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Bad Doberan Ein Nordfriese in Klein Bölkow
Mecklenburg Bad Doberan Ein Nordfriese in Klein Bölkow
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00:01 17.10.2017
Klein Bölkow

Ein Abzweig von der Kreisstraße 13 zwischen Bad Doberan und Schwaan führt nach Klein Bölkow zum Buchenberg. Dort steht ein schmuckes Eigenheim. Hier lebt die Landwirt-Familie Conny und Bruno Petersen mit den beiden erwachsenen Kindern Laura und Lars. Aber es gibt noch eine zweite Bauern-Familie Petersen: Tausende Kilometer weit weg, in der Ukraine, im Dorf Hubnik. Dort leben und wirtschaften der älteste Sohn Nils (39) aus des Bauern erster Ehe und Schwiegertochter Roxana mit den zwei Enkelkindern.

Landwirt Bruno Petersen zog es von der Nordsee nach Mecklenburg

Die Serie

Jede Woche stellt die OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan in der Serie ein Dorf aus der Region vor. Wir erzählen Geschichten über Menschen, die dort leben, über Veränderungen, über die Sorgen der Einwohner. Heute: Klein Bölkow in der Gemeinde Satow.

Den Wirtschaftshof seines Ackerbaubetriebes hat Meister-Bauer Bruno Petersen (67) im nahen Hastorf. Während der Senior in Deutschland Felder von zusammen 600 Hektar in den Fluren rund um Bölkow, Clausdorf, Wilsen oder Stülow bestellt, bewirtschaftet der Junior im fernen Land 2000 Hektar bester Schwarzerde. „Vor zehn Jahren hat sich Nils aus der Heimat dorthin verabschiedet, wo er sich schon bald gut einlebte“, schildert Petersen den Lebensweg seines selbstbewussten Sohnes. Der junge Landwirt – wie er selbst von Nordfriesland an der dänischen Grenze kommend – lernte mit Eifer drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Ukrainisch.

Auch Bruno Petersen zog aus der Gegend um Niebüll im Nordsee-Marschenland weg. Bald nach seiner Scheidung fand er eine neue Heimat in Klein Bölkow, lernte dort seine Conny kennen und baute mit ihr auf dem schön gestalteten Grundstück das Haus. „Seit 1996 bin ich wieder glücklich verheiratet. Hier lebe ich gern, hier fühle ich mich mit meiner Familie wohl", unterstreicht der Landwirt aus dem Nachbarland an der Nordsee mit achtungsvollem Blick auf seine liebenswerte Frau aus dem kleinen Dorf Klein Bölkow, die ihm treu zur Seite steht.

Gleich nach der Wende hatte der Meister der Landwirtschaft Bruno Petersen aus Holstein seinen Blick auf Mecklenburg gerichtet, wo sich in Folge des Strukturwandels Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) auflösten und – wie er schon bald erfahren konnte – fruchtbarer Acker zu haben war. Er rechnete gründlich durch, wie er dort Fuß fassen könnte. 1990 hatte sich sein Entschluss gefestigt: „Ich mache das.“ Er verkaufte seinen 46 Hektar großen Hof an seinen Cousin. Kam dann zunächst in Kröpelin unter. Dort erfuhr er zufällig, wie er sagt, wo Land zu bekommen war. Er investierte zunächst in landwirtschaftlich nicht mehr genutzte Gebäude und baute sie nach seinen Vorstellungen um. Ackerland sagte ihm in der Umgebung verschiedener Dörfer in der heutigen Gemeinde Satow zu. Petersen baute in Hastorf eine Getreide-Trocknungsanlage und schaffte Lagerkapazität für seine Ernte, die er von hier aus qualitätsgerecht auch im Export selbst vermarktet. Eine eigene Funkanlage mit Sendemast verbinden ihn und seine Angestellten untereinander im weit verzweigten Terrain. Der Bauer aus Nordfriesland sieht sich, wie er sagt, „in seiner neuen Welt“ längst bestätigt. In seinem mecklenburgischen Únternehmen arbeitet er mit modernster Technik für Feldbestellung und Ernte, um hohe Qualität zu erzielen.

Dabei helfen ihm der noch in der DDR ausgebildete 53-jährige Agrar-Ingenieur Christian Obermüller aus Stülow und Mitarbeiter Christian Warnow (24) aus Hastorf. Petersen ermöglicht ihnen durch ganzjährige Beschäftigung mit einem Stundenkonto auch eine sichere Vorsorge fürs Alter. Während der Sommermonate ist als Lehrling auch der jüngste Sohn Lars (18) im Technikbereich des Betriebes tätig. Lars sieht seine berufliche Perspektive in einem regionalen Lehr-Verbund, zu dem auch Ausbildungsbetriebe in der Milchwirtschaft und Schweinezucht gehören. Die theoretische Ausbildung erhält Lars an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Güstrow.

Über seinen Wohnort Klein Bölkow und den Ackerbau-Betrieb in Hastorf hinaus ist der Meister der Landwirtschaft Bruno Petersen aus Nordfriesland ein angesehener Mann, der lange Zeit den Vorsitz in der Ortsvertretung von Gesamt-Bölkow hatte, zu dem auch Matersen und Hohen Luckow zählen. Jahrelang brachte er sich unter anderem als Schöffe bei Gericht, im Gemeinderat oder im Wasser- und Bodenverband „Warnow-Beke" mit seiner ganzen Persönlichkeit ein. „Heute konzentriere ich mich aber vor allem auf das Wohl der Familie und der Mitarbeiter“, sagt er.

Freizeit bei den Pferden

Ihr erster Weg führt zu den Pferden auf der Koppel oder im Stall ihres Anwesens. Dann, wenn Grit Weigang in der Klein Bölkower Beratungsagentur für Handicap-Budgets die Aktenordner zugeklappt hat und das Tagewerk im Büro in der Moorstraße beendet hat. Es sei ein so gutes Gefühl, vom freudigen Nüstern- Schnaufen der Tiere begrüßt zu werden, erzählt die vielbeschäftigte Geschäftsführerin des Unternehmens, das pflegebedürftigen Menschen intensiven Beistand gibt. In ihrer Freizeit widmet sie sich dann aber ganz ihren Pferden. „Der Duft vom Stall und frischem Heu in den Krippen verströmt ein unvergleichlich erholsames Flair“, sagt sie.

Zehn der Vierbeiner vom stolzen Friesen-Wallach bis zur sächsischen Kaltblutstute sind bei ihr in Pflege, drei davon gehören Einwohnern umliegender Orte und sind dauerhafte Pensions-Gäste. „Natürlich ist Ausmisten, Hufe putzen und Fell striegeln auch mit Arbeit verbunden, aber ebenso mit viel Spaß, den die Pferde in ehrlicher Zuneigung danken“, sagt Grit Weigang. „Begeisterte Tierfreunde sind zur Hilfe oft mit im Stall dabei.“ dgr

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Familie lebt in einem achteckigen Haus

Ein Haus der besonderen Art sieht der Spaziergänger, der in Klein Bölkow in der Gemeinde Satow am sich grün ausbreitenden Ende der Buchenberg-Straße angekommen ist. Auf schlicht achteckig gemauertem Bauwerk thront ein stufig gestaltetes Dach mit Gräsern, die im Sommer bunt in allen Farben blühen. Hier pulsiert das Leben der Eheleute Michaela und Tobias Paschke mit den drei Kindern Anton, der fast zwei Jahre alt ist, und Lena sowie Pauline, die zur Schule gehen.

Ihr Lebensbereich auf 120 Quadratmeter im Haus ist in fünf Zimmer, Küche, Bad und Korridor geordnet, die vom Mittelpunkt als Hauptraum tortenstückförmig ausstrahlen. Von kleinen Glaskuppeln funkeln Licht und Sterne direkt vom Himmel hinein. Und an jeder Seite durch ein türgroßes Fenster grüßt die freie Natur vom 2000 Quadratmeter großen Grundstück. „Die Freiheit und den Entschluss zum Bau dieses Hauses nahm sich mein Vater nach Beratung und Entwurf des Architekten Uwe Goetsch aus Bad Doberan“, erzählt Tobias Paschke. Sein Vater habe ihm später dann das Bauwerk überlassen, an dem er wie auch seine Mutter und die ganze Verwandtschaft fleißig mitgearbeitet haben.

„Einige Leute spöttelten anfänglich, das Fundament sehe aus wie eine Klärgrube. Als das Haus dann fertig war, meinte mancher lustig, es gleiche einer riesigen Torte. Aber das Wohnen darin ist pures Vergnügen“, sagt Paschke zufrieden. Es sei so gut isoliert, dass die größte Sommerhitze außen vor bleibt und das Thermometer drinnen konstant angenehme 20 Grad Celsius anzeige.

„Das alles ist aus ökologischem Überlegen entstanden, mit der Natur zu bauen und dem Material aus ihr.“ Holz wurde als Grundgerüst in Fachwerks-Verbund zusammengefügt und mit Lehmziegeln ausgemauert, die Fassade dann mit Formsteinen. „Die Dämmung ist aus Isofloc, einer Zellulose – gewonnen aus Zeitungspapier“, erläutert Tobias Paschke.

Inzwischen sei das Haus heizungsmäßig auch modernisiert worden. Zum Kamin kam eine automatisch funktionierende Gas-Heizanlage. „Unser Haus ist mit keinem anderen im Ort zu vergleichen“, sagt Tobias Paschke stolz. Michaela Paschke nickt zustimmend. „Nur es fehlt uns sehr an einem Breitband-Internet-Anschluss. Versprochen hat es die Regierung für alle Orte. Dann muss sie es auch halten“, so der Klein Bölkower.

Ruhige Lage, gute Anbindung

Stressiges Verkehrsrauschen von Schwerlastern, Pkw und Motorrädern ist in Klein Bölkow kein Thema. Die vielbefahrenen Landstraßen 10 und 13 führen, getrennt durch einen dichten Wald und ackerbaulich genutzten Feldern, am Ort vorbei. 161 Einwohner zählt Klein Bölkow.

„Wer die Ruhe liebt, ist hier am richtigen Ort“, sagt Matthias Drese, Bürgermeister der Gemeinde Satow. Trotz seiner Beschaulichkeit ist das kleine Dorf mit drei in verschiedene Richtungen zu befahrenen Straßen gut angebunden. Ein fester Weg führt ins benachbarte Groß Bölkow zu einem gut besuchten Landgasthof mit Verkaufsstelle, den die Dorfbewohner aus alter Gewohnheit „Konsum“ nennen.

Der ist ein paar Stunden am Tag geöffnet. Hier erhalten die Kunden seit 30 Jahren frische Wurstwaren oder Fleisch. Es gibt auch Brötchen und Tageszeitungen. Inhaber des Restaurants mit dem „Tante-Emma Laden“ ist Regina Preukschat, unterstützt von Ehemann und Gastwirt Wolfgang. dgr

Daten, Fakten, Lesestoff

15. Jahrhundert – in dieser Zeit gehörte Klein Bölkow als Gut zum Amt Bukow und befand sich im Besitz der Herren von Bülow, die zu den ältesten Adelsgeschlechtern in Mecklenburg zählen. 17. Jahrhundert – hier berichtet die Chronik, dass das Gut an Nicolaus Goeden und später an den Bauern Dieder Wulfrath in Wokrent gegeben wurde. Davon abgesehen sind immer Familienmitglieder der Bülows genannt.

18. Jahrhundert – zu dieser Zeit gehörte der Ort schon zur Pfarre Heiligenhagen. Im Kirchenregister taucht der Name Karnatz auf, der hier wie viele andere bis zur Gegenwart Bestand hat.Nach dem Ersten Weltkrieg

wird der Ort zur Landgemeinde. Die Aufsiedlung des Gutes wird in Angriff genommen. Von da an gibt es in der Entwicklung des Dorfes viele Parallelen zum benachbarten Dorf Groß Bölkow. Das betrifft die Jahre bis zum unmittelbaren Ende des Zweiten Weltkrieges, aber auch die Periode nach 1945.

Durch die Bodenreform erhalten 33 Bauern eine Neubauernstelle. Bereits im Jahr 1958 schließen sich sechs von ihnen zur LPG zusammen. Die zwei Jahre später gegründete Genossenschaft „Fritz Reuter“ bleibt nur ein Jahr selbstständig. Es kommt im Jahr 1969 zum Zusammenschluss mit der LPG „Grüne Saat“ in Groß Bölkow. Eine feste Straße wird gebaut und die beiden Nachbarorte rücken enger zusammen.

dgr Dietrich Grunzig

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