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Bad Doberan Ein Leben für die Familie
Mecklenburg Bad Doberan Ein Leben für die Familie
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00:01 12.12.2017
Hannelore Bleck in ihrem Wohnzimmer mit Urenkelin Greta sowie Enkel Stephan Bleck (30). FOTOS (5): WILMA WELZEL
Malpendorf

Wind weht das letzte Laub von der alten, ehrwürdigen Linde vor dem sanierten Gutshaus des Dorfes, zu dem eine gepflegte Auffahrt führt. Hier lebt die Familie Bleck bereits seit 1965. Auf dem Anwesen hat auch der über die Region hinaus bekannte Geflügelhof Bleck seinen Sitz.

Hannelore Bleck gehört zu den ältesten Einwohnern / Mit dem Dorf ist sie untrennbar verbunden

Im Wohnzimmer zeigen viele persönliche Erinnerungen den Familienzusammenhalt der Blecks. „Die Familie ist das Wichtigste für mich“, sagt Hausherrin Hannelore Bleck (74). „ Schön, dass meine Kinder im Ort geblieben sind, mein Enkel Stephan lebt mit seiner Familie im Gutshaus, ein fleißiger Junge, der sich viel um die Pflege des Umfeldes kümmert. Auch meine kleine Urenkelin Greta ist oft bei mir“, freut sich die 74-Jährige. „Und hier sitzen wir im ehemaligen Kulturraum. Wie viele Feste, ob zur Ernte- oder Faschingszeit, haben wir zu DDR-Zeiten in diesem Raum gefeiert, heute ist es mein Wohnzimmer“, sagt sie lächelnd. „Der Raum ist zwar klein, aber urgemütlich, alle hatten hier Platz. Und jeder brachte etwas mit: Kartoffelsalat, Bockwurst von Schlachter Prüter, der eine oder andere schlachtete ein Schwein. Trotz schwerer körperlicher Arbeit waren das schöne Zeiten mit einem großen Zusammengehörigkeitsgefühl im Dorf“, denkt die Seniorin etwas wehmütig zurück.

Dieses Miteinander machte es der Familie leicht, hier nach Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen 1945 eine zweite Heimat zu finden. „Ja, Malpendorf ist mein Zuhause geworden. Damals war es ein typisches Bauerndorf, jede Familie hatte eine eigene Wirtschaft“, erinnert sie sich. „Und wir Flüchtlinge erhielten eine Siedlung mit Haus und Ackerland. Ja, da war viel zu tun, oft mussten auch wir Kinder helfen beim Versorgen der Tiere, bei Feldarbeiten. Das war einfach selbstverständlich.“

Mit viel Fleiß schaffte es die Familie, sich wieder eine Existenz aufzubauen. Schwierig sei es damals gewesen, einen Großteil der von ihnen erwirtschafteten Produkte, das sogenannte Soll, für die Versorgung der Bevölkerung abzuliefern. „Denn wir brauchten ja auch etwas zum Essen“, erzählt Hannelore Bleck. „So manches Mal haben wir Kinder heimlich eine Tasse Milch getrunken.“

Das Leben im Dorf sei damals sehr einfach und schwer gewesen, so die Malpendorferin: Wasser vom Brunnen heranschleppen von einer der fünf Pumpen im Ort (eine Wasserleitung wurde erst 1969 verlegt), kein Strom (erst ab 1952), keine feste Straße, bei Regenwetter nur Modder. „Also täglich Schuhe oder Stiefeln abwaschen, denn während des Schulweges nach Neubukow versank man oft im Morast.“ In ihrer Kindheit habe sie viel Praktisches fürs Leben gelernt, von ihrer Mutter das Wirtschaften im Haus, vom Vater Garten- und Feldarbeiten, meint sie noch heute voller Dankbarkeit. „Wichtig war ihnen, dass wir Kinder etwas lernen. So wurde ich Buchhalterin, fast ein Wink des Schicksals“, erzählt die Seniorin. „Denn nach der Wende änderte sich einiges auch für uns: Wir kauften das Gutshaus, sanierten es, gründeten 1993 unseren Geflügelhof. Die Buchhaltung übernahm ich, führte sie auch bis vor Kurzem.“

Mit dem Hof habe sich ihr Ehemann Wolfgang seinen Lebenswunsch erfüllt, nämlich Bauer zu sein. Leider sei er vor 15 Jahren verstorben. „Aber die Liebe zur Landwirtschaft und zu Tieren hat er wohl an seine Kinder weitergegeben“, meint die 74-Jährige lächelnd. So hat Sohn André im Dorf mit viel Herzblut seinen Ponyhof aufgebaut. Oft arbeite er bis 22 Uhr, sorgt sich die vierfache Mutter. Und den Geflügelhof Bleck führen heute Tochter Maike und deren Ehemann Karsten Ulm als Familienbetrieb.

Aber so ganz loslassen kann und will die Seniorin nicht, die Gänse und Enten sind ihr ans Herz gewachsen. „Ich schaue regelmäßig nach den Tieren, ob es ihnen gut geht. An ihrem Gang, ihrem Verhalten kann ich das erkennen. Ja, ich muss doch sehen, ob alles läuft“, erklärt sie schmunzelnd. „Und gern helfe ich montags und dienstags beim Schlachten und Verkaufen von Geflügel. Schön ist es, wenn ich noch gefragt werde.“

Hannelore Bleck hat fast ihr ganzes Leben in Malpendorf verbracht. „Hier ist meine Heimat, hier ist meine Familie, Kinder, Enkel, vier Urenkel, das fünfte ist unterwegs, hier sind meine Nachbarn, hier sind die Tiere. Und um mich herum Wald, Wiesen und Wälder. Das ist Glück.“

Wilma Welzel

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