu fungieren.“ Eltern sollten ihr Kind beim Surfen im Internet begleiten. „Dies bedeutet aber keine ständige Kontrolle“, sagt die LKA-Sprecherin. In Rufweite zu sein, genüge, um dem Kind gegebenenfalls Hilfestellung zu geben.

Filtersoftware installieren

Entsprechend dem Alter des Kindes sollte auch eine kindgerechte Startseite und eine Filtersoftware auf dem Computer installiert werden. „Damit wird verhindert, dass das Kind schädliche, illegale oder jugendgefährdende Seiten aufruft“, so Hermann. Generell sollten Eltern ihre Kinder mit den Sicherheitsregeln im Internet vertraut machen. „Dazu gehört, dass es persönliche Daten über sich und die Familie nicht online weitergeben darf.“ Kinder müssten wissen, dass sie sich niemals allein mit einem anonymen „Cyberfreund“ treffen dürften. „Es ist auch hilfreich, mit dem Kind zu vereinbaren, dass es seine Eltern fragen muss, bevor es etwas herunterlädt oder an Gewinnspielen teilnimmt“, sagt Hermann.

Eltern könnten mit ihrem Kind zum Beispiel ein eigenes Verzeichnis mit Lesezeichen und Favoriten erstellen, das gemeinsam gepflegt und erweitert werde. „So kann das Kind seine Lieblingsseiten direkt anwählen und muss nicht wahllos im Netz herumsuchen.“

Hier gibt es Hilfe

Verdächtige Internetseiten oder vermutete Internetkriminalität können Betroffene dem Landeskriminalamt auf der Online-Meldestelle www.netzverweis.de angezeigen. Bei Verstößen treten zudem die Landesmedienanstalt und jugendschutz.net an Anbieter heran und fordern die Löschung der Inhalte.

Anerkannte Jugendschutzprogramme kostenlos herunterladen

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat 2012 erstmals zwei

Jugendschutzprogramme anerkannt. Das Programm von JusProg e. V. können Eltern und Erzieher unter www.jugendschutzprogramm.de kostenlos herunterladen. Das Programm der Deutschen Telekom kann kostenlos unter http://t-online .de/kinderschutz abgerufen werden. Die Anerkennung wurde an Auflagen geknüpft, weil zwar der notwendige Mindestschutz erreicht ist, die Programme aber weiterentwickelt werden müssen.

Jugendschutzprogramme basieren meist auf Filtersystemen, die problematische – und erst recht auch verbotene – Inhalte über Sperrlisten (wie die Blacklist der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende

Medien) und Klassifizierungsverfahren filtern.

So sollen nur Inhalte

sichtbar werden, die für die eingestellte Altersstufe geeignet oder zumindest unproblematisch sind.

Einen Rundum-Sorglos- Schutz können aber auch technische Schutzmaßnahmen nicht bieten, betont die KJM. Sie seien deshalb kein Ersatz dafür, Kinder im Internet zu begleiten.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.polizeifürdich.de und www.klicksafe.de.

André Wornowski und Michaela Krohn

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