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Bad Doberan Ehrenamtler in der Pflicht: Brände löschen, Unfallrettung
Mecklenburg Bad Doberan Ehrenamtler in der Pflicht: Brände löschen, Unfallrettung
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09:22 14.03.2018
„„Wir können für vernünftige Tech- nik, Fahrzeuge, Gerätehäuser sorgen, aber Freiwilligkeit können die Gemeinden nicht kaufen.“Joachim Hünecke Bürgermeister Gemeinde Sanitz

Großbrand am 4. März in Oberhof bei Sanitz. Es ist ein später eisiger Sonntagabend. Sofort und selbstverständlich begeben sich rund 50 Kameraden von acht freiwilligen Feuerwehren des Umfeldes zu ihren Gerätehäusern und rücken mit insgesamt 15 Fahrzeugen aus zum Umglücksort. Ein Wohnhaus steht in Flammen.

Nachwuchssorgen bei den Feuerwehren / Freiwilligkeit nicht käuflich

Nachbarn haben die Bewohner in Sicherheit gebracht. Die Feuerwehrleute kämpfen mit den Flammen. Sie müssen ein Loch in den zugefrorenen Löschteich sägen, Wasserschläuche vom Oberhofer See unter Bahngleisen hindurchfädeln. Der Großeinsatz fordert die Ehrenamtler der Ortswehren. Das reetgedeckte Wohnhaus und die Scheune können sie nicht mehr retten. Nebengebäude, Kuhstall, ein Gastank müssen gesichert werden. „Es ist das Verdienst der Freiwilligen, dass das Feuer nicht noch mehr Schaden angerichtet hat“, würdigt Sanitz’ Bürgermeister Joachim Hünecke den Einsatz.

Nach 13 Stunden rücken die letzten Feuerwehrleute ab. Es ist Montag Mittag, als sie kaputt und müde ins Bett fallen. Mit Essen und Trinken wurden die Männer versorgt, ansonsten war der Löscheinsatz unbezahlte Freizeit, in der sie Gesundheit und Leben riskiert haben. „Im Notfall erwarten wir alle Hilfe. Und die kommt von Ehrenamtlern“, sagt Hünecke. „Ich ziehe meinen Hut vor diesem Engagement.“

Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen, die sie mit freiwilligen Kräften umsetzen muss. „Wir können für vernünftige Technik, Fahrzeuge, Gerätehäuser sorgen“, erklärt der Bürgermeister, „aber Freiwilligkeit können die Gemeinden nicht kaufen.“ Und so gibt es vielerorts Probleme, genug Aktive für eine einsatzbereite Feuerwehr zu finden. „In unserem Bereich ist Groß Lüsewitz das Sorgenkind“, sagt der Sanitzer Gemeindewehrführer Wilfried Matisseck.

Kreisbrandmeister Mayk Tessin kennt weitere Kommunen, in denen es an aktivem Nachwuchs mangelt: „Zum Beispiel Roggentin oder Stäbelow“, sagt er. 164 freiwillige Feuerwehren gibt es im Landkreis Rostock mit 4121 aktiven Kameraden. Die Mitgliederzahlen gehen seit Jahren zurück. „Jetzt haben wir zum ersten Mal einen Anstieg, 23 Aktive mehr als vor einem Jahr“, ist der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes froh. Der Zulauf käme nicht von allein. „Vor allem über unsere eigenen Kaderschmieden, die Jugendfeuerwehren, akquirieren wir Nachwuchs.“ Die 103 Jugendfeuerwehren im Landkreis zählen derzeit 1405 Mitglieder, „hier sind es 181 mehr als im Jahr zuvor“, berichtet Tessin.

Der Sanitzer Rathauschef will nicht nur auf das Ehrenamt setzen. Die Mitarbeiter seiner Gemeinde Sanitz im Bauhof oder Sportstättenbereich werden zur Mitgliedschaft in der Feuerwehr verpflichtet.

Hünecke apelliert an den Gesetzgeber in Mecklenburg-Vorpommern, „Möglichkeiten zu schaffen, diese Freiwilligkeit zu erweitern“. Doch eine Feuerwehrabgabe, wie sie Männer in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen vor Jahren zahlen mussten, wenn sie nicht der freiwilligen Feuerwehr angehörten, wurde 1995 vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig gekippt.

In MV werden seit 2014 Zuwendungen als Dankeschön gezahlt: 100 Euro zum zehnjährigen Jubiläum, 200 Euro für 25-jährige und 250 Euro für 40-jährige Zugehörigkeit in der FFW. „Das ist ein Anfang“, bemerkt Tessin, der grundsätzlich gegen eine Bezahlung der Einsätze ist. „Wenn der fiskalische Aspekt in den Vordergrund rückt, wird die Freiwilligkeit infrage gestellt. Unser oberstes Gebot ist die Kameradschaft, und die wäre gefährdet“, fürchtet Tessin. Er hat einen anderen Vorschlag: „Zusätzliche Rentenpunkte für Feuerwehrleute, das wäre eine echte Würdigung, die der große Gesetzgeber in Berlin in Angriff nehmen könnte.“

Am 17. März findet die Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Landkreis Rostock in Güstrow statt.

Doris Deutsch

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