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Bad Doberan „Diese Lücke wird nicht zu schließen sein“
Mecklenburg Bad Doberan „Diese Lücke wird nicht zu schließen sein“
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00:01 11.01.2018
Auch Thomas Endrulat (M.) freute sich über neue Regenjacken für die Jugendwehr, gesponsert von der Jagdgenossenschaft Biendorf. Quelle: Foto: Hügelland
Biendorf

„Das ist ein großer großer Verlust in jeder Beziehung – als langjähriger Gemeindevertreter, als stellvertretender Bürgermeister und Feuerwehrchef – er war super engagiert“, sagt die sichtlich ergriffene Bürgermeisterin der Gemeinde Biendorf, Peggy Freyler, über den plötzlichen Tod von Thomas Endrulat. Der Uhlenbrooker ist am vergangenen Sonntag im Alter von nur 53 Jahren unerwartet gestorben. „Mit ihm verlieren wir wirklich eine Wahnsinnskraft in der Gemeinde – wenn Thomas ,Ja’ gesagt hat, hat er gemacht. Und er hat ganz oft ,Ja’ gesagt“, betont die Bürgermeisterin und lobt mit traurigem Unterton: „Er hat so viel geschafft. So einen Einsatz für die Allgemeinheit werden wir nicht wieder finden – diese Lücke wird nicht zu schließen sein, gar nicht“.

Am Sonntag ist der langjährige Wehrführer und Gemeindevertreter Thomas Endrulat (53) verstorben

Seit März 1996 war er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr

Der Verlust für die Gemeinde sei bestimmt groß, aber für seine Familie sei er unermesslich: „Das ist ganz schlimm“, fügt Peggy Freyler noch hinzu.

Thomas Endrulat stöberte laut seiner Frau Ulrike am Sonntag gegen Mittag mit einem Kumpel „einfach im Revier rum“ und soll plötzlich umgefallen sein. Sein Freund soll ihn dann aus einem Graben gezogen, den Notarzt gerufen und mit Herzdruckmassage versucht haben, ihn wiederzubeleben – vergeblich. Thomas Endrulat hinterlässt seine Frau mit zwei Söhnen.

Die letzten Jahre arbeitete der Uhlenbrooker bei der Autobahnmeisterei Upahl. Früher unterrichtete er unter anderem am Landesforstamt in Bad Doberan angehende Waldarbeiter und arbeitete im Außendienst eines Rostocker Holzhandel-Unternehmens.

Seit März 1996 war Thomas Endrulat Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Westenbrügge, 2008 wurde er Ortswehrführer und im Jahr 2011 als Nachfolger von Klaus Ronnisch Wehrführer der Gemeinde Biendorf.

„Wir sitzen am Freitag zusammen und werden für ihn einen großen Nachruf schreiben“, kündigt der Jugend- und Amtsjugendwart Martin Dominek aus Westenbrügge an und meint, dass der Tod von Thomas Endrulat „ein Riesenloch“ hinterlasse. „Er hat uns alle mit seinem Wissen bereichert“, betont der 37-Jährige rückblickend und sagt: „Wir hatten am vergangenen Freitag noch Dienstabend bei der Feuerwehr – ganz normal . . . Es ist schrecklich“.

„Thomas war hilfsbereit und bescheiden“

So einen Schrecken spürten wohl am vergangenen Montag auch die Mittagsgäste im Biendorfer Imbiss von Birgit Wehofsky: „Wir haben hier alle gesessen und keiner hat so richtig was gesagt. Alle haben gedacht, das gibt’s doch gar nicht“, erinnert sich Helmut Zastrow. Der Biendorfer – Jagdnachbar von Thomas Endrulat – war am Sonntag Angeln gewesen, als er am Mittag den Notarzthubschrauber kreisen sah und dann das Tatü-tata hörte. „Da ist einer von unseren Jägern gestorben“, soll es später geheißen haben.

„Thomas war hilfsbereit und stets bescheiden. Viele wussten gar nicht, was er alles so treibt. Wir sagen das jetzt nicht aus Höflichkeit. Er hat auch wirklich viel bewirkt. Und er war immer freundlich, den mochten viele“, ergänzt Helmut Zastrow. „Wir haben ihn hier am Sonnabend noch erlebt, beim Preisskat“, wirft Birgit Wehofsky ein und schildert, wie Thomas Endrulat „die Mädels in den Arm genommen“ und allen ein frohes neues Jahr gewünscht hätte.

Es wäre am Rande auch um die tödliche Krankheit einer Bekannten gegangen, der bis zum Ende mehrmals täglich Schmerzmittel gespritzt werden mussten. Da hätte Thomas Endrulat gesagt, dass er so nicht enden wolle. Wenn, dann solle es schnell gehen. „Das er der Nächste ist, konnte ja keiner ahnen“, so Birgit Wehofsky betroffen.

Feuerwehrverband würdigt Leistungen des Wehrführers

Betroffenheit herrscht auch im Amt Neubukow-Salzhaff. „Er hatte immer so eine positive Ausstrahlung, war stets bemüht, Probleme zu lösen, hielt seine Kameraden zusammen, schuf ein einvernehmliches Verhältnis. Wir sind hier sehr betroffen und erschrocken“, sagt Ilona Zippert, die Leiterin vom hiesigen Ordnungsamt, das mit Thomas Endrulat vor allem als Gemeindewehrführer zu tun hatte.

Der Brandschutzsachbearbeiterin Heike Müller fällt sofort ein, dass Thomas Endrulat im Vorjahr für seine hervorragenden Leistungen auf der Kühlungsborner Jahreshauptversammlung mit der Ehrennadel des Landesfeuerwehrverbandes in Silber ausgezeichnet worden war. Und Heike Müller lobt die stets gute Zusammenarbeit mit der Biendorfer Wehr.

Er fand schon seit der Kindheit Wald und Tiere spannend

Jäger Martin Kiepura – seine Großeltern kommen aus Biendorf – erinnert sich daran, wie Thomas Endrulat in der Region mit der Jagd aufgewachsen sei und einst seinen Jagdschein machte.

Der OZ hatte Thomas Endrulat vor Jahren einmal erzählt, wie er als elfjähriger Westenbrügger immer wieder durch die Wälder gezogen wäre, weil er schon damals „Natur, Tiere und Jagd“ spannend fand und sich dann bereits als 14-Jähriger zur damaligen Jagdgesellschaft des Dorfes gesellte.

Auch Martin Kiepura (33) lobt Thomas Endrulat als einen „hilfsbereiten Menschen“ und sagt: „Er hat selten ,Nein’ gesagt, meistens hat er sich bemüht, etwas hinzukriegen, auch wenn er zunächst vielleicht nicht wusste, wie. Das, was jetzt passiert ist, ist wirklich ein Jammer – kaum zu glauben. Einen Tag vor seinem Tod haben wir uns noch unterhalten. Thomas ist ein ganz feiner Mensch gewesen!“

Thomas Hoppe

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