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Bad Doberan Durch Loch am Haus 6000 Euro versenkt?
Mecklenburg Bad Doberan Durch Loch am Haus 6000 Euro versenkt?
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00:00 14.02.2018
Links neben der Laterne raste 2016 ein Pkw in die Stubenwand. Auch Jahre davor war ein Auto neben der Haustür gelandet. Quelle: Foto: Thomas Hoppe

„Ich begrüße sehr, dass oben in der Rostocker Straße jetzt ein Schild angebaut worden ist mit 30 km/h. Noch besser fände ich allerdings, wenn so eine Geschwindigkeitsbegrenzung auch für die Kurve beim ,kik’ gelten würde. Hier sind nämlich schon zweimal Autos in meine Hauswand gefahren“, sagt der Kröpeliner Klaus Tiedemann. Es gab zum Glück zwar keine Personenschäden, aber im Fall vom Sommer 2016 hätte er nun immer noch einen persönlichen Schaden von 6000 Euro zu tragen.

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Kröpelin: Nachdem 2016 ein Auto in seine Fassade raste, soll Klaus Tiedemann kräftig draufzahlen

Am Morgen des 27. Juli 2016 war ein Pkw in die Fassade seines Hauses an der Rostocker Straße gekracht. Zunächst vermutete Klaus Tiedemann, dass das entstandene Loch nur den Putz und die Dämmung betraf. Doch die Polizei musste dann auch Risse in der Hauswand, einen nach innen verschobenen Fußboden, eine lädierte Stubenheizung und ein beschädigtes großes Fenster auf die Schadensliste nehmen.

Der Versicherungsvertreter der Gegenseite kam umgehend aus Neubukow vorbei: „Am Anfang lief das wunderbar, muss ich sagen“, betont der Geschädigte. Zwei, drei Tage später stand der Mann der Versicherung gemeinsam mit dem Vertreter einer Rostocker GmbH für Brand- und Wasserschäden als angekündigter Generalauftragnehmer sowie mit einem Maurermeister und einem Baufirmenchef aus der Nähe der Hansestadt bei Tiedemanns auf der Matte. Am 2. August folgte der Sachverständige. Sowohl er als auch der Baufirmenchef gingen nach den Worten von Klaus Tiedemann sehr gründlich ans Werk – jeweils um die zwei Stunden prüften sie und nahmen Maß. Die eingerissene Wohnzimmerwand musste raus. „Bis zur Heizperiode sollte aber alles wieder koscher sein, ich müsste mich um nichts kümmern“, erinnert sich Klaus Tiedemann etwas verbittert an die Worte der Versicherungsseite und verweist darauf, dass seine Familie in Erwartung eines baldigen Baubeginns dann das Wohnzimmer ins benachbarte Schlafzimmer geräumt hätte.

„Doch auf einmal war Ruhe“ und das Kröpeliner „Unfallopfer“ erfuhr nur durch einen Anruf bei dem mutmaßlichen Generalauftragnehmer, dass die GmbH aus der ganzen Sache raus sei. Man habe den Auftrag wieder zurückgegeben, hieß es. Nach weiteren Wochen kehrte die Generalfirma allerdings mit einem neuen Maurer zurück. „Der nannte nach fünf Minuten Augenschein eine Gesamtkostensumme von 27000 Euro“, sagt Klaus Tiedemann und macht deutlich, dass er zu diesem Handwerker kein Vertrauen fasste.

Mittlerweile sollte besagter Versicherungsvertreter aus Neubukow die Angelegenheit einem Mitarbeiter in Hamburg – „eine Instanz höher“ – übertragen haben. In Neubukow war gestern die Filiale geschlossen – Schulungstag. Die OZ wird nachfragen.

Da ihn „inzwischen alle im Stich gelassen“ hätten, bat der Kröpeliner mit dem Wandloch den Baufirmenchef aus der Nähe von Rostock, dem er gleich vertraut haben will, den ursprünglichen Auftrag auszuführen. Die Versicherung hatte nach Klaus Tiedemanns Angaben die vom Gutachter zunächst angesetzten 15 000 Euro und die Mehrwertsteuer überwiesen. Da lag der Kostenvoranschlag der Baufirma bereits mit dem Betrag von rund 23000 Euro auf dem Tisch und letztlich stand der Winter vor der Tür.

Der heute 69-Jährige, der in ein paar Wochen seinen 70. Geburtstag feiert, machte seine Wohnstubenwand mit einer alter Schranktür und einer Schaummatte selbst „wind- und winterfest“, wie er sagt.

Im Februar/März 2017 begannen dann die Baumaßnahmen, die bis Mai andauerten. Zehn Monate lang hatten die Tiedemanns ihre Wohnstube und das Schlafzimmer nicht richtig nutzen können. Unterm Strich stehen jetzt rund 24 000 Euro „und die Versicherung will nicht mehr bezahlen, als der Gutachter im Sommer 2016 eingeschätzt hatte – lediglich 500 Euro für zwei Monate Zimmernutzungsausfall und 80

Euro für meine Eigenleistung dazu.“

Klaus Tiedemann räumt ein, dass es bei der Quadratmeterzahl für die Fassade Differenzen gibt, weil natürlich die ganze Hauswand einheitlich gestrichen wurde. Aber selbst wenn er diese Differenzen herausrechnet, bleiben Tausende Euro übrig, deren Zahlung der Kröpeliner von der Versicherung erwartet – ganz abgesehen davon, dass er ja zehn Monate lang die Stube nicht nutzen konnte, wie Klaus Tiedemann betont.

Für den Gutachter war dagegen das Wohnzimmer „bis zum Beginn der Schadenbeseitigung weiter uneingeschränkt nutzbar“. „Warum können sich denn der Sachverständige und der Bauunternehmer nicht mal kurzschließen und dann untereinander die Differenzen ausräumen“, fragt sich der Geschädigte und baut nun darauf, dass der Anwalt, den er in dieser Angelegenheit eingeschaltet hat, vorankommt.

Thomas Hoppe

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